Straßenbahnlinie 5 gerettet Straßenbahnlinie 5 gerettet: Was der Saalekreis nun von Halle erwartet

Merseburg - Vor 115 Jahren ist erstmals eine Straßenbahn von Ammendorf in den Saalekreis gefahren. Und mit 33 Kilometern vom Weinbergcampus in Halle bis Bad Dürrenberg zählt die Linie 5 auch heute noch zu den längsten Überlandstrecken Europas.
Linie 5: Land beteiligt sich an Finanzierung der Strecke
Aus finanziellen Gründen stand die „Tram“ zuletzt immer wieder zur Debatte. Nun ist die Linie 5 bis 2022 gerettet. Landrat Frank Bannert hatte vor einigen Tagen bei einem Krisengipfel mit Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (beide CDU) und dem Geschäftsführer der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (Nasa) GmbH, Rüdiger Malter, den entscheidenden Durchbruch erzielt. Das Land wird sich an der Finanzierung der Strecke beteiligen.
„Die Details werden nun ausgearbeitet und in einem Vertrag festgeschrieben, den wir mit dem Land und dem Straßenbahnbetreiber Havag schließen wollen“, sagt Bannert der MZ.
Saalekreis zahlt Zuschüsse an die Havag für Erhalt der Strecke
Der Saalekreis zahlt seit 2016 einen jährlichen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro an die Havag, weil die Erlöse aus den rund 1,5 Millionen Beförderungen nicht reichen, um den Betrieb der Linie abzusichern. Die Havag fordert freilich noch mehr Geld; 200.000 Euro mehr sollen es ab 2017 sein. Sonst schließt Havag-Vorstand Vinzenz Schwarz weitere Kürzungen im Fahrplanangebot nicht aus. Im Mai vergangenen Jahres waren bereits zwölf Prozent der Fahrten dem Rotstift zum Opfer gefallen - aus finanziellen Gründen.
Linie 5: Land steigt bei der Finanzierung mit ein
Nun steigt also das Land ein, darum haben Kommunalpolitiker aus dem Saalekreis seit Jahren gekämpft. „Ein konkreter Betrag steht aber noch nicht fest. Da müssen wir schon auf den Abschluss der Gespräche warten“, sagt Nasa-Chef Rüdiger Malter. „Die Linie 5 passt zwar nicht in das System mit dem Bahn-Bus-Landesnetz, aber aufgrund ihrer Länge hat die Strecke in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus ein Alleinstellungsmerkmal“, meint Malter. Und insofern sei das Engagement des Landes auch nachvollziehbar.
Spekulationen um Finanzspritze: Landrat Bannert warnt vor Luftschlössern.
Von Schkopau bis Bad Dürrenberg wird nun spekuliert, wie hoch die Großzügigkeit des Landes ausfallen könnte. Ist es sogar denkbar, dass mit mehr Geld in der Schatulle eine Rückkehr zum Fahrplan möglich ist, wie er bis Ende April 2016 galt?
„Wir sollten jetzt keine Luftschlösser bauen und den Bogen nicht überspannen“, sagt Bannert. Man müsse auch weiterhin über die Zukunft der Linie sprechen und nach Wegen suchen, sie attraktiv zu halten. „Von dieser Notwendigkeit werden wir nicht befreit“, meint er.
So reagiert die Havag
Havag-Chef Schwarz, in die Verhandlungen des Kreises mit dem Verkehrsministerium nicht eingebunden, reagiert erfreut über die „positive Botschaft“ und dankt dem Kreis. „Dies ermöglicht es, die Finanzierung der Linie 5 auch mittelfristig auf stabile Füße zu stellen.“
Weitere Aussagen könne er aber noch nicht treffen. Landrat Bannert appelliert derweil an Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos), sich aktiv in die Gespräche zur Zukunft der Linie 5 einzuschalten. „Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, die Linie ist ein Bindeglied. Das Land hat das jetzt erkannt. Ich hoffe, die Stadt auch.“ (mz)