Tag der offenen Schlösser Tag der offenen Schlösser: Warum ein Bild im Rittergut Maxdorf verkehrt herum hängt

Maxdorf - Kai Malleskat-Jordans könnte durch seinen Besuch im Maxdorfer Rittergut zu einem Glückspilz geworden sein. Den Tag der offenen Schlösser nutzt der junge Mann, um einen Einblick hinter die Pforten prachtvoller Häuser zu gewinnen, deren Türen an allen anderen Tagen für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Diesmal wählt der Dessauer das Rittergut, einst die Residenz von Henriette Amalie, Prinzessin von Anhalt-Dessau (1720 - 1793).
Maxdorfer Rittergut: Hoher Andrang am Tag der offenen Schlösser
Seine Stimmung strahlt mit der Sonne um die Wette; erst recht, als die Türen sich für die nächste Führung öffnen. Rund 50 Mann stehen zusammengedrängt im Hausflur und lauschen den Worten der Prinzessin, die abseits der historischen Robe den Namen Jenny Klotsch trägt.
Etwa alle 40 Minuten finden über sieben Stunden Führungen statt. Das Rittergut stößt bei der Nachfrage an Kapazitätsgrenzen. Beinahe jede Runde durch das Haus wird mit deutlich mehr Gästen absolviert als eigentlich geplant. Der Faszination an Haus und Geschichten ist das nicht abträglich. Besonders gut zuhören lässt es sich bestimmt auch im Sitzen, denkt sich Malleskat-Jordans, der in überschwänglicher Manier etwas voreilig auf einem im Flur stehenden Polsterstuhl Platz nimmt.
„Der Stuhl bringt Ihnen Glück. Sie werden nun immer heil zu Hause ankommen“, prognostiziert Jenny Klotsch in ihrer Rolle als Henriette Amalie. Tatsächlich hat es mit jenem Sitzmöbel aus handbesticktem Gobelinstoff etwas ganz Besonderes auf sich: Der letzte Gutsherr Poetsch habe diesen zur Jugendweihe geschenkt bekommen. Ein symbolträchtiges Geschenk, kommentiert der gegenwärtige „Schlossbesitzer“ Jan Klotsch. „Wer damals etwas Eigenes zum Sitzen hatte, der war angesehen“, illustriert er die Bedeutung.
Wertvolle Stücke im Maxdorfer Rittergut
Poetschs Enkelin habe dem Ehepaar diesen Stuhl zur Gestaltung des Innenlebens des Herrenhauses vorbeigebracht. An die Worte können sich Jan und Jenny Klotsch noch heute genau erinnern: „Jetzt ist er wieder zu Hause angekommen“, gibt Klotsch die Worte wider. Auch zum Tag der offenen Schlösser habe sich die Enkelin des letzten Gutsbesitzers unter die vielen Gäste gemischt - „natürlich incognito“, verrät Jenny Klotsch. Noch etwas habe ihnen die Enkelin überlassen: Einen sogenannten Mädler-Koffer, gefertigt in der berühmten Mädlerpassage von Leipzig. Zu sehen ist er bisher nirgends. „Es fehlt momentan der Platz, denn der Koffer ist so groß wie ein halber Schrank“, macht Klotsch den Besuchern deutlich.
Mit der blau-gemusterten Robe führt „Prinzessin Henriette“ durch die Räumlichkeiten. Über die Flure mit den großen Gemälden, an einer Küche mit selbst gestalteten Wand- und Deckenmalereien vorbei bis hin zum Bankettsaal. Lichtdurchflutet ist der Raum. Seine Wände strahlen in sonnigem Gelb, doch etwas ist falsch: Ein Bild von einer Pferdekutsche hängt als einziges von sechs gerahmten Bildern verkehrt herum.
„Der jetzige Gutsbesitzer sagt, es bleibt so hängen, damit es bergauf geht“, lächelt Jenny und meint ihren Gatten. Der hatte kurz vor der Eröffnung 2011 die Bilder aufgehängt, eines davon eben verkehrt. Die Krux an der Geschichte: Auch einem Gutsherren sei das an gleicher Stelle passiert. Als ein Bild zu Bruch ging und er den Platz mit einem anderen schmücken wollte, hängte er es falsch herum auf - so wie Jan Klotsch.
Die Besucher vernehmen es mit einem Lächeln. „Ich finde es mutig, sich ohne Fördermittel so eines Projektes anzunehmen“, meint Besucherin Ilona Schade. Denn bisher habe das Paar noch keinen Cent an Drittmitteln investiert und auch nicht beantragt. Maßgeblicher Grund seien die Wartezeiten, erklärt der Gutsbesitzer. Man wolle nicht monatelang oder Jahre auf Geld warten, sondern jetzt etwas tun.
Darüber können Annemarie Malleskat (sie erschien als historische Gräfin Charlotte Sophie von Bentinck) und Ilona Scharla (als Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst) nur ehrfurchtsvoll staunen. „So etwas verdient großen Respekt“, findet die Dessauerin Scharla.
(mz)
