Handel Handel: Ab ins Kinder-Paradies, wenn Mama shoppen geht
Günthersdorf/MZ. - Einkaufen nervt. Wenn die Eltern im Saalepark schlendern, bekommt der Benjamin voll die Krise. Solche Einkaufstour wird bei fast allen Kindern eher zur langweiligen Tortur. "Krieg ich ein Eis?", heißt es dann, oder die Notbremse: "Ich muss pullern", wird gezogen. Die MZ versetzte sich in die kleinen, nörgelnden Kinder und sah sich in Kaufhäusern nach Aufbewahrungsstätten um.
Möbelkauf dauert - das wissen die Leute vom schwedischen Einrichter "Ikea". Wer jedoch im "Småland" abgegeben wird, vermisst die Eltern garantiert nicht. "Im September vergangenen Jahres haben wir unser Kinderparadies völlig umgestaltet", ist vom Kundenservice-Chef Joachim Leck zu erfahren. Während die alte Einrichtung zum Teil nun ihre Liebhaber im Kinderkrankenhaus von Leipzig findet, zogen pfiffige Ideen ins 120 Quadratmeter große Kinderland: zum Beispiel Bäume, unter deren Krone man krabbeln oder Tunnel, durch die man wunderbar kriechen kann. In einer Schlummerecke kann man fernsehen und an Werkbänken sein handwerkliches Geschick ausprobieren. Die Kinder können ohne Zeitbegrenzung abgegeben werden. Schuhe und Anorak kommen in eine Box.
Während das Kind, Altersgrenze ist etwa zehn Jahre, einen Namensaufkleber erhält, laufen die Eltern mit einem Pieper durchs Haus (es muss ja nicht alle Welt mitbekommen, wenn Klein Olli heult). Rund 120 sind das täglich. Abholen darf nur derjenige den Spross, der ihn auch gebracht hat. "Ich weiß, dass mein Kind hier gut aufgehoben ist. So kann ich mit mehr Ruhe einkaufen gehen", meint beispielsweise Christine Meyer beim Abgeben des Piepers und Holen ihrer fünfjährigen Sarah. Auch im benachbarten Möbelhaus "Höffner" fühlen sich die Kinder im "Kinderparadies" pudelwohl. Hier vertreiben sich etwa 30 am Tag die Zeit. Hannelore Scholz und Manuela Klein betreuen den Nachwuchs. Im Paradies gibt es Plüschtiere, selbstredend auch Fernseher und jede Menge Spielzeug. Eine Kontrolle, ob die Eltern die Kinder bei "Höffner" abgeben und dann aber woanders shoppen, gibt es nicht.
Seit Hausöffnung vor zehn Jahren gibt es auch bei Peek&Cloppenburg eine Spielecke mit einem Fernseher, wo der Kinderkanal läuft, sowie einen Wickelraum, ist vom Filial-Leiter Ralf Sternberg zu erfahren. Im Kaufhof Galeria haben Kinder keine Chance, etwas spielen gehen zu können. Hier heißt es straff an der Hand der Eltern zu bleiben, denn eine Freizeitecke für die Kleinen gibt es nicht. "Wir haben ein Herz für Kinder", sagt Marcus Bartmann, Filialleiter bei C&A der MZ. In einer Fernsehecke laufen Trickfilme, im Babywickelraum können junge Muttis ungestört ihrem Nachwuchs die Windeln wechseln. Das beste Haus am Platz für Kinder ist jedoch das Toys"R"us - das Spielwarenhaus. Hier sind Eltern höchstens an der Kasse vonnöten.