Köthen Köthen: Mediziner bestehen Prüfung
köthen/MZ. - "Damit wurde der Stellenwert unserer unfallchirurgischen Versorgung deutlich aufgewertet", sagt Chefarzt Wolfram Seelbinder. Der promovierte Mediziner leitet den Bereich Unfall- und Wiederherstellungschirurgie im Köthener Krankenhaus.
Ein spezielles Verzeichnis legt fest, für welche schweren Verletzungen die Zulassung gilt. Dazu gehören thermische und chemische Schädigungen, Verletzungen der großen Gefäße und der großen Nervenbahnen, Brustkorbverletzungen mit Organbeteiligung, komplexe Knochenbrüche. Wurden bisher nach Arbeitsunfällen derart verletzte Patienten ins Köthener Krankenhaus eingeliefert, mussten sie schnellstmöglich in ein anderes Krankenhaus überstellt werden, das die qualitativen Voraussetzungen erfüllte - zum Beispiel das Krankenhaus Bergmannstrost in Halle. Das hängt damit zusammen, dass die Berufsgenossenschaften, die für Berufsunfälle zuständig sind, deutlich höhere Ansprüche an die medizinische Behandlung "ihrer" Patienten stellen, als die Krankenkassen bei übrigen Unfällen. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen an Krankenhäuser und Ärzte, die in dieses System integriert werden wollen. Wie lang der Weg dahin ist, kann Wolfram Seelbinder am eigenen Beispiel demonstrieren. An eine fünfjährige Ausbildung in allgemeiner Chirurgie "hängte" er drei Jahre in Richtung spezielle Unfallchirurgie dran.
Das reichte aber nicht. Gefordert waren noch drei weitere Jahre Tätigkeit in einem für die Behandlung von Arbeitsunfällen zugelassenen Krankenhaus. Die absolvierte er in Dessau und Hamburg.
Das Krankenhaus Köthen hatte schon mal die Zulassung zur Behandlung Schwerverletzter nach Arbeitsunfällen, verlor sie aber 2002, weil die qualitativen Voraussetzungen nicht mehr da waren. Als Seelbinder 2004 die Chefarztstelle in der Unfallchirurgie in Köthen antrat, war es sein ehrgeiziges Ziel, die Zulassung wieder zu erlangen. Das war aber nicht leicht. "Die Berufsgenossenschaften hängten die Latte für die Zulassung immer höher", sagt der Mediziner.
Nun ist es aber so weit. "Beigetragen dazu hat auch das große Bauvorhaben am Krankenhaus", vermerkt Christine Lipp, Geschäftsführerin der Einrichtung. Hochqualifizierte Ärzte, gute räumliche Voraussetzungen, hochmoderne Technik - das waren die Argumente, die strenge Gutachter von den Berufsgenossenschaften überzeugten, welche alles genau unter die Lupe nahmen. Neben Wolfram Seelbinder dürfen übrigens nun auch zwei weitere Mediziner aus seinem Ressort Patienten bei schweren Berufsunfällen behandeln - Uwe Bangemann und Eileen Pannicke.
Seelbinder zufolge werden im Krankenhaus jährlich 1 600 Opfer von Arbeitsunfällen behandelt. "Dazu gehören aber auch Schüler, die sich etwas verstauchen", relativiert der Chefarzt die Angaben. "Sind die Straßen glatt, kommen gestürzte Postboten zu uns", nennt er einen der risikoreichen Berufe. Insgesamt habe das Krankenhaus im Jahr mit rund 90 Menschen zu tun, die bei Arbeitsunfällen schwer verletzt wurden.