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Denkmal für Quedlinburg Denkmal für Quedlinburg: Brunnen als Erinnerung an die Wende

Von Gerd Alpermann 25.11.2014, 18:28
Wolfgang Dreysse mit dem aktuellen Modell seines Wendebrunnens. Hinter ihm steht das erste Modell, welches bereits in den 1990er Jahren entstand.
Wolfgang Dreysse mit dem aktuellen Modell seines Wendebrunnens. Hinter ihm steht das erste Modell, welches bereits in den 1990er Jahren entstand. Chris wohlfeld Lizenz

Quedlinburg - In Hameln auf dem Pferdemarkt steht ein Denkmal zur Grenzöffnung im Jahr 1989. Der Quedlinburger Bildhauer Wolfgang Dreysse hat es geschaffen. Ein Unternehmer in der Partnerstadt gab es in Auftrag. Nachdem der Bildhauer sein Werk vollendet hatte, schenkte der Unternehmer die Skulptur, gestaltet wie eine aufbrechende Litfaßsäule, der Stadt Hameln. An die Wendejahre erinnert sich der Quedlinburger Bildhauer Wolfgang Dreysse immer noch sehr lebhaft, gehörte er doch mit seiner Frau Roswitha zu den Aktivposten des gesellschaftlichen Umschwungs und Neubeginns.

Wendebrunnen für Quedlinburg

Während in Hameln ein Bildwerk Wolfgang Dreysses an die Wendezeit erinnert, ist es bisher in der Stadt, wo er lebt und arbeitet, nicht dazu gekommen. Doch der Künstler fertigte schon Anfang der 1990er Jahre das Modell eines Wendebrunnens für Quedlinburg an. Die Idee: Ein Fass als Symbol des Eingesperrtsein zerbricht, die Menschen befreien sich und steigen hinaus.

„Dabei haben die dargestellten Figuren deutlich Bezüge zu Menschen, die damals aktiv an der Wende mitwirkten“, erklärt Wolfgang Dreysse. „Wenn Gesichter wiedererkennbar sind, kommt es zu einer ganz anderen Identifikation“, ist sich der Künstler sicher.

Modell wurde abgeändert

Ursprünglich sollte der Wendebrunnen auf dem Dippeplatz mitten in dem Gebiet aufgestellt werden, welches zu DDR-Zeiten zum Abriss verdammt war und wo viele Fachwerkbauten verloren gingen, ehe ein Baustopp das völlige Verschwinden zur Wendezeit verhinderte. Die Idee des Wendebrunnens wurde damals aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt. Doch Dreysse brachte sich immer wieder mit seiner Wende-Skulptur in Erinnerung. Vor einigen Jahren änderte er das Modell ab, nachdem der Dippeplatz bebaut war und damit nicht mehr zur Verfügung stand.

Besonderer Ort für den Brunnen

Die Idee des aufbrechenden Fasses blieb erhalten, doch der Platz wechselte. „Ich denke, der Carl-Ritter-Platz - dort, wo am 9. November 1989 die größte Demo stattfand, wäre ein sehr guter Standort“, sagt der Bildhauer heute. Und es soll ein besonderer Ort sein. Wolfgang Dreysse sieht ihn inmitten des mit der Neugestaltung des Platzes freigelegten Grabens zwischen Wordgarten und Wordgasse.

Bei einer Korrespondenz mit dem Bürgermeister erhielt der Künstler zwar seinerzeit Zuspruch für die Idee und das Modell, aber auch eine Absage für die Finanzierung. Damit will er sich aber nicht abfinden. Zum einen denkt er an die Münzenberger Musikanten auf dem Markt. Die Plastikgruppe konnte nach einem großen Bürgerengagement als Brunnen umgestaltet werden und ist somit alter und neuer Blickfang auf dem neu geordneten Marktplatz.

Hilfe des Freundeskreises

Und Wolfgang Dreysse denkt zugleich an seine Geburtsstadt Sömmerda, wo er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Dort entstehen drei Skulpturengruppen zur Geschichte und Zukunft der Stadt in Thüringen, 20 Kilometer nördlich von Erfurt. „Nachdem die Finanzierung der zweiten Skulpturengruppe keine Mehrheit im Stadtrat fand, gründete sich ein Freundeskreis. Ihm gelang es in einem halben Jahr nicht nur die benötigten 57 000 Euro einzusammeln, sondern über 71 000 Euro, und das in so kurzer Zeit“, weiß der Bildhauer und fragt sich: „Warum sollte so etwas nicht auch in Quedlinburg gelingen?“

Im 25. Jahr der friedlichen Revolution von 1989 erinnert der Quedlinburger Künstler an ein Denkmal für diesen gewaltigen, aber friedlichen Umschwung in der deutschen Geschichte. So viele Menschen wie am 9. November 1989 in Quedlinburg, waren seines Wissens in einer Kleinstadt nirgendwo zu einer Demonstration gekommen. Die Erinnerung daran wachzuhalten, dazu könne der Wendebrunnen beitragen. Und wenn es zum 25. Jubiläum nichts wurde, auch 30 Jahre wären ein Zeitpunkt, an dem ein solches Denkmal seinen Platz finden könnte. (mz)

Computersimulation, wo der Wendebrunnen installiert werden könnte.
Computersimulation, wo der Wendebrunnen installiert werden könnte.
Chris Wohlfeld Lizenz