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Mehr Platz für Flugzeuge in Ballenstedt Jetzt kommt eine Drehscheibe

Auf dem Verkehrslandeplatz wird ein neuer Hangar gebaut. Was - trotz abgesagter Veranstaltungen - noch geplant ist.

27.04.2021, 06:00
Auf dem Gelände des Flugplatzes Ballenstedt entsteht ein neuer Hangar. Das Besondere daran ist schon zu erkennen: Er bekommt eine Drehscheibe, auf der mehrere Flugzeuge abgestellt werden können.
Auf dem Gelände des Flugplatzes Ballenstedt entsteht ein neuer Hangar. Das Besondere daran ist schon zu erkennen: Er bekommt eine Drehscheibe, auf der mehrere Flugzeuge abgestellt werden können. Foto: privat

Ballenstedt - Vier Hangars stehen auf dem Ballenstedter Flugplatz, jetzt kommt ein fünfter hinzu: Ein privater Investor baut auf dem Gelände eine Flugzeughalle, die sich deutlich von den anderen unterscheidet. In ihrem Inneren wird es eine Drehscheibe mit 22 Metern Durchmesser geben, auf der bis zu acht Flugzeuge abgestellt werden können.

Für den Bauherrn, der ungenannt bleiben will, hat die Drehscheibe eindeutige Vorteile: So entstünden keine „Parkrempler“ mehr, außerdem müssten nicht „stundenlang“ andere Flieger ausrangiert werden, weil ein Pilot mit seinem Flugzeug aus der Halle will. Hier hat jedes Flugzeug seine eigene Parkposition und kann mit der Drehscheibe vor das Tor des Hangars gebracht werden. Auch eine Luftdruck-Prüfstation sei auf diese Weise zu erreichen. Verläuft alles nach Plan, soll der Hangar im Oktober, November fertig sein, erste Interessenten für einen Stellplatz gebe es bereits.

Ungenannter Investor erfüllt sich einen Traum

„Alle Hallen sind ausgebucht“, sagt Uwe Gröschler, Geschäftsführer der Flugplatz-Betreibergesellschaft. Der fünfte Hangar sei eine Ergänzung. Theoretisch könnten auf dem Gelände noch zwei oder drei weitere Hangars gebaut werden, sagt er; der Flughallenbau sei im Bebauungsplan privilegiert.

Mit dem Bau des neuen Hangars erfüllt sich der Investor einen persönlichen Traum. Der Standort hat für ihn viele Vorteile: Der Flugplatz sei an sieben Tagen in der Woche geöffnet und verfüge über eine gute Infrastruktur. Mit der Nähe zur Autobahn 36 gebe es zudem ein „gutes Einzugsgebiet“. Das kann Uwe Gröschler bestätigen: Piloten, deren Flugzeuge in den Ballenstedter Hangars stehen, kämen auch aus Braunschweig und Staßfurt.

An den Wochenenden und bei gutem Wetter herrsche viel Betrieb, sagt Uwe Gröschler, aber wegen der Corona-Pandemie setze sich die Entwicklung von 2020 fort. „Viele Veranstaltungen sind abgesagt.“ Damit verliert die Flugplatzgesellschaft eines ihrer Standbeine, durch das „immer gute Zahlen“ geschrieben werden konnten. Immerhin: „2020 haben wir sehr gut überstanden“, sagt Uwe Gröschler. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die Veranstalter des Rockharz-Festivals „als sehr guter Partner erwiesen haben“ und - trotz der Festivalabsage - die Gebühren gezahlt hätten. Daneben habe die Flugplatzgesellschaft wegen der Veranstaltungsausfälle Billigkeitsleistungen des Landes in Anspruch nehmen können.

Beherbungsverbot: Deshalb müssen viele Veranstaltungen ausfallen

Zu schaffen macht der Flugplatzgesellschaft vor allem das Beherbergungsverbot: Das Fliegerdorf kann nicht vermietet werden, Wohnmobilstellplätze dürfen nicht genutzt werden. „Deswegen gibt es eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die nicht stattfinden können. Die Leute dürfen hier fliegen, aber nicht hier schlafen“, sagt Uwe Gröschler.

Dadurch musste bereits das Trainingslager der Motorkunstflieger ausfallen - das Nationalteam wollte sich in Ballenstedt auf die Europameisterschaft vorbereiten. Ein Verkehrssicherheitstraining für Motorräder fällt ebenso aus. Auch der Flugtag an Himmelfahrt - eine Tradition in Ballenstedt - wird ausfallen.

Alles ist in Warteposition

Ob sich später im Jahr die Modellflieger hier treffen können, hänge davon ab, ob das Beherbergungsverbot aufgehoben wird. In der Schwebe ist daher auch die Ausfahrt des Boss-Hoss-Meetings. Auf dem Plan stehen außerdem drei Fliegerlager, ein Sternmotortreffen im August und ein Rundkappenmeeting mit internationaler Beteiligung; im vergangenen Jahr konnte es stattfinden. Derzeit, sagt Uwe Gröschler, „ist alles in Warteposition. Wir hoffen, dass die Normalität schnell wieder eintritt.“

Ungenutzt verstreicht die Zeit auf dem Flugplatz freilich nicht. Neben dem normalen Flugbetrieb wird auch an der Modernisierung von Gebäuden gearbeitet. Im vergangenen Jahr wurde ein Teil der Sanitäranlagen erneuert, das soll in diesem Jahr fortgesetzt werden. Auf dem Plan stehen auch die Komplettierung der Fassade am Hangar 1 sowie die Erweiterung der Gaststätte oder des Fliegerdorfs. Was davon umgesetzt werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Fördergelder zur Verfügung stehen oder nicht. (mz/Rita Kunze)