Erinnerungsstücke Erinnerungsstücke: Olaf Hilbig landet mit 382 Stoffbeuteln im Gröbziger Rekordebuch

Trebbichau - In vielerlei Hinsicht ist Olaf Hilbig ein rekordverdächtiger Trebbichauer - und vor allem Sammler. Mit gleich drei Rekorden landet der 56-Jährige im lokalen Gröbziger Rekordebuch.
Jeder kann sich für einen skurrilen Rekord anmelden. Dass der Trebbichauer jüngst ganz penibel Hunderte Stoffbeutel auf 124,58 Metern kreuz und quer gespannten Wäscheleinen und auf Wäscheständern in seinem Garten aufhängte und Hunderte Kugelschreiber im Sonnenlicht drapierte, kam also nicht von ungefähr.
„Ich hatte eigentlich nur einen Kugelschreiber als Andenken an das 56. Gröbziger Parkfest gekauft, das wegen Corona ausfällt“, sagte er und zeigte einen grünen Kuli mit entsprechender Aufschrift.
Für Olaf Hilbig sind die Beutel Erinnerungen, etwa an schöne Reisen nach Korsika
Als der rührige Volker Schwenke, der nicht nur im Rekordeverein, sondern auch im Werdershausener Carnevalsverein mitmischt, den Kuli vorbeigebracht hatte, entdeckte er im Hause Hilbigs ominöse Säcke. Säcke, in denen sich Hunderte Stoffbeutel angesammelt hatten.
Nicht alle sammelte Hilbig allein, die meisten aber schon. Eine besondere Verwendung hatte der Trebbichauer für die textilen Erinnerungsstücke nicht. Lebensmittel verschwanden darin kaum und auch keine anderen Gegenstände. Für Olaf Hilbig sind die Beutel Erinnerungen, etwa an schöne Reisen nach Korsika oder La Rochelle am Atlantik. Von letzterem Besuch stammt ein Beutel, der eine Schildkröte zeigt, auf deren Panzer die Weltkarte abgebildet ist.
Die Beutel hängte er zusammen mit seiner Frau auf Wäscheleinen. So ließ es sich für das dreiköpfige Rekorde-Team besser zählen. „Etwa 70 Stück musste ich vorab aussortieren, die waren doppelt“, so Hilbig, der seinen ersten Stoffbeutel 1991 bei einer Truckerweihnacht in Wilsdruff bekommen hat. „Im Beutel war Süßes, aber auch eine Banane und ein Apfelsinenschäler“, erzählte der 56-Jährige noch heute stolz.
„Zwei Einträge im Rekordebuch sind dir schon sicher“
Ute Schwenke zählte insgesamt 382 Stoffbeutel und 1.775 Kugelschreiber. Auch die sammelte Hilbig intensiv seit der Wende-Zeit. Einen bestimmten Grund gab's dafür nicht. „Ich war 15 Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister von Trebbichau. Da gab's hin und wieder den einen oder anderen Kuli“, antwortete er lachend auf Nachfrage. Besonders wertvoll seien ihm insbesondere die aus seinem kleinen Heimatort Trebbichau.
Der Fan des FC Bayern München kramte geschwind und zielgerichtet einen weißen Stift mit der Aufschrift „Engler Einkauf“ hervor. Einst war das im Ort ein angesehener Händler. Inzwischen ist dieses Erbe verloren gegangen. Mit den Stiften bleiben auch die Erinnerungen - zum Beispiel die an ein russisches Mädchen. „In der POS sollte jeder eine Brieffreundschaft in Russland haben. Von meiner habe ich diesen Kugelschreiber geschenkt bekommen“, sagte er und hob den Kuli, der eine russische Trachtenfigur zeigt, in die Luft.
„Zwei Einträge im Rekordebuch sind dir schon sicher“, tönte Volker Schwenke, der Hüter des Rekordebuches. Mit seinem Kuli-Rekord übertraf Hilbig sogar Jörg Zerbe, der 2000 den Ersteintrag mit knapp 1.200 Schreibern aufstellte. „Unbewusst hast du sogar den dritten Rekord aufgestellt“, so Schwenke weiter. Denn Hilbig und seine Frau Kerstin sandten mit 332 Fotos die meisten Fahnengruß-Fotos aus immerhin fünf verschiedenen Ländern.
Rainer Kloß hat sich über Jahre die Mühe gemacht, unterschiedliche Ansichtskarten zu finden
Volker Schwenke, das weiß sein Umfeld, ist immer für eine Überraschung gut, achtet bei den Rekorden - so skurril sie auch sein mögen - aber auch ganz genau auf die Einhaltung der vorab festgelegten Regeln. So etwa bei den Gröbziger Ansichtskarten, auf denen Gröbziger Motive eindeutig identifizierbar sein müssen.
Rainer Kloß hat sich über Jahre die Mühe gemacht, Ansichtskarten, Postkarten - beschrieben und unbeschrieben - zu finden. Jede natürlich mit unterschiedlicher Aufmachung. Die erste hatte er bereits als Kind, sagte er.
Inzwischen gilt er zurecht als Fachmann in Sachen Gröbziger Ansichtskarten, die häufig die Gröbziger Synagoge, den Mause-Turm, den Parkteich, die Kirche oder der Marktplatz zeigen. Insgesamt 132 befinden sich im Album des 69-Jährigen. Die ältesten stammen von 1897 beziehungsweise 1898. „Damals wurden die Karten noch von vorn beschrieben“, erzählte der Gröbziger.
Volker Schwenke sucht denjenigen, der die meisten Mund-Nasen-Masken vorweisen kann
Im Sammeln der Karten sieht er Geschichte bewahrt. Die vor 1950 seien am reizvollsten, so Kloß. „Denn sie zeigen häufig Sachen, die es nicht mehr gibt, zum Beispiel Gaststätten wie den Dessauer Hof, der nun abgerissen ist“, erzählte Kloß.
Bei seiner Internetrecherche sind ihm zwei Überraschungen passiert. Im Internet fiel ihm eine Postkarte aus dem Mai 1973 in die Hände: eine Karte seines Großvaters Max Kloß an Bekannte aus Frankfurt am Main. Darin schrieb der Opa von einem schlimmen Unwetter, das ihm Starkregen den ganzen Garten zerstörte. Diese Karte wird er sicher nicht mehr hergeben. Und es gibt Postkarten, die er gar nicht erst erwerben möchte. „Bei Ebay fand eine Karte mit der Gröbziger Synagoge für 1.800 Euro einen neuen Besitzer“, so Kloß.
Im Moment sucht Volker Schwenke übrigens denjenigen, der die meisten Mund-Nasen-Masken vorweisen kann. Das wäre der 56. Rekord. (mz)

