Besuch aus Afrika Besuch aus Afrika: Von Nigeria nach Prosigk

Prosigk/MZ - Der Cosaer Landwirt Olaf Feuerborn leistet einen Beitrag zur Entwicklung der Landwirtschaft in Nigeria. Obwohl er in dem afrikanischen Land noch nie war und bisher auch keine Kontakte dort hat. Zumindest das Letztere stimmt allerdings seit ein paar Tagen nicht mehr. Feuerborn hat einen Kontakt zu zwei Ministeriumsmitarbeitern in der nigerianischen Provinz Osun. Sie heißen Olumide Ojo und Segun Idowu. Wobei beide gegenwärtig nicht in Osun, sondern in Prosigk tätig sind. Und zwar in Feuerborns Gemüseanbauunternehmen in Prosigk.
Die beiden jungen Nigerianer haben ein landwirtschaftliches Studium in ihrer Heimat absolviert. Nach Sachsen-Anhalt sind sie Ende August mit einer Gruppe von insgesamt 20 ihrer Landsleute gekommen. Sie alle gehören zum ministerialen Beratungsdienst in Nigeria. Ihre Aufgabe in Sachsen-Anhalt: Sich bei den hiesigen Bauern umsehen, Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln, um sie dann in ihrer Heimat zu verwenden.
Weitere Nigerianer gehen übrigens bei den Quellendorfer Landwirten in die Lehre: und zwar sowohl in der Pflanzenproduktion als auch in der Viehhaltung. Bevor sie in die Praxis gingen, war die ganze Gruppe an der überbetrieblichen Ausbildungsstätte des Landes in Iden. Der Aufenthalt der Gruppe wurde vom Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt organisiert. Der Landesbauernverband unterstützt diese Aktion. Auch der Bauernverband Anhalt, dessen Vorsitzender Olaf Feuerborn ist.
Mais als Hauptnahrungsmittel
Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zwischen der Landwirtschaft hier und in Nigeria, berichten Ojo und Idowu. Auch dort werden zum Beispiel Mais, Kartoffeln und Gemüse angebaut. Mais sei sogar das Hauptnahrungsmittel. Damit sind aber die Ähnlichkeiten auch schon zu Ende. Groß sind dagegen die strukturellen Unterschiede. Landwirtschaft in Nigeria - das sind vor allem Kleinbauern, die kein Geld für moderne Technik haben. „Solche technischen Voraussetzungen wie wir sie hier haben, gibt es in Nigeria nicht“, weiß auch Feuerborn. „Wenn dort ein Bauer 40 oder 50 Kühe hat, so werden sie alle von Hand gemolken. Auch von einer modernen Beregnungsanlage können die dortigen Bauern nur träumen.“
Was können aber die jungen Nigerianer dann aber bei ihm lernen, wenn die Bauern in Nigeria sich solche mit Computern ausgestattete Technik wie Feuerborn und andere Landwirte hier haben, noch lange nicht leisten können? „Zum Beispiel, wie die Logistik aufgebaut ist“, sagt Feuerborn. „Wie die Ernte gelagert werden kann, ohne dass sie verfault oder vom Ungeziefer aufgefressen wird. Die richtige Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Die richtige Fruchtfolge. Das richtige Qualitätsmanagement.“
Wissbegierige Gäste
Hannes Loth, Betriebsleiter in Prosigk, lobt den Fleiß und den Wissensdurst der beiden Nigerianer. „Kaum hast du eine Frage beantwortet, schon folgt die nächste“, sagt er. Die Praktikanten sind in den Betrieb integriert und nehmen auch an den Erntearbeiten teil. Wenn die beiden nach Hause kommen, so sehen sie ihre Aufgabe als Berater darin, die Landwirtschaft Stück für Stück aufzubauen. „Da sich die einzelnen Bauern moderne Technik finanziell nicht leisten können, könnten sie dies zum Beispiel zusammen tun“, zeigt Feuerborn eine Möglichkeit dazu. „Zum Beispiel könnte man einen Traktor für ein ganzes Dorf kaufen. Oder eine Melkanlage.“
Bis zum 23. November bleiben die Nigerianer noch vor Ort. Zum Programm gehören unter anderem ein Besuch in der Zuckerfabrik Könnern und weitere Ausflüge. Mit dem, was sie jetzt schon in Prosigk gesehen haben, sind die jungen Spezialisten zufrieden. Nur eins gefällt ihnen hier nicht besonders: die herbstliche Kälte. Der viele Regen dagegen macht ihnen nichts aus. „Bei uns in Osun gibt es sehr viel Regen“, sagen die beiden.
Und überraschen damit manchen in Prosigk, der sich Afrika bis dahin als ausnahmslos trockene Region vorstellte.