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Zoff zwischen Gemeinde und Verein

Von Wladimir Kleschtschow 20.06.2008, 16:08

Weißandt-Gölzau/MZ. - "Früher war die Zusammenarbeit gut. Doch seitdem der Verein vor einigen Monaten eine neue Leitung wählte, finden wir keine gemeinsame Sprache", erklärte Bürgermeister Burkhard Bresch (Die Linke). "Für den Austritt stimmten übrigens nicht nur die Mitglieder der Linken-Fraktion, sondern auch CDU-Gemeinderäte."

Der Bürgermeister und die Mehrheit des Gemeinderates werfen der Vereinsleitung Geheimniskrämerei und Missachtung der Rechte der Gemeinde als ordentliches Vereinsmitglied vor. Die Liste der Vor- würfe enthält sieben Punkte. "Uns wird trotz schriftlicher Anforderung kein Einblick in die Sitzungsprotokolle gewährt", bemängelt Bresch. Genauso stehe es mit der Auskunft über die Einnahmen des Vereines. "In die Vereinskasse fließen durch Spenden und Sponsoren beträchtliche Mittel", erklärt der Bürgermeister. "Doch jede Information, um wie viel Geld es sich handelt und welche Verwendung es findet, wird uns trotz unserer schriftlicher Anfragen verwehrt. Dabei hat jedes Vereinsmitglied das Recht, dies zu erfahren." Als der Bürgermeister und Gemeinderäte an einer Mitgliederversammlung des Vereins im Januar teilnehmen wollten, sei dies ihnen verwehrt worden.

Der schwelende Konflikt eskalierte, weitere Auseinandersetzungen heizten ihn an. "Der Heimatverein hält Absprachen bei der Vorbereitung von Festen nicht ein", kritisieren Bresch und Gemeinderat Dieter Marx (ebenfalls Die Linke). Wie zum Beispiel bei der Vorbereitung vom Osterfeuer. "Es war vereinbart, dass Glühwein von der Feuerwehr ausgeschenkt wird", so Bresch. "Der Heimatverein baute jedoch einen anderen Stand auf - zum Nachteil der Feuerwehrkameraden."

Gerold Michel, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, wies alle Vorwürfe zurück. "Streit? Wir sehen keinen Streit", sagte er in einem Telefongespräch mit der MZ. "Der Bürgermeister hat doch einen Vertreter im Heimatverein, und dieser kann ihm über alles berichten." Als Vorsitzender könne er doch nicht jedem einzelnen Mitglied schriftliche Berichte über Vorstandssitzungen geben. Ansonsten könne die Gemeinde wie jedes andere Mitglied aus dem Verein austreten. "Da kann ich nichts machen", so Michel. Dann räumte er jedoch gewisse "Diskrepanzen" ein: "Streit gibt es erst, seitdem die Linken im Gemeinderat am Ruder sind. Als Wolfgang Wagner von der CDU Bürgermeister war, lief alles besser."

Er wisse jedoch noch nicht, was konkret die Gemeinde dem Vorstand vorwerfe. Und außerdem seien der Bürgermeister und der Gemeinderat noch nicht die Gemeinde; die Gemeinde seien die Einwohner. Der Verein habe sich stets an Absprachen gehalten, und selbst in der Sache mit dem Glühwein sei es die Kommune gewesen, die aus der Reihe tanzte. "Sie wollten plötzlich Pfand auf Trinkgefäße nehmen", so Michel. "So haben wir es nicht vereinbart." Aus der Zeit des Osterfeuers laufe noch eine juristische Auseinandersetzung, über die Michel keine Auskünfte geben wollte.

So sind der Bürgermeister und der Gemeinderat einerseits und der Kultur- und Heimatverein nun geschiedene Partner. Welchen Einfluss das auf das kulturelle Leben in der Gemeinde hat, bleibt abzuwarten. Der Gemeinderat will jedoch nicht alle Brücken abbrechen und Feste und Veranstaltungen des Heimatvereins weiter finanziell unterstützen - nicht ohne zuvor das jeweilige Konzept zu sehen.