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Merseburg Merseburg: Kuhnert krempelt das Jobcenter um

Von Dirk Skrzypczak 02.08.2012, 19:49

Merseburg/MZ. - Glaubt man Gert Kuhnert, dann ist der Schatten von Roland Schimek aus den Büros des Saalekreis-Jobcenters verschwunden. "Eine Unruhe war anfangs da. Heute spüre ich bei den Mitarbeitern aber viel Zuversicht", sagt der Geschäftsführer des Eigenbetriebs. 100 Tage ist der 52-Jährige im Amt. Dass man nach vorn und nicht zurück blicken wolle, hatte er schon an seinem ersten Arbeitstag am 16. April erklärt. Und dennoch dürften nicht nur die Angestellten des Jobcenters am 18. September mit Interesse nach Halle schauen. Dann wird vor dem Arbeitsgericht der Fall Schimek wieder aufgerollt. Kuhnerts Vorgänger war vom Kreistag fristlos entlassen worden. Der Vorwurf: Schimek soll bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen unrechtmäßig Provisionen kassiert haben.

Kuhnert, der aus der Führungsspitze der Agentur für Arbeit in Merseburg zum Saalekreis gewechselt war, krempelt derweil vor allem die innere Struktur des Jobcenters um. "Der Eigenbetrieb ist besser als sein Ruf. Gerade der Leistungsbereich ist gut aufgestellt. Dennoch lassen sich überall Abläufe optimieren." So sollen der Antragsservice sowie die Antragsbearbeitung enger zusammenrücken. Außerdem ist ein besseres Reaktionsmanagement geplant, das zügig auf Probleme und Beschwerden der Hartz-IV-Empfänger reagieren soll. Dazu gehöre auch, Bescheide zu erklären. So ließe sich eine große Zahl an Widersprüchen vermeiden, ist Kuhnert überzeugt. Letztlich diene alles dem Ziel, die Menschen so gut wie möglich zu betreuen und ihnen aber auch die Chance zu geben, eine Rückkehr ins Berufsleben zu finden.

16 910 Frauen, Männer und Jugendliche aus dem Saalekreis, die das Jobcenter betreut, gelten als erwerbsfähig. Über Förderprogramme und individuelles Training sollen sie für den ersten Arbeitsmarkt wieder interessant werden. "Langzeitarbeitslose in feste Jobs zu bringen, ist nicht einfach. Die Menschen müssen es auch wollen. Motivation ist entscheidend. Leider haben sich viele mit ihrer Situation abgefunden", sagt Kuhnert. Man werde nicht für jeden Einzelnen eine Lösung finden können.

Dafür wird der Eigenbetrieb moderner. So arbeitet das Jobcenter an einem neuen Internetauftritt, der anders als bisher wesentlich mehr Service und Informationen bieten soll - von Vordrucken über Formulare und Mitteilungen bis hin zu einem Stellenanzeiger. 2013 gesellt sich ein Informationspunkt mit Computern hinzu. Möglicherweise sitzt der Eigenbetrieb dann schon in seinem neuen Domizil. Im September entscheidet der Kreistag über einen Umzug der Behörde von der Fritz-Haber- in die Geusaer Straße. In dem Bürokomplex ist die Agentur für Arbeit eingemietet. Platz wäre genug, um den Eigenbetrieb in einem freien Flügel aufzunehmen. Außerdem würde das Jobcenter von der räumlichen Nähe zur Agentur profitieren. Gutes Beispiel ist das Berufsinformationszentrum. Der Standort des Eigenbetriebs in der Robert-Blum-Straße soll vorerst aber bleiben.