Wandergeselle zurück Wandergeselle zurück: Fast vier Jahre unterwegs
Elster/MZ. - Seinen Heimatort erreichte er so, wie er ihn am 8. August 1998 verlassen hatte, zu Fuß. Eltern, Verwandte, Freunde bildeten ein stattliches Empfangskomitee, das ihm sogar bis nach Iserbegka entgegenlief. Auf dem Elberadweg ging es dann zurück. Doch noch wurde nicht zum heimatlichen Haus hin abgebogen. Erst einmal ging es zur Fähre. Dort warteten bereits weitere Wandergesellen in ihrer unübersehbaren Kluft. Die Wahl des Zieles hatte einen traditionellen Grund. Denn Maik Gerhardt hatte, als er vor fast vier Jahren direkt von seiner Abschiedsparty loszog, seine Gedanken unmittelbar vor dem bevorstehenden Abenteuer aufgeschrieben und in einer Flasche fest verschlossen. Die wurde dann in der Nähe der Fähre auf Wartenburger Seite vergraben. Denn in diese Richtung hatte er seinerzeit den Heimatort verlassen.
Vater Heinz Gerhardt hatte eigens einen Spaten mitgebracht. Zielsicher ging Maik auf den ersten großen Baum auf Wartenburger Seite zu und ließ sich auch von anderslautenden Hinweisen nicht beirren, als er zu graben begann. Es dauerte nur einige Minuten, bis er das Gesuchte gefunden hatte. Die Flasche mit seinen Notizen von damals hielt er in der Hand. Nun war es aber wirklich Zeit, das elterliche Haus aufzusuchen, das der junge Mann damals verlassen hatte.
Eine ganze Reihe Elsteraner wurden aufmerksam, als der Trupp entlang der Bundesstraße zog. Andere warteten direkt am Straßenrand. Was einer der Wanderburschen richtig toll fand: "Die wissen das hier alle und haben gefragt, ob der Maik schon da ist."
Später, zu Hause unter dem eigens errichteten Zelt, ist dann für die MZ Gelegenheit zu ein paar Worten mit dem weit gereisten Zimmermannsgesellen. Erlernt hatte er den Beruf bei Otto Werner in Gadegast. Später arbeitete Maik Gerhardt in Zahna. Damals begann er, sich für die Wanderschaft als Geselle zu interessieren. Er las viel über die "Tippelbrüder", unterhielt sich mit denen, die auf den gleichen Baustellen waren wie er und las viel darüber. So reifte in dem jungen Gesellen der Entschluss, der ihn schließlich quer durch Europa führte. Er arbeitete in der Bundesrepublik genauso wie in Frankreich, der Schweiz, Spanien, Dänemark, Schottland und England. "Es war überall schön", meinte er. "Ich habe viele Erfahrungen gemacht, gute Leute kennengelernt." Zu den Erfahrungen gehörte auch, in anderen Berufen zu arbeiten. Mal als Schreiner, mal als Maurer, aber auch schonmal im Metallbau beim Errichten einer Halle. Stets waren die Wandergesellen, insbesondere seiner Bruderschaft, der er sich angeschlossen hatte, seine Familie. Denn um seinen Heimatort lag in all dieser Zeit ein Bannkreis von 50 Kilometern, den ein Wandergeselle nicht zu überschreiten hat.