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Abschied von einer kulturellen Institution

Von MATTHIAS BARTL 27.07.2009, 16:16

KÖTHEN/MZ. - Ab Mittwoch sitzt Elze am Flugplatz in der Landkreisverwaltung, das gesamte Kulturamt inklusive, Amtsleiter Elze wird dann in Zimmer 342 b zu finden sein. So steht es auf dem Schreibtisch, der fast schon komplett abgeräumt ist: Elze hat das schon bei seinem eigenen, privaten Umzug so gemacht und für die Männer der Transportfirma alles fein säuberlich mit Schildchen versehen lassen, in welches Zimmer was kommen soll. Das gibt die beste Chance, alles schnellstmöglich wieder zu finden.

Ein Panzerschrank bleibt zurück

"Das ist das Finale", sagt Elze. Am 21. Juli haben er und seine vier Mitarbeiterinnen damit begonnen, die Schränke zu leeren und die Umzugskartons und- kisten zu füllen. Jetzt steht alles fein säuberlich be

reit, von der Firma Mann auf den Fliegerhorst verfrachtet zu werden. "Die Frauen", lobt Elze seine Mannschaft, "haben wie die Weltmeister gepackt und getragen." Mehr als erwartet: "Ich hätte ihnen das gar nicht zugemutet." Ein LKW werde ausreichen, um alles zur Landkreisverwaltung rauszuschaffen. Auch die ganz schweren Brocken: "Ich freue mich schon auf den Panzerschrank", flachst Umzugschef Günter Mann. Allerdings geht nur der kleinere der beiden Tresore mit

auf die Reise, der größere und schwerere bleibt vor Ort, sagt Bodo Elze: "Der funktioniert sowieso nicht mehr richtig." Und letzten Ende sind das für Günter Mann ohnehin nur kleine Fische. Seit gut 13 Jahren fährt er für die Post Panzerschränke durchs Land zu den Filialen. Bis 350 Kilo schwere Teile. "Aber das lässt sich bewegen, und was sich bewegen lässt, lässt sich tragen."

Der Umzug des Amtes ist nur noch die letzte Etappe im langsamen Abschiednehmen vom einst vielbesuchten Haus am Köthener Markt. Mit der Öffnung des neuen Veranstaltungszentrums am Schloss war das Theater auf den Aussterbe-Etat gesetzt worden - zwei Häuser dieser Kategorie waren und sind für Köthen einfach zu viel. Dazu kam, dass es im Bürgerhaus durchaus auch bauliche Probleme gab, wovon heute noch die Stützbalken im Kleinen Saal und in Bodo Elzes altem Büro künden. Am Rosenmontag öffnete das Bürgerhaus zum letzten Mal seine Pforten, die Karnevalisten verlegten ihre Party vom Markt unters schützende Dach des Bürgerhauses. Damit fiel auch die letzte Klappe in der langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Theater und den Köthener Karnevalisten.

Konfettiverwehungen, Flitterdünen

Deren 2009er Spuren man heute noch im Großen Saal sehen kann. Der ist mittlerweile "entkernt": Die beweglichen Podeste sind entfernt, die Stühle sind weg, auf der Bühne ist der Eiserne Vorhang endgültig gefallen. Auf dem nun sichtbaren Saalboden liegen noch Konfettiverwehungen und Flitterdünen, immer dort, wo die Podeste aneinander gestoßen sind. "Normalerweise ist das einmal im Jahr gründlich sauber gemacht worden", sagt Bodo Elze, "aber in diesem Jahr haben wir uns das natürlich gespart." Elze selbst kennt die Bühne in- und auswendig, und dies nicht nur von Amts wegen. "Im Oktober 1959 bin ich hier mit dem Chor der Kastanienschule zum ersten Mal aufgetreten", sagt Bodo Elze und grinst: "Ich hätte demnächst mein 50-jähriges Bühnenjubiläum." Und da kommt schon einiges zusammen mit Männerchor und Kukakö.

Der Bereich hinter der Bühne ähnelt schon sehr einem "Steinbruch für Wiederverwendbares". Alles, was noch halbwegs nutzbar gewesen sei, so der Kulturamtsleiter, habe man Vereinen angeboten; Türen, Steckdosen, Toilettenbecken, Fußabstreicher. Der große Spiegel im Tanzsaal konnte bedauerlicherweise nicht verwertet werden, "der war komplett angeklebt und ließ sich nicht entfernen". Die drei Klaviere, die das Haus einst hatte, sind auch an neue Besitzer gekommen: eins, das noch tipptopp war, für die Musikschule Köthen, zwei zum Kukakö, "die waren aber auch gerade noch für die Repetition nutzbar, da kann der Verein endlich seine Kindergesangstruppe aufbauen."

Bei aller Trauer: Die Zukunft des Hauses ist so geartet, dass man alles nutzen sollte, was noch zu nutzen ist. Nach der MZ vorliegenden Informationen ist das Bürgerhaus am Markt, um das es in den zurückliegenden Jahren auch einige Eigentums-Querelen gegeben hat, inzwischen verkauft und soll abgerissen werden.