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Anhalt-Bitterfeld Anhalt-Bitterfeld: Auf Vaters Spuren

Von Katrin Noack 02.08.2012, 18:11

Köthen/MZ. - "Es ist genau 70 Jahre her, dass mein Vater nach Köthen kam", sagt die Tochter. Diese Suche führte sie auch zur MZ in Köthen.

Silvia van Ernings Vater kam als 18-Jähriger Ende Juli 1942 in die Stadt, um in den Junkers-Werken zu arbeiten - freiwillig. "Hier konnte er mehr Geld verdienen, als in Holland", erklärt die 54-Jährige. Der Sohn einer Deutschen und eines Holländers blieb bis zum Juni 1943, dann zog er für die deutsche Wehrmacht in den Krieg.

Seine Reise nach Köthen und sein Leben hier hat er in seinem Tagebuch genau festgehalten. Für die Tochter ist das Tagebuch die erste Quelle für ihre Suche in Köthen. Die führte als erstes zum Stadtarchiv, wo sie beispielsweise eine Anzeige des Vaters in der Köthener Zeitung entdeckte, in der er ein Zimmer suchte. "Wir haben auch einige Adressen bekommen, von Leuten, die damals bei Junkers gearbeitet haben", berichtet Sylvia van Erning.

Einige Stationen seiner Zeit in Köthen haben die beiden Holländerinnen bereits nachvollzogen. So besuchten sie die Kastanienstraße, wohin der der Vater seinerzeit seine Wäsche in die Dampfwäscherei Geißler brachte, die Zimmerstraße, in der der Vater eine Unterkunft gemietet hatte, das Gelände, auf dem die Junkers Motorenwerke einmal standen. Und "im Hotel Stadt Köthen haben wir einen Kaffee getrunken" - so, wie es der Vater 70 Jahre zuvor schon gemacht hatte. Auch einige Köthenern, mit denen der Vater bekannt war, haben sie im Seniorenheim Lindenstraße besucht und befragt.

Die Idee für die Spurensuche und eine Reise nach Köthen, entstand im vergangenen Jahr. Da war der Vater bereits zehn Jahre tot. "Ich wusste, dass er in Deutschland war, aber nicht, wo", erinnert sie sich. Mit dem Alter sei dann die Neugier immer größer geworden. "2011 dachte ich dann, ich muss mehr wissen", schildert die Tochter, die in ihrer Heimat Workshops in Tai-Chi gibt und als Lehrerin arbeitet.

Sie begann ihre Suche im Nationalen Archiv in den Niederlanden zu Kriegsgefangenen des 2. Weltkrieges. "Da habe ich den Namen Köthen gefunden". Die Neugier war endgültig geweckt und in diesem Sommer machte sie sich mit dem Auto auf den Weg. Eine Woche erkundet sie Köthen und die Umgebung, auch in Dessau geht sie auf Spurensuche.

Silvia van Erning ist von ihrer ersten Reise nach Köthen wie auch den Ergebnissen ihrer Suche vor Ort begeistert. "Die Leute waren sehr interessiert und haben uns viele Tipps gegeben", schwärmt die Holländerin. Viele lange Gespräche mit Zeitzeugen habe sie führen können. Nun ist Köthen für die Holländerin mehr als nur ein Wort in einem Register: Es ist ein Stück wiederentdeckte Familiengeschichte.