Suchtarbeit mit handgemachter Musik
Halle/MZ. - Die Musiker der Gruppe "Mosaik" um Bandleiter Dieter Sommer stecken in einem riesigen Berg Arbeit. Bis zum Sommer muss die Musik für ein Theaterstück perfekt einstudiert sein. Auch ein Hörbuch soll produziert werden. Außerdem ist eine CD geplant, hinzu kommen die Auftritte in sozialen Einrichtungen. Doch "Mosaik" ist keine professionelle Band. Die meisten ihrer Mitglieder sind in sozialen Bereichen tätig, vor allem in der Suchtarbeit.
Und hier liegen auch die Wurzeln der Band. Axel Bethge, der Gründer des Kontaktcafes "Null Promille" hatte Mitte der 90er die Idee dafür, bei Präventionsveranstaltungen die Vorträge mit Musik zu unterstützen. Bei einer Weihnachtsfeier im Jahr 2000 kam der Gedanke, eine Band zu gründen, erinnert sich Dieter Sommer. Seither spielt die Truppe in unterschiedlichen Besetzungen und vereint Hobbymusiker unterschiedlichster Art.
"Ich habe schon immer Musik gemacht, das ist für mich alles: Hobby, Erfüllung, Spaß, Freude und Zusammensein mit Gleichgesinnten", verrät Hans-Jürgen Engelmann, der am Keyboard sitzt, Mundharmonika spielt und auch singt. Für Sängerin Katja Schilling ist die Band vor allem Ausgleich für die harte Arbeit in einer Magdeburger Fachklinik. Bassgitarrist Wulf Bringmann ist die Selbstbestätigung wichtig, die er bei Auftritten erhält. Das motiviere zu Neuem, meint er und freut sich auf die Theateraufführung. Sechs Monate lang hat er Material für die Geschichte, die sich mit Sucht und ihrer Bewältigung befasst, gesammelt und Songs komponiert.
Doch bis zur Premiere im Kulturzentrum Reichenstraße wird "Mosaik" mit den "ganz normalen" Auftritten glänzen. Bei Jubiläen, in Kliniken, Altersheimen oder Jugendklubs. Handgemachte Musik komme besser und emotionaler an, als die aus der Konserve, haben die Hobbymusiker erfahren. Ihr Repertoire ist sehr umfangreich: Lieder, Balladen, Schlager aus den letzten 50 Musikjahren, Oldies also, gehören dazu. Songs, die unter die Haut gehen, zum Träumen einladen, zum Tanzen animieren. Und die noch eine andere wichtige Botschaft haben. Die Beispielfunktion nennt Dieter Sommer das. "Wir wollen zeigen, dass es ein Leben danach, nach der Sucht, gibt, und dass man Lust am Leben haben kann". Und Engelmann ergänzt: "Was uns zusammengeführt hat und zusammenhält, ist die Liebe zur Musik und der Wunsch und die Absicht, anderen Menschen zu helfen und Freude zu schenken."
Das könnte bald nicht nur mit Life-Auftritten, sondern auch mit einer CD möglich sein. Welche Titel darauf zu hören sein werden? "Ein Mix aus bekannten Songs und eigenen Kompositionen", sind sich die Bandmitglieder sicher. Unterstützung erhält die Band vom Kreisverband des Arbeitersamariterbundes. Der ASB stellt auch den Probenraum. Wöchentlich einmal probt die Band im Kontaktcafe Null Promille. "Und sollte die Probe am Freitagabend einmal ausfallen, dann haben wir Entzugserscheinungen", schmunzeln die Musiker.
Kontaktadresse: Dieter Sommer, Kontaktcafé "Null Promille", Neuer Weg 22 / 23, Quedlinburg, Telefon 039 46 / 26 95.