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Hochwasserschäden Hochwasserschäden: Nach der Flut: Leid und Nähe

Von wladimir kleschtschow 16.07.2013, 18:54
Das Haus der Familie Duczek während des Hochwassers
Das Haus der Familie Duczek während des Hochwassers ute nicklisch Lizenz

diebzig/MZ - Vor gut vier Wochen wurde die wegen des Hochwassers verhängte Evakuierung Diebzigs aufgehoben. Doch das Leben der Betroffenen ist von der Normalität weit entfernt. Besonders die Einwohner in den niedriger gelegenen Bereichen werden noch Monate brauchen, um wieder so wohnen zu können wie zuvor.

Zum Beispiel Lutz Mischkewitz aus der Müllergasse. Während des Hochwassers stand sein Grundstück mitten in einem See. „Bis hierher hat es gereicht“, sagt Mischkewitz und zeigt auf eine Schraube an der Außenwand, als Markierung angebracht. So hoch stand das Wasser auch drinnen. In der Zwischenzeit hat das Ehepaar Mischkewitz eine Odyssee hinter sich. „Zuerst wohnten wir bei unserem Jungen, dann bei der Schwiegermutter“, berichtet der Diebziger. Auch heute ist das Haus noch unbewohnbar, das er Ende der 1990er Jahre mit Hilfe der Verwandtschaft in Eigenleistung gebaut hatte. Wie ein Rohbau präsentieren sich die Wohnräume, draußen türmt sich ein Berg von Müll. Um das Haus bewohnbar zu machen, müssen Handwerker her. „Heizungsmonteur, Elektriker, Klempner ...“, zählt Mischkewitz auf und kommt so locker auf ein halbes Dutzend Berufe. „Ich hoffe, dass wir bis Weihnachten wieder drin sind. Ich muss wohl vorerst bei meinem Bruder einen Wohnwagen borgen, um darin zu wohnen. “

"Jeder ist für jeden da"

Von Weihnachten spricht auch Gundula Wagner, die mit ihrem Mann Uwe Harnack Am Pförtlingsgraben wohnt. Ihr Haus stand tief im Wasser. Auch hier sieht es wie auf einer Baustelle aus. Doch die Bewohner wollen mitnichten Trübsal blasen. „Es gibt Schlimmeres. Wir sind gesund und gucken nach vorn,“ so Uwe Harnack. Gundula Wagner sagt, dass die Flut gar manche positive Nebeneffekte bewirkte: „In der Straße sind alle zusammengerückt, jeder ist für jeden da.“ Jemand, der eine funktionierende Waschmaschine hatte, habe zum Wäsche waschen eingeladen. Bei einem anderen konnten die Nachbarn die Dusche benutzen, bei einem weiteren die Küche.

Elke und Roger Duczek aus der Müllergasse wissen nicht, ob ihr Fertigteilhaus stehen bleibt. Holz und Dämmung haben viel Wasser aufgesogen, die Wände sind nass. Er stammt aus Edderitz, sie aus Maasdorf. 1998 haben sie sich das Haus gebaut, da die Grundstücke in Diebzig preiswert waren. Der Innenausbau war Eigenleistung. Für ein Fertigteilhaus haben sie sich bewusst entschieden. „Es ist so hell drin“, sagt Elke Duczek.

Doch womöglich muss das Haus ganz weg. Totalschaden. Das sagte ein Gutachter von der Versicherung. Die hatte dann einen weiteren geschickt. Nun warten die Duczeks, was wird. Doch so oder so - es wird länger als bis Weihnachten dauern. „Ich weiß nicht, wo wir dann wohnen werden“, sagt Elke Duczek. Wir - das sind sie beide und der Hund Balko der Rasse Golden Retriever. Das große, gutmütige Tier ist zwölf Jahre alt - ein hohes Alter für einen Hund.

Und noch eines sagt Elke Duczek: „Das Hochwasser, die Sorgen haben uns beide einander noch näher gebracht, nach 31 Jahren Ehe. Das ist das Wichtigste.“