Naherholungsgebiet Löbitzsee Naherholungsgebiet Löbitzsee: Wasser stundenweise abpumpen?

Löbitzsee/MZ - Erhard Schuster musste am Donnerstag erstmal Dampf ablassen. Es rühre sich nichts mehr, während der letzten drei Tage sei das Wasser gerade mal um einen Zentimeter zurückgegangen. „Derweil werden die Schäden immer größer. Wir haben nicht mal Strom, um Geräte betreiben zu können, damit wir unsere Bungalows trocken kriegen“, sagte der Vorsitzende des Vereins „Kurze Eckern“, der mit zum Verein Löbitzsee e.V. gehört. Wenn jetzt nicht bald etwas passiere, werde er die Gemeinde verklagen, weil sie nicht die erforderlichen Maßnahmen einleite.
Acht Anwesen blieben verschont
Die Situation im Naherholungsgebiet ist noch immer dramatisch. Am 11. Juni wurde der Löbitzsee vom Wasser, das aus dem Elbe-Saale-Winkel kam, überflutet. Am Donnerstag war das genau einen Monat her. Und genauso lange stehen die meisten Parzellen noch immer unter Wasser. Von den rund 300 Grundstücken wurden gerade acht, die etwas höher liegen, von der Flut verschont, berichtete Harry Scholz, Vorsitzender des Löbitzsee-Vereins. 60 Prozent der Grundstücke seien noch immer betroffen, am schlimmsten die, die am Südufer liegen.
Kein Wunder, dass beim Vor-Ort-Termin die Nerven blank lagen. Stefan Hemmerling, Bürgermeister der Gemeinde Osternienburger Land, seine Mitarbeiter Lothar Huth und Janine Dolge sowie Gunter Daum vom Umweltamt der Landkreisverwaltung hatten Verständnis für den Frust, den Scholz, Schuster und auch Peter Meißner, Vorsitzender des Vereins Nordufer, deutlich artikulierten. Um dann aber zum ruhigen und sachlichen Gespräch zu finden.
Die Frage ist: Wie kann das Wasser möglichst zügig weggeleitet werden? Untätig war die Gemeinde Osternienburger Land nicht. Sie hat einen Radweg schlitzen und die aufgerissene Stelle ein paar Tage später noch mal vertiefen lassen. „Das hat schon etwas Entspannung gebracht, aber eben nur etwas“, bemerkte Harry Scholz. Jetzt fließe aber das Wasser kaum noch in Richtung Landgraben, Löbitzsee und das benachbarte Gelände hätten in etwa das gleiche Niveau erreicht. Schuster und Scholz forderten den Einsatz einer Hochleistungspumpe, um das Wasser weg zu bekommen. „Es sollte doch gelingen, den See um mindestens 20 Zentimeter abzusenken, damit die Gebäude nicht mehr im Wasser stehen“, sagte Scholz. Der Landgraben, so die Auffassung von Scholz und Schuster, habe wieder einen Stand erreicht, der die Aufnahme von neuem Wasser ermögliche.
Gerade das zweifeln die Osternienburger Verwaltungsvertreter an. „Sie müssen in Betracht ziehen, dass der Landgraben nur wenige hundert Meter vom Löbitzsee entfernt noch immer randvoll ist und noch immer Wasser von den Feldern abfließt“, äußerte Lothar Huth. Er weiß durch seine täglichen Inspektionsfahrten genau, dass das Wasser im Bruch noch sehr hoch steht, auch wenn das, aus der Ferne betrachtet, anders aussehe. Huth kutschierte kurzerhand alle Beteiligten in seinem Jeep in Richtung Landgraben, kam mit dem Auto aber nicht ganz bis an den Graben heran. Er wollte mit seinem Wagen auf den überfluteten Wiesen nicht steckenbleiben. „Eine Abpumpen würde dazu führen, dass das Wasser auf die Felder und dann wieder zurück zum Löbitzsee fließt. Gewissermaßen entsteht ein Kreislauf“, gab Stefan Hemmerling zu bedenken. Das habe ihm auch der Vertreter einer Pumpenfirma gesagt, der sich vor ein paar Tagen am Löbitzsee umgesehen hat.
Unterhaltungsverband wird gefragt
„Wenn wir wenigstens drei Stunden am Tag abpumpen, würde das schon eine Entlastung für die Siedlung bringen. Lasst es uns versuchen. Wir müssen doch endlich einen Schritt nach vorn wagen“, unterbreitete Erhard Schuster nach langem Hin und Her einen Vorschlag. Den die Verwaltungsvertreter nun aufnehmen und prüfen lassen wollen. Dazu wird aber noch der Chef des für den Landgraben zuständigen Unterhaltungsverbandes angehört. Das soll am Freitag passieren. „Ohne Zustimmung dieses Verbandes können wir nicht handeln“, sagte der Bürgermeister.
Vorgesehen ist, das Wasser vom Löbitzsee über eine rund 700 Meter lange Schlauchstrecke bis zum Landgraben an der Brücke in der Nähe des Neolithteiches zu pumpen. Das soll überwacht werden, was, so die Zusage von Harry Scholz, auch Vereinsmitglieder übernehmen würden. Sollte der Landgraben die Wassermassen nicht mehr fassen können, wird das Pumpen eingestellt, bis der Graben wieder aufnahmefähig ist.
Unterdessen haben die Besitzer der Wochenendgrundstücke mit dem Aufräumen begonnen, jedenfalls dort, wo es schon möglich ist. Dass durch das Wasser unglaublich viel kaputt gegangen ist, beweisen die riesigen Berge mit Sperrmüll, die an den Wegen liegen und auf Entsorgung warten. „Meinen ersten Sperrmüll habe ich noch mit dem Boot abgefahren“, schilderte Harry Scholz. Die Einrichtungen der beiden Bungalows auf seinem Anwesen - einer davon gehört seiner Tochter - seien komplett zerstört gewesen. „Ich war kurz davor, alles aufzugeben“, schilderte der Vereinsvorsitzende. „Reinhard Preusche, mein Nachbar und guter Freund, hat mir wieder Mut gemacht.“
