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Ein Tag für Nagel und Spaten

Von MATTHIAS BARTL 16.07.2010, 16:58

KÖTHEN/MZ. - Der Spaten gehört nicht zu den alltäglichen Arbeitsgeräten von Ivonne Glaaß. In der Wohnungsgesellschaft Köthen hat es die junge Frau mit Bauabrechnungen und buchhalterischen Aufgaben zu tun - da greift man eher zum Kugelschreiber. Eine Spaten hat sie im Frühjahr zum letzten Mal in der Hand gehabt - und dann eben wieder am Freitag, als sie dafür auserkoren wurde, in der Windmühlenstraße den Grundstein für den nächsten Bauabschnitt des Wohnungsbaus in diesem Quartier zu verbuddeln. Eine Aufgabe, der sich Ivonne Glaaß mit Eifer widmete, auch wenn es eher schwierig ist, in Riemchensandalen einen Spatenstich in den Boden zu bringen.

Azubi schwang den Hammer

Die Wohnungsgesellschaft hatte am Freitag eine Doppelveranstaltung geplant und musste sich dabei kaum ein paar Meter bewegen. Denn gleichzeitig wurde Richtfest am 1. Bauabschnitt gefeiert, dem Laubenganghaus, das im Jürgenweg 33a schon drei Stockwerke aus dem Boden gewachsen ist. Und wie bei bei der Grundsteinlegung für die Windmühlenstraße 43 / 44 durfte auch in diesem Fall der WGK-Nachwuchs die symbolhaltigen Handlungen vollziehen. Während sich WGK-Chefin Monika Heiduczek und Oberbürgermeister Kurt-Jürgen Zander Beobachtungsplätze am Boden vorbehalten hatten, war Azubi Christoph Heidel aufs Dach geentert und hämmerte dort den letzten Nagel ins Gebälk, wie vom Richtsprecher Ralf Möckl zuvor angekündigt worden war. Möckl ist Bauleiter bei der Edderitzer Firma Bau-Baer - "es sind in erster Linie Firmen aus der Region, die hier bauen", stellt OB Zander fest.

Wärme aus der Tiefe der Erde

Nur die Bohr-Spezialisten musste man sich von weiter weg besorgen. Dieser Blick über die Umlandsgrenzen hinaus machte sich aber notwendig - immerhin wird das Haus Jürgenweg 33a ein Niedrig-Energiehaus, wie Planer Ulrich Zimmer verkündet. Und dafür sind die Tiefenbohrungen notwendig, lenken sie doch aus 200 Meter Tiefe Erdwärme ins Heiz-System des perfekt gedämmten Hauses. "200 Meter - da sind wir tief im Gestein", sagt Zimmer. 2 000 Meter tief sind die Bohrungen insgesamt, würde man sie alle aneinander aufreihen. Die Erdwärme wird durch Photovoltaik und Solartechnik energetisch flankiert. Auf das Dach kommen Kollektoren, die Heizung und Warmwassererzeugung unterstützen und als besonderer Clou wird die Balkonverkleidung auf der Südseite des Hauses mit seinen 18 Wohnungen ebenfalls aus Photovoltaik-Elementen bestehen, die Strom produzieren.

Insgesamt werden am Standort vier Häuser mit 49 Wohnungen, darunter auch 26 barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen und zwei behindertengerechte Wohnungen entstehen. Zander lobt das neue Quartier als ruhig und naturnah - letzteres bezieht sich auf die Baum- und Strauchinsel, die die Häuser vom Jürgenpark abtrennt. Für Köthen ist das Fünf-Millionen-Euro-Projekt der WGK auch deswegen wichtig, weil es eine Lücke schließt, die vor einigen Jahren an der Stelle gerissen wurde. Damals wurden sanierungsunfähige Häuser abgerissen. Nun entsteht ein völlig neues, hochmodern ausgestattetes Quartier - und damit setzt die Wohnungsgesellschaft wie schon in der Thomas-Mann-Straße, am Wasserturm und am Krankenhaus Süd ihre Strategie der Aufwertung Köthener Stadtviertel fort.