Anhalt-Bitterfeld Anhalt-Bitterfeld: Thronbesteigung mit Schniefnase
WERDERSHAUSEN/MZ. - Auch einer Prinzessin bleibt es leider nicht verwehrt, dass ein böser Virus sie erwischt und die holde Lieblichkeit sich mit Fieber und Erkältung herum schlagen muss. Wenn dies dann allerdings der Karnevalsprinzessin bei der allerersten Prunksitzung der neuen Session passiert, dann ist das wirklich ziemlich ärgerlich. Ihre Lieblichkeit Prinzessin Cindy I. jedoch ließ sich davon am Samstagabend nicht verdrießen und saß trotz Fiebers mit ihrem Prinzen Dirk I. auf dem Thron und waltete ihres Amtes. "Zu Hause bleiben kam für mich auf keinen Fall in Frage", erklärte die amtierende Prinzessin des WCV, Cindy Hamann. Hatte sie sich schließlich so auf diesen Tag gefreut.
Und somit konnte die erste Prunksitzung des Werdershausener Carneval Vereins (WCV) pünktlich um 20.11 Uhr in die 24. Session starten. Wie man es vom Publikum im Saal zu Gröbzig kennt, zeigten sich alle bunt und lustig verkleidet. Wobei das Motto der diesjährigen Session wohl so einigen ein Rätsel aufgab. "Wir Narren wissen jans jenau- DGPDJWHDWCV" ist in diesem Jahr auf den Orden des WCV zu lesen. Es ist ist die Abkürzung dafür: "Wir Narren wissen jans jenau- Das geilste Publikum der janzen Welt hat der Werdershausener Carneval Verein".
Schon lange war es Volker Schwenke, dem Präsidenten des Vereins, ein Bedürfnis, dieses ungewöhnliche Motto einmal anzusprechen. Um dieses auch komplett auf den begehrten Vereinsorden zu platzieren, musste dieses Mal eine Abkürzung gefunden werden. Im Finden neuer Ideen sind die Mitglieder des WCV auch überhaupt ziemlich gut.
Denn auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche neue Programmpunkte auf der Faschingsbühne zu sehen. Mandy Dreßler beispielsweise ließ sich für die Jugend und auch die Junioren etwas ganz Neues einfallen. Mit ganz neuen, eigens geschneiderten Kostümen zum Thema Gartenarbeit überraschten die Kleinen das Publikum. Auch die Junioren zeigten in ausgefallenem Outfit einen Tanz mit dem Titel "Wir vom Planeten W-hausen".
Vor etwa sechs Jahren rief die 33-jährige die Kindertanzgruppe ins Leben und trainiert diese regelmäßig. Auch die Kostüme schneidert sie dafür selbst. "Zuerst kommt die Idee, dann die Musik und zuletzt das Kostüm", erklärt Mandy Dreßler. Und während sie für die Showtänze zuständig ist, studiert ihre Mitstreiterin Susanne Moritz gleichzeitig die Gardetänze ein. Die kleinste und jüngste ihrer Schützlinge ist die achtjährige Kristin Jännert. Mit Begeisterung erklärt die kleine Gröbzigerin: "Das Tanzen macht viel Spaß. Am besten aber fand ich das Trainingslager". Denn auch außerhalb der Veranstaltungszeiten dreht sich bei den jungen Damen vieles um das Tanzen. Und hätte Mandy Dreßler mit diesen Aufgaben nicht genug zu tun, so tanzt sie selbst auch noch aktiv in der Showtanzgruppe mit. "Jetzt zur Faschingszeit ist es ganz schön viel Arbeit. Aber es ist einfach schön, wenn es den kleinen Spaß macht", so die 33-jährige. Auch überhaupt nimmt das Thema Tanz einen Großteil des Programms ein. Ob Männerballett, Damen oder Junioren, dem Publikum scheint dies zu gefallen. Denn wie Jenny Baumgardt aus Köthen sagt: "Mir gefallen die vielen Tanzgruppen am besten".
Sichtlich viel Spaß hatte die 33-jährige. Als Hippy verkleidet feierte sie mit ihrer ganzen Clique den Fasching in Gröbzig. Cornelia Rudolph, die ebenfalls dazu gehörte, meinte: "Die Atmosphäre hier ist ganz toll, irgendwie familiär".
Doch nicht nur Gäste aus dem Umkreis waren am Samstagabend dort anzutreffen, sondern auch Leute aus Quenstedt. Seit vielen Jahren kommt das Paar nach Gröbzig zum Karneval, da auch sie besonders begeistert von den tollen Tanzdarbietungen sind. Wie Präsident Volker Schwenke erklärt, setzen die Werdershausener Narren allgemein auf Unterhaltung. Büttenreden mit politischem Hintergrund werden fast vollständig aus dem Programm verbannt. "Die Leute haben die Faxen dicke", erklärt der Vereinschef. Statt dessen stehen eher gespielte Sketche und Witze aus dem täglichen Leben der Werdershausener des öfteren auf dem Programm. Da kommt es auch mal vor, dass sogar die Darsteller selbst sich vor Lachen nicht mehr einkriegen.
"Damals beim Guinnessbuch- sketch", so erinnert sich Tino Kersten "mussten wir drei Anläufe nehmen, bis wir es raus hatten." Das Missgeschick, fügt Heiko Friske hinzu, habe auch Jahre später noch für Belustigung gesorgt. Die erste Prunksitzung der diesjährigen Session jedenfalls sorgte wieder für einen zu zwei Dritteln gefüllten Saal.
Auch an den kommenden drei Wochenenden laden die Närrinnen und Narren des WCV zu weiteren Prunksitzungen ein und freuen sich auf möglichst viele Gäste.