Arbeitserziehungslager in Zöschen Arbeitserziehungslager in Zöschen: Wann entsteht Gedenkstätte?

Zöschen/MZ - Das Projekt, in Zöschen eine Gedenkstätte in Erinnerung an das Arbeitserziehungslager zu errichten, scheint ins Stocken geraten zu sein. „Wir streiten uns derzeit um des Kaisers Bart“, sagt Edda Schaaf vom Heimat- und Geschichtsverein Zöschen. Konkret geht es um die Auslegung des Stadtratsbeschlusses vom März dieses Jahres. Dieser sage aus, so meint Edda Schaaf, dass dem Verein unentgeltlich ein Grundstück auf dem Druschplatz in Zöschen überlassen sowie einmalig 15.000 Euro zur Verfügung gestellt werden sollen.
Dieses Angebot hat der Verein angenommen. Ende Juli übergab daraufhin die Stadtverwaltung Leuna einen Nutzungsvertrag an den Verein für das benötigte 125 Quadratmeter große Grundstück. „Wir sind sehr enttäuscht. Wir haben einen Vertrag bekommen wie für ein Garagengrundstück“, schätzt die Vorsitzende ein. Der Verein sei davon ausgegangen und habe den Stadtratsbeschluss auch so verstanden, unterstreicht Schaaf, dass ihm das Grundstück überlassen, also geschenkt werde, auf dem er das Dokumentations- und Begegnungszentrum auf eigene Kosten (geschätzt etwa 100.000 Euro) errichten will.
Die Fläche auf dem Druschplatz müsste also herausgemessen und an den Verein - notariell beglaubigt - übergeben werden. „Dann hätten wir ausreichend Sicherheit für unser Gebäude, was bei einem Nutzungsvertrag nicht der Fall wäre. Dann wären wir nur Pächter des Grund und Bodens und die Stadt weiter Eigentümerin“, so Edda Schaaf. Die Trennung von Grundstücks- und Gebäudeeigentum hält sie jedoch für bedenklich, „zumal sie im existierenden Rechtssystem nicht vorgesehen ist“. In einem Schreiben hat sie die Stadtverwaltung nun aufgefordert, „die Angelegenheit noch einmal dem Stadtrat vorzulegen“.
Andere Ansicht in Stadtverwaltung
In der Leunaer Stadtverwaltung ist man anderer Meinung. „Der Stadtrat hat beschlossen, dass dem Heimat- und Geschichtsverein ein Grundstück zur Verfügung gestellt werden soll“, sagt Bürgermeisterin Dietlind Hagenau (parteilos). Das sei für sie nicht gleichzusetzen mit einer Eigentumsübertragung, sondern bedeute vielmehr nur die „In-Besitzgabe des Grundstückes“. Unverständlich ist ihr auch, dass der Verein, der bis dato weder der Verwaltung noch dem Stadtrat ein Konzept für die Begegnungsstätte vorgestellt habe, sich gegen den Nutzungsvertrag ausspreche, denn er sei die „komfortabelste Lösung“.
So müsste dieser keine Vermessungsgebühren und Notargebühren, keine Gebühren für die Grundbucheintragung sowie spätere weitere Kosten tragen. Auch bei der Schaffung von Parkplätzen, die bei der Errichtung der Begegnungsstätte notwendig würden, sei der Verein außen vor, nennt Hagenau einen weiteren Vorteil. Zugleich weist sie daraufhin, dass der Aufbau der Erinnerungsstätte mit Teilen der Baracke neben der Turnhalle bei älteren Menschen in Zöschen nicht unumstritten sei.
Edda Schaaf ist da anderer Meinung. In der Baracke, sagt die Vereinsvorsitzende, seien der Aufbaustab für das Lager und die Küche untergebracht gewesen. Zudem habe bislang noch niemand ein Konzept verlangt. Es sollte im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens vorgelegt werden.