Diebzig Diebzig: Nach dem Wasser folgt die Mückenplage

Diebzig/MZ - Klatsch! Klatsch! Eine erbitterte Schlacht tobt gegenwärtig in den Orten, die vom Hochwasser betroffen waren. Myriaden von Mücken attackieren die Einwohner, welche sich mit flacher Hand oder einem Spray dagegen wehren. So auch in Diebzig. Zwar ging hier das Hochwasser zurück. Die Mückenplage nimmt dagegen zu. „Besonders schlimm ist es abends und am frühen Morgen“, sagt Bernd Semmner. Draußen ist es warm, und der Senior ist lediglich mit einem leichten Shirt bekleidet - ein gefundenes Fressen für die Plagegeister.
Beste Lebensbedingungen
Gundula Wagner ist dabei, die schlimmen Folgen der Überschwemmung in ihrem Haus zu beseitigen. Es steht in der Straße Am Pförtlingsgraben. Das ist eine romantische grüne Ecke am Westrand von Diebzig, die vom Hochwasser besonders hart betroffen war. Gleich hinter den Grundstücken beginnt ein sumpfiges Gelände, welches den Mücken bestmögliche Lebensbedingungen bietet. Auf mehrere Hundert Meter sollen die blutrünstigen Insekten laut Wissenschaftlern einen Menschen riechen. Der Anflug bis zur Straße mit den schmucken neuen Einfamilienhäusern dauert dann nur Sekunden. Selbst im Haus ist vor den Mücken keine Rettung: Die Fenster müssen offen bleiben, sonst trocknen Fußböden und Wände nicht. Die blutrünstigen Angreifer kreisen über Gundula Wagner, landen jedoch nicht und kommen so nicht zum Zuge. „Ich habe mich eingerieben“, erklärt sie das Phänomen.
Bernd Semmner weiß, wie gefährlich Stechmücken sein können, wenn es viele davon gibt. „Als ich zu DDR-Zeiten in der Armee diente, wurden in unseren Einheit zwei Wachhunde so sehr an der Schnauze und rund um die Augen zerstochen, dass nur ein Gnadenschuss möglich war“, berichtet der Senior. Und fragt gleich, ob denn gegen die Plage wirklich nichts unternommen werden könne. „Zu DDR-Zeiten wurde in solchen Fällen gespritzt“, meint er.
Kein Mittel gegen Plage
Bernhard Böddeker weiß nach eigenen Angaben nicht, wie in der DDR gegen Mücken vorgegangen wurde. Gegen die jetzige Plage könne der Landkreis jedenfalls nichts unternehmen, so der amtierende Landrat. „Nach Einschätzung von Fachleuten seien typische Bekämpfungsmethoden nicht anwendbar“, sagt er und nennt dabei unter anderem ein Bakterium, das ein Eiweiß bilde, welches den Darm der Mückenlarven zerstört. Dafür sei es zu spät. Außerdem ist die Anwendung des Bakteriums ökologisch umstritten. „Wenn jemand aber eine Idee hat, wie man gegen die Mücken vorgehen kann, dann kann er zu uns kommen“, so Böddeker, der die Plage am eigenen Leibe spürt. Immerhin lebt er selbst in Diebzig, und zwar am Ende der Müllergasse, nur ein paar Meter von dem Sumpfgebiet entfernt.
Also bleibt den Diebzigern und allen von Stechmücken Geplagten nichts anderes übrig, als die Anwendung individueller Schutzmethoden. „Bei uns sind Antimücken-Mittel noch vorhanden, auch wenn die Nachfrage deutlich angestiegen ist“, hieß es gestern bei Rossmann in Köthen. Und wenn die Mücken doch gestochen haben? „Mückenstiche jucken zwar unangenehm, Rötung und Schwellung sind aber nur eine Reaktion auf den Speichel der Mücke und in der Regel nach kurzer Zeit wieder verschwunden“, sagt Andreas Oertel von der Köthener Barmer-Filiale. Sein Rat: Den Stich mit einem kühlen Umschlag oder mit einem Antihistaminikum aus der Apotheke versorgen. Das lindere Juckreiz und Schwellung.