Heimatgeschichte Ein Porträt-Künstler der Bachzeit: Ernst Heinrich Abel wurde vor 300 Jahren in Köthen geboren
Ernst Heinrich Abel wurde vor 300 Jahren am 20. September 1721 in Köthen geboren. Er machte als Porträtmaler deutschlandweit auf sich aufmerksam.

Köthen/MZ - Ernst Heinrich Abel entstammte einer herausragenden Künstlerfamilie, die sich von Köthen aus in der Bachzeit ausbreitete und zahlreiche namhafte Musiker und Maler hervorbrachte. Er entschied sich früh für die Laufbahn als Maler, hatte namhafte Lehrer und entwickelte sich zu einem deutschlandweit geschätzten Porträtmaler, dessen Arbeiten vor allem in Nord- und Westdeutschland Verbreitung fanden.
Ernst Heinrich Abel wurde am 20. September 1721 in Köthen geboren, der damaligen Residenzstadt der Fürsten von Anhalt- Köthen. Sein Vater war Christian Ferdinand Abel, der in der gerade aufgebauten Hofkapelle des überaus musikliebenden Fürsten Leopold als Gambist und „Premier-Musicus“ wirkte. Als Kapellmeister fungierte Johann Sebastian Bach, der von Weimar nach Köthen abgeworben worden war und die Residenz der Askanier zur Musikstadt entwickelte, was bis heute nachwirkt.
Zwischen Bach und Vater Abel gab es außer den beruflichen auch viele private Kontakte
Zwischen Bach und Vater Abel gab es außer den beruflichen auch viele private Kontakte. Bach schätzte seinen Gambenvirtuosen, schrieb für ihn spezielle Suiten und übernahm im kinderreichen Haushalt seines Musikerkollegen die Rolle des Taufpaten.
Sohn Ernst Heinrich hatte noch drei Brüder. Alle wuchsen in diesem musikalischen Umfeld auf. Doch nur zwei Söhne des Gambisten zog es zur Musik: Leopold August und Carl Friedrich. Ernst Heinrich und sein um eine Jahr älterer Bruder Ernst August hatten bei aller Liebe zur Musik eine größere Neigung zur Malerei. Die musikalische Ausbildung übernahm Vater Abel selbst. Für die Unterrichtung seiner zeichnerisch begabten Söhne verpflichtete er entsprechende Lehrer. Alle vier künstlerisch begabten Jungen wurden in ihrer Interessenausprägung gefördert.
Ernst Heinrich Abel porträtierte überall hauptsächlich betuchte Bürger und deren Familien
Ernst Heinrich Abel ging nach der Ausbildung in Köthen auf Wanderschaft, um sich unter namhaften Künstlern zu vervollkommnen, entschied sich nach ersten Erfolgen für die Porträtmalerei und konnte von seinen Porträts letztlich auch leben. Für ihn sind einige Hauptwirkungsstätten überliefert. Das reicht von Lübeck über Köln und Hamburg bis Bremen.
Er porträtierte überall hauptsächlich betuchte Bürger und deren Familien, verewigte auf Anforderung auch einige Fürstlichkeiten wie die Königin Sophie Charlotte, deren Bild im Bomann-Museum in Celle zu sehen ist, und zog bei Rückgang der Nachfrage in die nächste größere Stadt. So entstanden auch die Bilder von Adolph Friedrich Vogel, dessen Porträt jetzt zum Bestand des Lübecker Kunstmuseums gehört, und von Adolf von Hüpsch. Das Porträt des Sammlers und Gelehrten Hüpsch hängt heute im Kölnischen Stadtmuseum.
Er starb wahrscheinlich 1788 beim Aufenthalt in Bremen
Dann aber war Ernst Heinrich Abel in London gefragt. Sein jüngerer Bruder Carl Friedrich, der nach der Gambenausbildung durch den Vater zum letzten großen Gambisten Europas aufgestiegen war und damit internationale Berühmtheit erlangt hatte, war auf dem Höhepunkt seines Aufstiegs als Stargambist in London 1787 verstorben. Der Malerbruder Ernst Heinrich, der lebenslang zu seiner Familie und vor allem auch zu den Brüdern regelmäßigen Kontakt hielt, eilte an die Themse, sorgte für die Nachlassregelung des Toten und schuf wohl auch noch einige Porträts.
Aber nach seiner Rückkehr über Bremen endeten die Nachrichten über ihn. Er starb wahrscheinlich 1788 beim Aufenthalt in Bremen. Im Allgemeinen Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart von Ulrich Thieme und Felix Becker, das 1907 erschien, ist dem Porträtmaler Ernst Heinrich Abel im Band 1 ein Beitrag gewidmet.