Generationstreffen Generationstreffen: 48 Einwohner, 14 Häuser, 71 Feiergäste
naundorf/MZ. - Um ein Haar wäre die Party ins Wasser gefallen. Dabei hatten die Naundorfer Frauen am Tag zuvor extra noch mal den Spielplatzrasen gemäht, um die Zelte für das große Generationentreffen aufbauen zu können. Und dann öffnet der Himmel derart freigiebig seine Schleusen, dass der Rasen sich wie ein Schwamm vollsog - kein Platz zum Feiern. Da war es nur gut, dass in Naundorf vor der Heide auch ein paar größere Gehöfte zu finden sind.
Wie das von Steffen Fried, wo allein der Torweg so breit war, dass die "Bierzelte" im aufgebauten Zustand hindurchgetragen ("Das war Millimetersache") und auf dem Hof wieder hingestellt werden konnten. Selbst die Hüpfburg für die Kinder ist noch untergekommen. Wenn der Naundorfer Zusammenhalt noch eines Beweises bedurft hätte, hier wäre er zu finden gewesen.
Das ist aber gar nicht notwendig. Denn dass man in dem winzigen Ort zwischen Lausigk und Quellendorf, "vor der Heide" eben, ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt hat, ist nicht neu: "Besser als im Bundestag" wird der Zusammenhalt beschrieben, Weihnachtsfeier und Osterfeuer stehen dafür, und irgendwann fand Kerstin Burghausen, dass man das jährliche, kleine Dorffest doch mal ausweiten könne - so wurde die Idee vom Generationentreffen geboren, an dem auch die Naundorfer teilnehmen sollten, die den Ort schon verlassen hatten.
Der Rest war Organisationsarbeit, war Kontaktpflege und -suche. "Ein halbes Jahr lang haben wir die Veranstaltung vorbereitet", sagt Kerstin Burghausen. Im Mai habe man festgelegt, an welchem Tag gefeiert wird und danach abgewartet, wie viel Leute wohl zur Feier kommen würden. Naundorf hat mit seinen 14 bewohnten Häusern 48 Einwohner, 71 Leute sind zur Feier gekommen - wollte die Stadt Köthen eine vergleichsweise große Feier organisieren, müsste sie 41400 Besucher auf die Beine bringen. Und dann auch noch dafür sorgen, dass alles aus eigener Tasche bezahlt wird. Denn irgendwelche offiziellen Fördermittel haben die Naundorfer für ihr Generationentreffen nicht bekommen.
"Jede Familie hat sich beteiligt. Jeder hat etwas beigesteuert: Kuchen, Getränke, Salat." Nicht zu vergessen: Jede Menge gute Laune. Und weiter nicht zu vergessen: Ein Blick in die Geschichte des Ortes, für den hat Heinz Bartelt gesorgt, der bei seinen Recherchen Bemerkenswertes wie das Bratwurstringreiten zutage förderte - auf alle Fälle so viel, dass die Naundorfer mit recht stolz sein können auf ihren Ort.
Der außerdem vielleicht über den größten privaten Partyraum hierzulande verfügt. Im Gehöft hat Steffen Fried einen alten Stall zum Treffpunkt umgewandelt, in dem man vermutlich das komplette Dorf unterbringen könnte. Gut möglich, dass am Ende genau dort der harte Kern der Party ausgeharrt hat. "Bis früh um drei ist die Veranstaltung angemeldet", sagt Kerstin Burghausen. Und vorher wolle man bestimmt nicht auseinandergehen.