1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Merseburg
  6. >
  7. Schlechtere Erträge: Apfelernte Saalekreis: Frost verringert die Ernte - Das sagen die Obstbauern

Schlechtere Erträge Apfelernte Saalekreis: Frost verringert die Ernte - Das sagen die Obstbauern

Von Katrin Löwe und Claudia Crodel 16.09.2017, 10:00
Auf dem Querfurter Obsthof erntet Anca Olar Äpfel der Sorte Elstar.
Auf dem Querfurter Obsthof erntet Anca Olar Äpfel der Sorte Elstar. Peter Wölk

Querfurt/Bad Dürrenberg - Die Apfelernte hat im Vergleich zu 2016 etwas zeitiger begonnen, wird aber geringer ausfallen als im vergangenen Jahr. Er rechne mit rund 20 Prozent weniger Ertrag, sagte der Chef des Querfurter Obsthofes, Alexander Müller. Wie viel es tatsächlich wird, lasse sich erst nach der Ernte sagen. „Wir müssen nehmen, was wir kriegen. Vom Jammern wird es nicht besser“, so Müller.

Grund für die gesunkenen Ernteaussichten in diesem Jahr sei der Frost in der Blüte gewesen. „Wir hatten sechs Frostnächte.“ Bei den Äpfeln sehe es aber immer noch besser aus als bei Süßkirschen. Dort hätten Frühjahrsfröste und der Regen zu insgesamt rund 50 Prozent Einbußen geführt.

Apfelernte in der Region ist die kleinste seit fünf Jahren

In der Region hatten Obstbauern zuletzt von rund 30 Prozent weniger Apfelernte in diesem Jahr gesprochen. Es würden lediglich rund 13.000 Tonnen sein, hieß es vor wenigen Tagen zum offiziellen Saisonstart. „Das ist die kleinste Ernte der letzten fünf Jahre“, sagte Philipp Moser, Vorsitzender der Landesfachgruppe Sachsen-Anhalt im Landesverband „Sächsisches Obst“.

Als Grund nannte auch er das kalte Frühjahr, in dem der Frost überall zugeschlagen habe, allerdings von Betrieb zu Betrieb in unterschiedlicher Stärke.

Auf der Streuobstwiese in Bad Dürrenberg gab es nach Angaben von Pächter Raimar Ködel 60 bis 70 Prozent Einbußen. „Es war nicht viel los mit dem Apfel“, sagte er. Unter den sieben Hektar Anbaufläche mit Altbestand seien rund 60 bis 70 Prozent Apfelbäume - die Ernte der Streuobstwiese wird zu Apfelsaft, Brand, Sherry und Brotaufstrich verarbeitet. An den Preisen will Ködel nichts ändern.

Obsthof Querfurt: Acht Mitarbeiter sind mit der Apfelernte

Der Querfurter Obsthof baut auf knapp acht Hektar Fläche derzeit 14 Apfelsorten an - darunter seit 2015 eine für Allergiker geeignete Sorte. Eine zweite soll in diesem Herbst noch gepflanzt werden, kündigte Hof-Chef Müller an.

Mit der Ernte sind gerade acht Mitarbeiter beschäftigt, drei bis vier sollen noch dazukommen. Dank gleichmäßigerer Größe und Ausfärbung der Äpfel werde vermutlich ein Pflückdurchgang weniger gebraucht, so der Obsthof-Chef. Mit Geschmack und Farbe sei er zufrieden - für letztere spielt auch der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht eine Rolle.

Sonnenbrand, der mit braunen Flecken auf den Früchten im vergangenen Jahr noch ein großes Problem war, sei diesmal fast nicht zu sehen.

Obsthof Querfurt hebt die Preise für Äpfel moderat an

Äpfel des Querfurter Obsthofes werden im Hofladen sowie laut Müller zunehmend in Edeka- und Rewe-Märkten des Saale- und des Burgenlandkreises angeboten. Derzeit sind schon Sommersorten wie Pirella, Delbar und Galmac zu haben, seit kurzem zudem auch Elstar, Gala und Shampion. Zum Bauernmarkt in Querfurt am Wochenende könnten es noch mehr sein. Angesichts der geringeren Ertragsaussichten und steigender Kosten durch den Mindestlohn sei der Preis im Hofladen moderat von 1,20 auf 1,30 Euro pro Kilogramm angehoben worden, so Müller.

Apfel ist das beliebteste Obst der Deutschen

19,1 Kilogramm Äpfel isst im Schnitt jeder Deutsche pro Jahr. Damit ist der Apfel das beliebteste Obst hierzulande. 30 Prozent davon können die 36 Obstbaubetriebe in Sachsen-Anhalt in Eigenversorgung produzieren. Sachsen-Anhalt war den Angaben zufolge im Vergleich zu anderen Anbaugebieten in Deutschland noch relativ glimpflich davongekommen. Der Deutsche Bauernverband hatte im August die schlechteste Apfelernte seit 1991 prognostiziert.

Bundesweit würden 555.000 Tonnen Äpfel erwartet, 2016 war die Menge mit 1,03 Millionen Tonnen fast doppelt so groß. Besonders betroffen von Einbußen war laut Verband Baden-Württemberg. (mz)