Männer mit Säge am Seil
Quedlinburg/MZ. - Keinen kleinen. Nein, das Geäst einer acht Meter hohen Linde wippt im Rhythmus der Bodenwellen, der Ballen mit dem Wurzelwerk ruht in einer Art metallenem Gehäuse. Günther Hohmann bringt die wertvolle Fracht an eine andere Stelle auf dem weitläufigen Areal und setzt den Baum millimetergenau in das vorbereitete Pflanzloch.
Zuvor konnten die Gäste des Tages der offenen Tür beobachten, wie der Fahrer die mächtigen Spaten der Pflanzmaschine zunächst in die richtige Position bringt, die Schaufeln dann ausschwenkt und steil stellt. Die beweglichen Spatenteile befinden sich nun genau im richtigen Abstand zum Stamm und bohren sich wenig später einzeln mit einem Druck von 20 Tonnen in die Erde. Haben die Spatenteile ihr Werk getan, bilden sie in der Erde einen dichten, den Wurzelballen umschließenden Korb. Wenn der Baum seinen neuen Platz gefunden hat, ist die Arbeit noch lange nicht getan. "Das Überleben hängt jetzt von der richtigen Nachversorgung und Pflege ab", erklären Landschaftsgärtnermeister Henning Buchmann und Tilman Glauer, Betriebsleiter der Firma Haltern und Kaufmann aus Meitzendorf.
Die Demonstration einer Großbaumverpflanzung gehört zweifellos zu den spektakulärsten Aktionen, mit denen das Zentrum auf das Gelände lockt. Hunderte waren der Einladung zum Tag der offenen Tür gefolgt, wer nach ein, zwei oder auch drei Stunden wieder geht, hat meist Pflanzen, Blumen oder zumindest Informationen, ein paar gute Ratschläge oder Anregungen für den heimischen Garten im Gepäck. So wie in den anderen Jahren bereichern zahlreiche Garten- und Landschaftsbaubetriebe sowie Technikfirmen aus der Umgebung das Angebot.
Dass Landschaftspflege manchmal auch mit aufwändiger Technik einhergeht, macht neben der Großbaumverpflanzung auch die Kletteraktion von Enrico Dörrmann und Torsten Heendorf deutlich. Ausgerüstet mit Helm und Sicherungsseilen, erklimmen sie die Spitze der prächtigen Silberpappel im Hof des Zentrums. Die jungen Männer, die neben ihrer Ausbildung als Landschaftsgärtner auch eine mehrstufige Kletterausbildung absolviert haben, kommen immer dann zum Einsatz, wenn Baumpflege mit dem Hubsteiger aus Platz- oder anderen Gründen nicht möglich ist. Erst kürzlich haben sie im Quedlinburger Brühlpark gearbeitet, "weil wir da mit schwerer Technik nicht rein durften", erklärt Enrico Dörrmann.
Während ein Teil der Besucher gebannt die Kletterkünste der beiden jungen Männer beobachtet, versorgen sich andere am Stand von Lutz Schreyer, Kai-Uwe Fehnle und Liane Deuter mit Tipps über Gemüsebau, verkosten vier unterschiedliche Tomatensorten und erkunden den Nutzen von Dünnschicht-Beeten. Mit wenig Aufwand lassen sich mit ihnen auf einer vier Zentimeter dünnen Substratschicht Kulturen wie Kohlrabi, Blumenkohl, Brokkoli oder Radieschen ziehen. Interessant ist dies vor allem für Betriebe, die vorrangig von Balkon- und Beetpflanzen leben. Bernd Wolter und Hartmut Henning werben an ihrem Stand für Lehrgänge, die das Zentrum zur Brennholzaufbereitung anbietet, geben Hinweise zur Rasenpflege und zum fachgerechten Gehölzschnitt. Der Landesverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau ist vertreten, Kinder können einen Kistengarten anlegen und dabei ihrer Phantasie freien Lauf lassen. So wie der zehnjährige Johannes, der einen Minigarten mit allem Drum und Dran angelegt hat: mit Teich, Terrasse, Wiese, Beeten und Bäumen.