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SV Eintracht SV Eintracht: Die schlauen Füchse aus Elster

Von Dirk Skrzypczak 22.02.2002, 15:05

Elster/MZ. - Sport in Elster. Das ist weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Statistiken. Hier haben Generationen Werte geschaffen, auf die die Aktiven sehr stolz sind. Dabei haben sich die Elsteraner weder von den politischen Wirren der Zeit noch von Finanz- oder materiellen Nöten abhalten lassen. Beim Bau des alten Sportlerheimes Anfang der 50er Jahre beispielsweise sollen die Sportler die Förster mit hochprozentigen Getränken "ruhig gestellt haben", damit sie sich anschließend ohne Stress das Bauholz aus dem Wald holen konnten. Beim Anlegen des Sportkomplexes mit Turnhalle, Kegelbahn, Sauna und Außenanlagen sowie dem Bootshaus erfüllten sich die Elsteraner ihre Träume selbst. "Es ist ein erhebendes Gefühl gewesen, von den materiellen Verhältnissen her in der Region Vorreiter zu sein", meint Eberhard Kleber.

Kleber, früher wie heute ein "Fußballverrückter", verbindet mit dem runden Leder die schönsten Erinnerungen. "Ich weiß noch genau, was auf dem alten Sportplatz abgegangen ist. Teilweise standen die Leute in drei Reihen hintereinander, um uns spielen zu sehen."

Die Liebe zum Sport brachte die Elsteraner zu außergewöhnlichen Leistungen. Es muss so Ende der 60er Jahre gewesen sein, als ein Wintereinbruch auf allen Plätzen zu Spielabsagen führte. Aber nicht in Elster, wo die Mitglieder mit Schaufeln und Technik vom Betonwerk für ein spielfähiges Geläuf sorgten. Schließlich war man so heiß auf das Derby gegen Annaburg, dass Väterchen Frost keine Chance hatte. Zur Krönung schoss der ehemalige Annaburger beim "Schneewalzer" in seinem ersten Spiel für Elster alle drei Tore beim 3:2-Erfolg gegen seine einstigen Kollegen. Solche Momente vergisst man einfach nicht.

Natürlich hat nicht nur der Fußball in den vergangenen Jahrzehnten für Glanzpunkte gesorgt. Die Kegler beispielsweise sind immer noch stolz auf Jana und Bianca Giese, die in den 80er Jahren gewaltig aufhorchen ließen. So wurde Jana 1984 DDR-Meisterin im Vierkampf. Später wechselte sie nach Schkopau und startete eine Karriere in der Nationalmannschaft. "Nach der Wende hatten wir es schwer. Momentan kämpfen zwei Männerteams im Wettspielbetrieb. Wir sind aber dabei, für Nachwuchs zu sorgen", verspricht Manfred Grahl aus der Kegelabteilung.

Dagegen können sich Gudrun Delater und Eckhard Zwade über mangelnden Zuspruch in ihren Frauen-, Senioren- und Männersportgruppen nicht beklagen. "Ich bin seit 31 Jahren dabei, davon 28 Jahre als Abteilungsleiterin", erzählt Delater. 38 Frauen im Alter von 25 bis 63 Jahren halten sich regelmäßig mit Gymnastik fit. 14 Senioren stärken seit 1995 in einer separaten Gruppe ihre Gesundheit. Der allgemeine Männersport, wegen der Trainingszeiten zu Beginn der Woche auch lustig als "Montagsmaler" tituliert, besteht seit 1971. Treibende Kraft ist Eckhard Zwade, selbst 35 Jahre lang Fußballer in Elster. "Bei uns geben die Sportspiele klar den Ton an. Aber auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. Es soll ja Spaß machen." Der Leiter der Sekundarschule Elster bescheinigt zudem eine rege Beziehung zwischen Schule und Sportverein. "Bei uns ist diese Zusammenarbeit nicht bloß ein Lippenbekenntnis."

Angesichts der engagierten Vereinsarbeit ist Heinz Kauffeldt, von 1972 bis 1994 selbst Vorsitzender der BSG "Lok" (Vereinsname zu DDR-Zeiten) und des SV Eintracht, um die Zukunft nicht Bange. "Wir hatten in Spitzenzeiten um die 500 Mitglieder und waren im Altkreis Jessen der stärkste Verein. Heute weist die Mitgliederstatistik 437 Sportler aus. Die Kontinuität in der Arbeit ist klar zu sehen." Natürlich fallen auch Eintracht Elster die Mitglieder nicht in den Schoß. Der Konkurrenzkampf um die Freizeit der Kinder und Jugendlichen ist hart. "Unser Erfolg beruht seit jeher auf einem langfristigen strategischen Denken. Es wird auch künftig keine Nacht- und Nebelaktionen geben", gibt Vereins-Chef Hildebrandt die Richtung vor. Und die geballte Sportkompetenz nickt.