Harz Harz: Angst vor dicker Luft

QUEDLINBURG/MZ. - Die Zeit ist reif, dass sich die Geister wieder scheiden: Ab Sonnabend beginnen im Landkreis Harz die Brenntage. Bis zum 30. November dürfen Gartenabfälle in Kleingärten verbrannt werden. Die Regeln dafür sind vorgegeben, doch nicht jeder hält sich daran - und das ruft Unmut hervor.
In der Landkreisverwaltung, die für die so genannte "Gartenabfallverbrennungsordnung" und damit für die Brenntage verantwortlich ist, appelliert man an die Vernunft der Kleingärtner. "Nicht das Brennen ist das Problem, sondern wie gebrannt wird", sagt Kreissprecherin Ingelore Kamann.
Kontrollen im ganzen Kreis
"Es bleibt das erklärte Ziel, im Landkreis Harz das Verbrennen von pflanzlichen Gartenabfällen weiter zu reduzieren", betont Bernd Germer, Sachgebietsleiter der Unteren Abfallbehörde. Er kündigt Kontrollen an. "Wir sind im ganzen Landkreis unterwegs", sagt Germer. "Die Rauchbelästigungen geben den Anstoß, dass das Thema immer wieder entfacht wird."
Die Erfahrungen im Umgang mit der Verbrennungsordnung sollen zum Jahresende ausgewertet werden. "Danach sind Änderungen mit der Brennsaison im Frühjahr 2012 nicht ausgeschlossen", sagt der Sachgebietsleiter. Aus den Regionalverbänden der Gartenfreunde der drei Altkreise seien Änderungsvorschläge gekommen, denn "die Kleingärtner wollen raus aus den Negativschlagzeilen."
Die Vorstände der Regionalverbände haben ihre Vorschläge auf der Internetseite des Wernigeröder Verbands veröffentlicht (www.gartenfreunde-kreis-wernigerode.de). Darin heißt es unter anderem, dass Gartenabfälle zuallererst auch dort bleiben sollen - im Garten. Strauch- und Baumschnitt, der nicht kompostiert werden kann, ist "durch Container der enwi zu entsorgen oder in die in vielen Orten vorhandenen Wertstoffhöfe zu bringen". Von Schädlingen befallene Pflanzen und Baumschnitt "sind durch kleine Feuer in von unten belüfteten Metallfässern oder im Handel erwerbbaren Verbrenneinrichtungen oder in gemauerten Kaminen zu beseitigen", heißt es weiter, und außerdem: "Im Herbst ist jegliches Verbrennen in offenen Feuern zu unterlassen." Abschließend erklären die Vorstände: "Der Umwelt zuliebe und den Wünschen der Bevölkerung entsprechend ist Handlungsbedarf vorhanden und wir Kleingärtner wollen unseren Beitrag leisten, die Atemluft im Harz und Vorharz zu verbessern." Allerdings sei es dafür auch notwendig, "dass wie bisher auch in den nächsten Jahren die Bereitstellung der Container durch die enwi zur Abfuhr von Strauch- und Baumschnitt kostenfrei bleibt und nicht limitiert wird", fordern die Kleingärtner.
Harte Linie
Ein Brennverbot gab es schon einmal - im Altkreis Quedlinburg, durchgesetzt vom damaligen Landrat Wolfram Kullik. Und auch anderswo kommt man aktuell ohne Brenntage gut aus. Im Landkreis Mansfeld-Südharz wird seit vergangenem Herbst nicht mehr verbrannt, im Februar dieses Jahres wurde das Verbot erneuert. "Wir fahren da eine ziemlich harte Linie", sagt Kreissprecher Uwe Gajowski. Anfangs seien die Kleingärtner verärgert gewesen, doch ein Großteil der Bürger hätte das Verbot begrüßt.
Im Harzer Landratsamt setzt man auf die gewachsene Einsicht vieler Kleingärtner, dass es oft auch anders geht. Das stetig steigende Aufkommen bei den Grünschnittsammlungen und der Anlieferung auf den acht Wertstoffhöfen im Landkreis "zeigen eindrucksvoll, dass immer mehr Bürger bei der Entsorgung auf Kompostierung statt Verbrennen setzen", so Kamann. Die Menge, die der kreiseigene Entsorgungsbetrieb jährlich einsammelt, bewegt sich inzwischen auf die 12 000 Tonnen zu.