Villa Creutz

Köthener Garten der Villa Creutz: „Ein wunderbarer Ort“

Köthen - Syrische Flüchtlinge schaffen einen Platz, an dem Leute sich treffen und entspannen.

Von Katrin Noack

Für Maher Halilo und Nawras Akeel ist es „ein wunderbarer Ort“: Der Garten der Villa Creutz in der Köthener Friedrich-Ebert-Straße. „Ein schöner Garten, an dem aber noch einiges gemacht werden muss“, findet der 34-jährige Halilo. Hinter der kleinen Freilichtbühne im schmalen aber sehr langgestreckten Garten der einstigen Bankiersvilla ist viel Freiraum für Beete, Blumen und Bäume. Doch an vielen Stellen wuchert zwischen den Bäumen das Grün, scheint dem Gelände die Form zu fehlen. Die beiden Syrer wollen das ändern und haben begonnen den Garten zu gestalten.

Buffets und Konzerte

Das sieht Hausherr Tom Aslan gerne und lässt die Männer machen. Er selbst verbringt mit Freunden und Familie hier viel Zeit. „Es ist der Lieblingsplatz von vielen“, erzählt er. „Wir feiern hier seit fünf Jahren unsere Gartenfeste“, schildert Aslan. Gerade bei schönem Wetter fänden hier Konzerte und Buffets statt. Auch die Initiative „Projekt Ballerinas“, junge Menschen aus Anhalt, die Bedürftigen helfen, nutze den Garten gerne für ihre künstlerischen Treffen.

Geflüchtete gestalten den Garten

Im Jahr 2011 hat Aslan Villa und Grundstück für die Nichtregierungsorganisation Global Change Now erworben, die hier ihren Bundeshauptsitz hat. Und hier, vielleicht sogar im Garten, ist auch die Initiative „Willkommen in Köthen“ entstanden, die ihre Räume in der Schalaunischen Straße hat.

Der Garten der Villa ist für Aslan ein Ort, an dem die Vereinsinhalte der Initiative in die Tat umgesetzt werden können. „Der Ort gehört denen, die ihn nutzbar machen“, betont er. Darum freut sich der Köthener, dass die Geflüchteten den Garten gestalten.

Nachhaltigkeit ist wichtiger Punkt

Akeel etwa, der in seiner Heimat als Klempner arbeitete, kann hier seine handwerklichen Fähigkeiten nutzen. Er hat eine Abgrenzung aus Backsteinen gemauert. In zwei Ebenen verläuft sie geschwungen und wellenförmig quer durch den Garten. In die Mauer ist auch ein Kräuterbeet eingelassen und es gibt auch Sitzflächen. Aslan gefällt es gut, „auch wenn ich ursprünglich eine andere Idee hatte“. Auch für die Beete und den Grillplatz hat Akeel Einfriedungen geschaffen. Die Steine stammen von alten Mauern auf Grundstück, die Pflanzen wurden von einer Tauschbörse mitgebracht. Das sei nachhaltig, findet Tom und ergänzt, auch das sei der Initiative wichtig.

Ein Händchen für Tiere

Halilo kümmert sich um das Grün im Garten der Villa. In seiner Heimat, der syrischen Großstadt Hama, hatte er einen kleinen Garten. „Der war mein Hobby.“ Wenn es die Zeit zuließ, verbrachte er dort seine knappe Freizeit. Denn Halilo hatte ein Billard-Café und betrieb außerdem ein kleines Tierheim. „In Syrien gibt es viele Straßenkatzen, aber die Leute interessieren sich nicht dafür“, schildert der junge Mann. Er habe die Tiere aufgenommen und versucht, sie wieder zu vermitteln. Das sei nicht leicht gewesen: Hunderte Kilometer musste er dafür oft zu den Katzenliebhabern fahren.

Dann entschied sich Halilo 2015 zu fliehen. Er brachte die 40 Katzen seines Heims sicher unter und machte sich auf den Weg nach Europa. Der Tierschutz ist seine Leidenschaft: Er betreibt eine arabische Facebook-Gruppe für Tierfreunde mit 38.000 Mitgliedern. „Ich würde auch hier gerne mit Tieren arbeiten“, sagt der Syrer.

Mit viel Energie

Doch auch die Arbeit im Garten macht ihm großen Spaß. Er hat in der Nähe der Abgrenzung ein großes Rosenbeet angelegt und will auf der anderen Seite ein weiteres pflanzen. Mit viel Energie entfernt er das zum Teil hoch wuchernde Unkraut und fegt das alte Laub der Bäume zusammen. Es ist sein Hobby aber noch viel mehr. „Hier in Köthen haben mir Freunde geholfen und ich helfe nun ihnen.“ Es sei ein schöner Platz zum Entspannen. Ihm gefällt es, wenn er im Grün des Gartens gemeinsam mit Freunden grillen oder picknicken kann. Darum hilft er gern mit, den Garten noch schöner zu gestalten. „Nawras und ich sind alle zwei Tage hier. Ich habe Zeit, da kann ich das hier tun“, findet er. Für ihn ist es eine grüne Oase an der er Freunde trifft und sich zu Hause fühlen kann.

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(mz)