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Idee kam auf dem Hochsitz

Von DIANA DÜNSCHEL 16.07.2009, 16:42

MÜCHELN/MZ. - Auf dem Hochsitz kam dem passionierten Weidmann Manfred Thieme die Idee. "Wir machen ein Eiscafé auf", eröffnete er nach der Jagd seiner verblüfften Frau und hatte auf einem Stück Papier gleich den Antrag für die Genehmigung formuliert. Tatsächlich wurde ein Vierteljahr später in St. Micheln Eröffnung gefeiert. Das war am 1. Juli 1979.

Seitdem gingen ganze Generationen Eisliebhaber im "Café Thieme" ein und aus. Kreationen wie die "Geiselquelle" aus gemischtem Eis, Obst und Eierlikör oder die "Müchelner Eisschale" sind auch nach 30 Jahren beliebt wie eh und je. Freilich hat sich der inzwischen 72-jährige Gründer längst aus dem Geschäft zurückgezogen, und Ehefrau Edelgard Thieme hilft heute nur mit aus. Denn mit Tochter Carmen Stahr und deren Mann Ralph hat längst die nächste Generation das Sagen. Zum 30-jährigen Jubiläum aber, das morgen gefeiert werden soll, leben die alten Zeiten nochmal auf. So binden sich die netten Bedienungen, die seit der ersten Stunde dabei sind und jetzt ihren Ruhestand genießen, noch einmal die Servier-Schürzen um.

Auch wenn Thiemes wegen ihres Cafés so manche schlaflose Nacht erlebten, "bereut habe ich die Entscheidung von damals nicht. Allerdings habe ich auch nicht gewusst, wie viel Arbeit da auf uns zukommt", erzählt der St. Michelner. Immerhin wurden aus der Finanzbuchhalterin und dem Elektroingenieur quasi über Nacht Gastronomen und aus Waschhaus und Werkstatt das Café. Edelgard Thieme absolvierte einen extra Lehrgang, Familie Wolfgang Kräker von der Merseburger Eisbar "Kosmos" gab hilfreiche Tipps.

Die Naturidylle vor der Haustür, das gemütliche Sitzen auf der Terrasse im Grünen und schwärmende Worte der Kunden wie "Perle von St. Micheln" sorgten schnell für Riesenandrang und lange Warteschlangen, besonders an den Wochenenden. "Wir verkauften in Spitzenzeiten 500 Kilo Eis pro Tag, verarbeiteten 70 000 Eier pro Saison. Das Obst war selbst eingefroren, die Kühltruhe auch ein Eigenbau", erinnert sich Manfred Thieme. "Ohne die Hilfe unserer Nachbarinnen Uta Hündorf, Helgard Enders und Meta Phillipp und weiterer Einwohner des Ortes hätten wir das nie geschafft", möchte seine Frau allen ein großes Dankeschön aussprechen.

Das Jubiläum wird am morgigen Sonnabend, 18. Juli, ab 11 Uhr, gefeiert. Neben Eis gibt es Wild, Rostbratwurst, Fassbier, Kaffee und Kuchen. Die Geiseltaler Weinprinzessin schenkt Rebensaft aus. Für gute Laune sorgen die "Roßbacher Spitzbuben".