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Unbekannte Spenderin und ein Brief

Von GERD ALPERMANN 27.04.2010, 15:29

THALE/MZ. - Im vergangenen Jahr waren es 17 Einsätze, die von den Kameraden der Bergwacht mit ihren insgesamt rund 50 Mitgliedern geleistet wurden. Für den Vorsitzenden und Jürgen Wendemuth, langjähriges Mitglied der Wacht, ist diese Zahl der Einsätze der Rand des Machbaren. Schließlich seien alle Bergwächter ehrenamtlich tätig.

Im Durchschnitt kommen zehn Einsätze im Jahr zusammen. Oft sind es Leichtsinn oder das Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, die zu Einsätzen der Bergwacht führen. Jürgen Wendemuth nennt eine Rettungsaktion unterhalb der Seilbahn am Hexentanzplatz. Ein Vater mit seinen zwei Töchtern hatte die letzte Bahn auf den Berg, wo ihr Auto stand, verpasst. So wollten die drei unterhalb der Seilanlagen den Hexentanzplatz, abseits der ausgeschilderten Wege, erklimmen. Doch dann war im Berg Schluss und ein Rückweg nicht mehr denkbar. Per Handy meldete sich der Vater, und die Bergwacht wurde alarmiert. Mit etwa 15 Kameraden wurden Vater sowie Töchter aus ihrer misslichen Lage befreit. Um die 15 ist meist die Stärke der Bergwächter, wenn sie durch die Rettungsleitstelle zu einem Einsatz beordert werden.

Nicht nur Sicherheit im Felsen, fast alle Kameraden sind aktive Bergsteiger, gehört zu den Voraussetzungen, aktiv mitwirken zu können, sondern auch Kraft. Jens Kowalewski denkt da besonders an die weiten Wege im Bodetal. Nicht nur einmal passierte es, dass ein Verletzter genau zwischen Thale und Treseburg zu bergen gewesen war. Den weiten Weg zurück, da werden eben Ausdauer und Kraft von den Kameraden verlangt, wenn eine Trage über schmale Stiege oder felsigen Untergrund geschleppt werden muss. Doch nicht nur im Bodetal sind die Bergwächter gefragt. Beim Erdrutsch am Concordiasee in Nachterstedt wurden sie über die Rettungsleitstelle angefordert und ebenso für einen Einsatz in Bad Suderode im März dieses Jahres, als drei Jungen vom Kinderheim in Gernrode an einem Steilhang unweit des Felsenkellers festsaßen. Die Bergwacht holte die Jungen gemeinsam mit der freiwilligen Feuerwehr des Kurortes aus dem Berg.

Dieser Tage erhielt die Bergwacht Post aus Gernrode. Im Brief von Max, Dean und Justin heißt es: Liebe Bergwacht Thale! Wir wollen uns noch einmal bedanken, dass ihr uns gerettet habt. Deshalb schicken wir euch diesen Brief und malen euch ein Bild, wie ihr uns rettet. "Für den Brief wollen auch wir Dank sagen. So etwas motiviert", meint Jürgen Wendemuth und möchte zusammen mit Jens Kowalewski noch einen weiteren Dank aussprechen. Eine Thalenserin, die ungenannt bleiben möchte, hat der Bergwacht ein größere Summe gespendet. Das Geld wird der Bergwacht in ihrer ehrenamtlichen Arbeit zugute kommen.

Die Bergwacht Thale wurde bereits 1953 gegründet und ist im DRK-Kreisverband Quedlinburg-Halberstadt organisiert. Unterstützung erfährt die Wacht vor allem von der Stadt Thale. Dank einer intensiven Jugendarbeit gibt es keine Nachwuchssorgen. Eine Kletterwand in der Turnhalle am Pfingstanger sorgt für beste Trainingsbedingungen für die Jugendlichen. Erst mit 16 Jahren dürfen sie als Anwärter in die Bergwacht aufgenommen werden, um dann mit 18 aktiv werden zu können.