Kultur- und Heimatverein Kultur- und Heimatverein: Bilanz im 20. Jahr des Bestehens
WEISSANDT-GÖLZAU/MZ. - Nach dem plötzlichen Tod des Vereinsvorsitzenden Gerold Michel wurde auf einer Mitgliederversammlung der neue Vorstand gewählt und eine Bilanz der Vereinsarbeit gezogen. Neben Mandy Horn als Vorsitzende und ihrem Stellvertreter Nico Koppenhöle werden Martina Wagner als Kassenwart sowie Silvia Forster und Sabine Schnabel als Beisitzer den Vorstand bereichern.
Zuvor zog Vereinsmitglied Regina Michel eine Bilanz über 20 Jahre nachhaltige Vereinsarbeit. Bereits im Mai 1990 erfolgte die Bildung des Kultur- und Heimatverein Weißandt-Gölzau mit der Zielstellung, das kulturelle Leben in der Gemeinde sowie die Heimat- und Brauchtumspflege zu fördern. Nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989 nutzten die Gründungsmitglieder somit recht früh die Möglichkeiten des erst Anfang 1990 neu geschaffenen Vereinsrechtes in der DDR. Die Mitglieder des Vereins sahen es als ihre Aufgabe an, die bisher wie fast überall in der DDR als "Heimattümelei" mehr oder weniger unterdrückten lokalen Traditionen auch in Weißandt-Gölzau wieder zu beleben.
Unter der ersten Vorsitzenden Edith Ruprecht organisierte der Verein jährliche Kinderfeste zu jedem Kindertag, den in den ersten Nachwendejahren niemand mehr begehen wollte. Nach der Zwangspause zu DDR-Zeiten wurde auch das alte "Weissanner" Dorffest "Jemeenebier an Kleene Pfingsten" wiederbelebt. Zahlreiche Sommerfeste und Weihnachtsmärkte wurden durch die Mitglieder in Absprache mit dem früheren Bürgermeister Wolfgang Wagner und dem Gemeinderat organisiert und durch die Gemeinde finanziell unterstützt.
Mit dem Amtsantritt des neuen Bürgermeisters und der 800-Jahrfeier von Weißandt-Gölzau im Jahr 2002 übernahm anstelle des Kultur- und Heimatvereins ein gemeindliches Festkomitee mit ständig wechselnden Mitgliedern die Organisation und Durchführung der Feste. Um nicht ins Abseits zu geraten, etablierte der Verein nunmehr mit seinem "Knútfest" am Dreikönigstag das im Landkreis wahrscheinlich erste Volksfest des Jahres. Zunehmende Besucherzahlen geben den Mitgliedern recht, mit Ideenreichtum und Engagement erfolgreich sein zu können.
Anfang 2003 begann der Verein auch mit einer Neuausrichtung und Konkretisierung seiner Vereinsaufgaben. Um nicht den Sparzwängen der Kommune ausgeliefert zu sein, erkannte man in Weißandt-Gölzau schnell, dass für eine kontinuierliche Vereinsarbeit eine solide finanzielle Basis und Unabhängigkeit für den Verein unerlässlich ist. Im Rahmen des "Projekt 20" begannen einige Mitglieder durch Zeitzeugenbefragungen mit der Aufarbeitung der Geschichte der Region zwischen Köthen und Bitterfeld sowie deren Entwicklung im 20. Jahrhundert.
Die Ergebnisse dieser Forschung veröffentlichte der Verein seit 2006 in drei Büchern, deren Verkaufserlöse dem Verein helfen und der Kultur und dem örtlichen Denkmalschutz zugute kommen. So übergab der Verein am Tag des offenen Denkmals im September 2007 der Kirchgemeinde Weißandt-Gölzau einen Spendenscheck in Höhe von 1 000 Euro für die Sanierung der spätbarocken Orgel. Eine Ausstellung historischer und zeitnaher Fotografien aus der Region begleitete unter dem Titel "Spurensuche" diesen Tag.
In zahlreichen Vorträgen - zur Befreiung der Region von der Hitler-Diktatur durch US-Truppen, der Niederschlagung des Volksaufstandes 1953 in Gölzau und Radegast sowie dem Großbrand im VEB Orbitaplast im Sommer 1986 - informierte der Verein über wichtige Ereignisse in der Region.
Ein wieder entdecktes und durch den Verein vor der Vernichtung gerettetes Filmdokument über die Arbeit im Schwelwerk Gölzau aus den 1930er Jahren und einen Filmbericht aus den 1960er Jahren über "Weißandt-Gölzau, eine sozialistische Gemeinde" zogen die Veranstaltungsbesucher in ihren Bann. Anlässlich des 70. Jahrestages der Fusion der Dörfer Großweißandt und Gölzau wurden zum "Jemeenebier" von Mitgliedern die vergangen Jahrzehnte in Szenen humorvoll nachgezeichnet.
Als Fazit betonte Regina Michel, dass gerade der gute Mix aus über 30 kulturellen und allgemein bildenden Veranstaltungen im Jahr eine Stärke des Kultur- und Heimatvereins sei.