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Faszination für Autos Rolf Koch aus Köthen hat vor 60 Jahren seinen Meisterbrief zum KfZ-Elektrikermeister gemacht

Von Kindesbeinen an faszinieren ihn Autos.

Von Sylke Hermann Aktualisiert: 08.11.2021, 15:53
Mit Stolz präsentiert Rolf Koch seinen Diamantenen Meisterbrief.
Mit Stolz präsentiert Rolf Koch seinen Diamantenen Meisterbrief. (Foto: Sylke Hermann)

Köthen/MZ - Als „graue Eminenz im Hintergrund“ fühlt sich Rolf Koch augenscheinlich ganz wohl, „zumindest werde ich noch gebraucht - und man fragt mich“. Mit Stolz präsentiert er an diesem Vormittag seinen Diamantenen Meisterbrief. 60 Jahre Handwerkskunst. „Ich habe in meinem Leben schwer gearbeitet, viel gebaut und viele Nackenschläge einstecken müssen“, sagt der 84-Jährige.

Der Köthener beginnt 1952 seine Lehre zum Kfz-Schlosser beim Kraftverkehr Köthen, schließt sie erfolgreich ab, geht für ein halbes Jahr in den elterlichen Fuhrbetrieb und kehrt wieder zu seinem Ausbildungsbetrieb zurück. Warum? „Weil ich weiterkommen wollte.“ Denn: „Stillstand bedeutet Rückschritt.“

„Ich hatte eigentlich von Kindesbeinen an mit Autos zu tun“

Rolf Kochs Großvater ist Schmiedemeister, der Vater Flugmotorenschlosser bei den Junkers-Werken. „Ich hatte eigentlich von Kindesbeinen an mit Autos zu tun“, erinnert er und ist sein Leben lang jemand, der Verbesserungsvorschläge unterbreitet, „weil es die Arbeit erleichtert hat“. So baut er zum Beispiel eine dritte helfende Hand, um den Wartburgmotor ausbauen zu können; etwas, das man ohne fremde Unterstützung ansonsten nicht geschafft hätte. Mit Rolf Kochs Erfindung geht das auch alleine.

Seinen Meister macht er ab 1959 an der Abendschule. Ohne Freistellung vom Betrieb. Zweimal in der Woche drückt er nach Arbeit die Schulbank, außerdem samstags. Als er 1961 aus dem Sommerurlaub zurückkommt, wird er zur Betriebsleitung des Kraftverkehrs zitiert. Er möge, so der Auftrag, aus dem Nichts einen volkseigenen Kfz-Werkstattbetrieb aufbauen. Was er erfolgreich tut. Trotzdem habe er als „Nicht-Genosse“, wie er sagt, keinen leichten Stand im Betrieb, den er leitet, aber bald kündigt.

Er fängt in der Garage seines Wohnhauses in der Wolfgangstraße an, Batterien zu bauen

Nebenberuflich arbeitet er als Kfz-Sachverständiger. Und unternimmt nicht weniger als 24 Versuche, um in der DDR ein Gewerbe anzumelden. „Man wollte das einfach nicht.“ Doch der passionierte Autofahrer lässt nicht locker und begründet seine Anträge immer wieder „mit der Notwendigkeit“. Außerdem lockt die gute Besteuerung des Handwerks, „ich wollte mit meiner Arbeit Geld verdienen“, sagt er.

Er fängt in der Garage seines Wohnhauses in der Wolfgangstraße an, Batterien zu bauen. Irgendwann wird es dort viel zu eng. Im Januar 1980 bekommt er endlich die Genehmigung, seinen Batteriedienst gewerblich aufzuziehen. Das macht er in der Maxdorfer Straße. In der ersten Zeit stehen die Kunden Hunderte Meter Schlange; sie kommen aus den Bezirken Halle und Leipzig und weit darüber hinaus. „Das war eine echte Marktlücke.“ Rund 22.000 Batterien baut und verkauft er jedes Jahr. Zehn Jahre betreibt er seinen Batteriedienst, bis zur Wende.

In der Dessauer Zunftstraße hat er Unternehmer, der vor 60 Jahren seinen Meister macht, ein zweites Autohaus

Damals habe er sofort gewusst, „dass der Batteriedienst keine Perspektive hat“. Die Leute warten zu DDR-Zeiten eine Ewigkeit auf ihr Auto. Rolf Koch entschließt sich folglich, Autos zu verkaufen und weiterhin auch zu reparieren. In der Langenfelder Straße entsteht nach seinen Vorstellungen und Skizzen ein Mazda-Autohaus, das heute unter dem Namen Koch & Herrmann firmiert. Seinen Kompagnon Dirk Herrmann bildet er selbst aus. Und nimmt ihn 2006 in die Geschäftsführung auf. Seine Tochter und seine Enkel sind weitere Gesellschafter der GmbH.

In der Dessauer Zunftstraße hat er Unternehmer, der vor 60 Jahren seinen Meister macht, ein zweites Autohaus und ist stolz, was er in seiner Karriere erreicht hat. „Ich war immer ein Tüftler und Bastler.“ Und jemand, der ungern stillsteht oder -sitzt.