Mit 100 schmeckt die Zigarette noch
Köthen/MZ. - "Sie braucht viel Liebe", erzähltErgotherapeutin Silke Zimmermann, die einbesonders herzliches Verhältnis zu Frau Haasehat. Streicheleinheiten und Küsschen, diedie Jubilarin auch sehr gerne zurück gibt,sind sozusagen alltägliches Glück.Die alte Dame saß gestern Vormittag gemeinsammit Wohnbereichsleiterin Susi Werner, HeimleiterinDiana Kammel, Altenpflegerin Anja Tell undFrau Zimmermann auf der Terrasse. LandratUlf Schindler und Oberbürgermeister Kurt-JürgenZander kamen zum Gratulieren vorbei und amNachmittag Else Haases Tochter Ingrid Lange,die 74 Jahre alt ist.Frau Lange hat zwei Söhne, die ebenfalls schonwieder Kinder haben. Das jüngste Urenkelkindvon Frau Haase heißt Marie und ist fünf Jahrealt. Else Haase wurde am 20. Juni 1907 in Lignitzbei Breslau geboren. Dort hat sie in einemHydrometerwerk als Löterin gearbeitet. Alsihr Vater, der als Spitzendreher bei Junkersarbeitete, 1941 nach Köthen versetzt wurde,zog die Familie mit. In Köthen arbeitete dieJubilarin bei verschiedenen Firmen. U.a. warsie in der Holzfabrik Denner in der MagdeburgerStraße beschäftigt.Im Pflegeheim "Rosenhain" lebt das Geburtstagskindseit Juli 2002. Sie teilt sich mit Hanni Schützein Zimmer, die etwas jünger als sie selbstist.Die große Leidenschaft der Hundertjährigenist und bleibt das Rauchen. Auch nach demrunden Geburtstag will sie damit nicht aufhören.Während des Geburtstagsfestes lässt sie sichselbstverständlich ein Zigarettchen schmecken."So zwei, drei Glimmstängel kommen schon amTag bei ihr zusammen", hat Susi Werner beobachtet.Als junges Mädchen musste Frau Haase immervor der Mutter flüchten und sich verstecken.Sie sollte wegen des Rauchens eine Backpfeifebekommen, gibt Frau Werner weiter, was dieJubilarin ihr erzählt hat. "Geräucherte Warehält sich länger", erklärt sich die Jubilarinihr hohes Alter. Außerdem habe sie immer mitMännern zusammen gearbeitet, gibt sie einenweiteren Tipp, um alt zu werden, was alleam Tisch zum Lachen veranlasst. Jeder denktwohl jetzt daran, wie er es schafft, auchdie 100 zu erreichen.In der kleinen Terrassenrunde geht es rechtspaßig zu. Auch Frau Haase macht noch gernemal ein Witzchen, plaudert Frau Zimmermannaus dem Nähkästchen und streichelt ihrem "Häschen"über den Arm. Auf dem Gabentisch stehen sehrviele Blumensträuße. Vor allen Dingen Kosmetikhaben die Gäste der alten Frau geschenkt.Von ihrem Platz aus könnte Frau Haase dievielen blühenden Rosen im Garten gut sehen.Aber sie hat heute keinen Blick dafür. Sieist einfach zu aufgeregt. Das bemerken auchdie Schwestern und reden ihr gleich gut zu.Auch nach außen hin feiert der Rosenhain imübrigen heute Geburtstag: "Herzlichen Glückwunschzum 100." steht auf einem weißen Tuch, dasan einem der Balkongeländer im Wind flattert.