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Landratswahl in Anhalt-Bitterfeld Landratswahl in Anhalt-Bitterfeld: Uwe Schulze verteidigt seinen Titel

Von Matthias bartl 26.05.2014, 18:12
Uwe Schulze bei der CDU-Wahlparty in Köthen: Immer mit Blick auf die aktuellen Ergebnisse auf dem Laptop. Ebenso gespannt: Bernhard Northoff (l.), Chef der CDU-Fraktion im Kreistag.
Uwe Schulze bei der CDU-Wahlparty in Köthen: Immer mit Blick auf die aktuellen Ergebnisse auf dem Laptop. Ebenso gespannt: Bernhard Northoff (l.), Chef der CDU-Fraktion im Kreistag. heiko rebsch Lizenz

Köthen/MZ - Der Montag nach der Wahl ist immer der Tag, an dem man nach der Hektik des Wahlabends beginnt, sich die einzelnen Ergebnisse in Ruhe anzuschauen, um in ihnen, die mehr oder weniger versteckten Botschaften des Wahlvolkes an die Gewählten oder eben Nicht-Gewählten zu finden. Und da lässt sich in den Resultaten der Landratswahl in Anhalt-Bitterfeld so einiges Interessantes, Ausdeutbares entdecken.

Zunächst einmal die Botschaft, dass es nicht nur einen Sieger gibt, sondern derer drei. Natürlich hat Landrat Uwe Schulze die Wahl gewonnen. Natürlich hat Schulze dies als einziger Landrat in Sachsen-Anhalt im ersten Anlauf geschafft, ohne in die Stichwahl zu müssen. Allerdings sind in seinen Freudenbecher auch einige Wermutstropfen gefallen, auf die noch eingegangen wird.

Schulze in Köthen nur Zweiter

Siegerin ist auf alle Fälle auch Kathrin Hinze. Die Frau aus Aken, die ohne Parteimitglied zu sein für die Linke ins Rennen gegangen ist, erwies sich nicht - wie mancher vermutet hatte - als Verlegenheitskandidatin, sondern konnte 27,5 Prozent der Stimmen einsammeln und schaffte es in Köthen sogar, Schulz vom ersten Platz zu verdrängen.

Blick zurück ins Jahr 2007: Damals hatte Uwe Schulze nach der ersten Runde der Landratswahl zwar auch deutlich in Führung gelegen, aber die absolute Mehrheit doch um einige Prozentpunkte verfehlt. In Lauerstellung damals: Ronald Maaß (Linke), der allerdings mit 20,5 Prozent ein Stück weit hinter dem Wert von Kathrin Hinze 2014 lag. Ronald König (damals SPD) kam auf 16,5 Prozent, verfehlte die Stichwahl - sah später bei seiner Partei auch keinen Stich mehr und ebenso diesmal als WLS-Kandidat. (mb)

Und Sieger ist auch Daniel Roi von der Alternative für Deutschland. Wenn ein Politik-Neuling in einer noch sehr jungen Partei, die eher mit Europa-Themen verortet wird als mit kommunalpolitischer Kompetenz, auf Anhieb prozentual ein zweistelliges Ergebnis erreicht, dann ist das allemal bemerkenswert und wird von der AfD auch zu recht als Erfolg angesehen.

Dagegen dürfte die Wählerliste Sport im Verbund mit anderen freien Wählergruppen mit dem Abschneiden von Ronald König nicht wirklich zufrieden sein. Der ehemalige SPD-Mann kam mit 7,1 Prozent nur auf den letzten Platz im Kandidaten-Quartett.

Schulze wird, wenn er sich die Freudentränen abgewischt hat, sicherlich mit besonderer Aufmerksamkeit die Ergebnisse aus dem Altkreis Köthen anschauen. Dort hat er nämlich nicht in einer einzigen Gemeinde die 50-Prozent-Marke geknackt. Zwar ist er überall über 40 Prozent geblieben (teilweise deutlich), aber im Vergleich mit den Ergebnisse aus dem Altkreis Bitterfeld ist Richtung Köthen ein deutlicher Abfall zu erkennen. Eine Botschaft daraus: Schulze ist in Köthen auch nach sieben Jahren noch nicht so als Landrat anerkannt, wie er sich gewünscht hätte und wofür er auch hart gearbeitet hat. Möglicherweise sind ihm auch Dinge auf die Füße gefallen, für die er letztlich nichts kann, wie die Schließung von Grundschulen, die überhaupt nicht in der Zuständigkeit des Landkreises sind, wofür aber der Landkreis regelmäßig in Haftung genommen wird.

Letztlich ist klar: Es ist schon ungewöhnlich, dass die Schere bei einer Personenwahl in einem Kreis so weit auseinanderklafft - in Sandersdorf-Brehna holte Schulze 68,4 Prozent, in Köthen nur 40,1. Dazwischen liegen Welten; und die Erkenntnis, dass der Kreis eben doch noch nicht in dem Maße zusammengewachsen ist.

Zu den Ergebnissen, die Kathrin Hinze eingefahren hat, ließe sich Ähnliches sagen, nur kommt die Akenerin aus einer ganz anderen Situation, weil sie keine kommunalpolitische Vorgeschichte hat und daher in sieben Jahren zuvor weder etwas falsch, noch etwas richtig machen konnte - jedenfalls auf Anhalt-Bitterfeld bezogen. Ihr hat sicherlich genutzt, dass weder SPD noch Grüne einen Kandidaten ins Rennen schickten. Wer also mit Schulze unzufrieden war und sich politisch eher links verortete, dem blieb prinzipiell keine andere Möglichkeit, als Kathrin Hinze seine Stimme zu geben. Dass dies in Köthen so exorbitant umfangreich erfolgt ist, ist weniger überraschend als man auf den ersten Blick denken mag: Die Linke hat in der Kreisstadt schon immer eine starke Basis und gute Resultate erzielt.

Ländlich hohe Wahlbeteiligung

Interessant ist auch ein Blick auf die Wahlbeteiligung. Ausgerechnet in den Städten Bitterfeld-Wolfen und Köthen war sie teils deutlich niedriger als der Kreisdurchschnitt, lag im hohen 30er Bereich. In allen anderen Gemeinden hingegen und vor allem im ländlichen Raum war die Beteiligung und damit das Interesse an der Wahl signifikant höher. Die Bitterfeld-Wolfen benachbarte Gemeinde Muldestausee lag mal eben 13,2 Prozentpunkte höher als die große Stadt. Auch das ist ein bemerkenswerte Erkenntnis dieser Wahl.