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Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung: Wie wohnt es sich 2030?

Von Dirk Skrzypczak 05.03.2013, 07:50
Blick vom Skyhotel auf Merseburg: Wo auch künftig Wohnraum gebraucht wird, ist Teil eines Stadtentwicklungskonzeptes.
Blick vom Skyhotel auf Merseburg: Wo auch künftig Wohnraum gebraucht wird, ist Teil eines Stadtentwicklungskonzeptes. Peter Wölk/Archiv Lizenz

Merseburg/MZ - In 20 Jahren wird Merseburg noch immer eine attraktive Stadt sein, glaubt Bürgermeisterin Barbara Kaaden. „Allerdings werden uns 2030 etwa 5.000 Einwohner im Vergleich zu heute fehlen“, sagt sie. Die Hochrechnungen der Demografie-Forscher sind zwar nicht unumstritten, an der Kernaussage ändere sich aber nichts, ist die Bürgermeisterin überzeugt. „Es werden weniger Menschen geboren als ältere Leute sterben.“ Die Stadt will ihre Zukunft nicht dem Zufall überlassen und arbeitet seit 2008 mit Planern an der Fortschreibung einer Entwicklungsplanung. Darin werden alle Standortfaktoren erfasst. Das Konzept soll ein Leitfaden sein. Einer der Schwerpunkte beleuchtet den Wohnungsbau - die Schaffung neuer Quartiere und Milieus sowie den Rückbau.

„2030 werden in Merseburg 3 600 Wohnungen aus dem heutigen Bestand nicht mehr gebraucht“, erklärt Kaaden. Daher habe man bereits mit den Wohnungsgesellschaften an einem Tisch gesessen. Das Gesprächsklima sei gut und konstruktiv gewesen. Allerdings konnte in einem zentralen Punkt keine Einigkeit erzielt werden: Wo und wie der Rückbau beginnen muss. Aktuell haben alle acht Gesellschaften, die Wohnungen in der Stadt anbieten, einen durchschnittlichen Leerstand von zwölf Prozent. „Das ist gut, keine Frage. Aber so bleibt es nicht“, sagt die Bürgermeisterin. Wenn man nicht reagiere, werde der Leerstand auf 30 Prozent anwachsen. Verwaiste Blöcke seien die Folge - und unattraktive Erscheinungsbilder.

Die MZ hat bei den Gesellschaften und Genossenschaften nachgefragt. Nur drei haben geantwortet. Sie sehen ihre Perspektiven aber durchweg positiv. „Wir werden unsere Bestände der demografischen Entwicklung anpassen“, erklärt Uwe Nachsel von der BWG Halle-Merseburg im Auftrag der Vorstände. Man wolle die barrierefreie Erreichbarkeit der oberen Etagen verbessern. Denn dort verzeichne man den höchsten Leerstand. Auch die TAG Wohnen GmbH will für Mieter attraktiv bleiben und arbeitet an speziellen Angeboten für junge Familien, Studenten und ältere Menschen.

Dass die Unternehmen beim Thema Abriss zögern, kommt für die Stadt nicht von ungefähr. So gibt es für den Rückbau keine staatliche Förderung mehr. Mit bis zu 60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche konnten Vermieter rechnen, wenn sie sich von ungenutzten Wohnblöcken trennten. Zudem konnten Unternehmer ihre Altschulden mit öffentlicher Hilfe verringern. Beide Instrumente gibt es nicht mehr.

„Wer heute abreißt, muss die Kosten selbst tragen. Ich verstehe die Vermieter, dass sie diesen Rucksack nicht schultern wollen“, sagt die Bürgermeisterin. Allerdings macht sie eine andere Rechnung auf. Je größer der Leerstand in den Mehrfamilienhäusern ist, desto unwirtschaftlicher wird es, die Gebäude zu betreiben. „Und es kommt eine Grenze, an der es an die Substanz der Unternehmen geht“, erklärt Kaaden. Man habe daher mit den Anbietern vereinbart, dass man sich wieder zusammensetze, „wenn sich die Rahmenbedingungen akut verschlechtern“ oder der Staat eine neue Förderung auflegt.

„Es kommt eine Grenze, aber der es an die Substanz geht“, Barbara Kaaden, Bürgermeisterin.
„Es kommt eine Grenze, aber der es an die Substanz geht“, Barbara Kaaden, Bürgermeisterin.
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