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Muntere "Holzwürmer" Muntere "Holzwürmer": Grundschüler erleben lebendigen Religionsunterricht

Von Gabi Zahn 19.04.2013, 07:52
Biologieunterricht bei den Holzwürmern: Es geht um die Giraffe als Geschöpf mit dem längsten Hals.
Biologieunterricht bei den Holzwürmern: Es geht um die Giraffe als Geschöpf mit dem längsten Hals. Gabi Zahn Lizenz

Annaburg/MZ - Holzwürmer werden gerade in Gotteshäusern verständlicherweise nicht gern gesehen. In deutschen Landen gibt es allerdings zwei Exemplare, die gewissermaßen über Ausnahmegenehmigungen verfügen. Ihr Hunger hat sich offensichtlich in grauer Vorzeit gewandelt und gilt nicht mehr alten Kirchenbänken, Orgeln oder gar der Kanzel. Stattdessen freuen sie sich, wenn sie vielen Kindern aus ihrem abenteuerlichen Leben erzählen können.

Es sind dies Bohris und seine Gattin Bohra – alias Amadeus und Gabi Eidner. Das Liedermacher- und Schauspieler-Ehepaar stammt aus Chemnitz. Seit etwa zehn Jahren sind beide unterwegs, um vorwiegend Kindern mit biblischen Geschichten und Liedern Gott als Antwort auf viele Fragen näher zu bringen. Bevor sie das vom 1. bis 5. Mai auf dem Kirchentag in Hamburg tun, führte sie ihre Reise nach Annaburg und Prettin.

Nicht allzu oft ertönen Kinderstimmen schon zu früher Stunde aus der altehrwürdigen Kirche am Annaburger Markt, wie am Dienstag geschehen. Die Grundschulkinder freuen sich auf eine ungewöhnliche Religionsstunde. Wer zu Beginn noch etwas müde ist, wird schon in den ersten Minuten hellwach, als Bohra mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ von seiner Gattin geweckt – und mit einem Frühstücksei an den Tisch gelockt wird. Damit nehmen die Hauptakteure den sprichwörtlichen roten Faden auf: „Was war zuerst da – Huhn oder Ei?“, und sind schon mittendrin in der christlichen Schöpfungsgeschichte aus dem 1. Buch Mose. Weil die Erschaffung der Welt jedoch ganz schön viel Arbeit bedeutet, dürfen die Kinder mithelfen. Es sei vorweg bemerkt: Die Mädchen und Jungen machen das mit Begeisterung, was wohl an der lebensfrohen wie kindgerechten Art und Weise liegt, mit der „die Holzwürmer“ zu ihrem Singspiel einladen.

Schon im Vorfeld haben die Kinder gemeinsam mit Religionslehrerin Sabine Franz Sterne gebastelt, die nun ans „Himmelszelt“ gehangen werden. Die ersten Bewohner bleiben nicht lange aus. Sie werden mit fröhlichen Liedern herbeigerufen, die so schnell ins Ohr gehen, dass die Kinder schon nach wenigen Takten mitsingen. Auf diese Weise locken sie Kakadus, Giraffen und anderes Getier herbei. Dabei gibt es gleich ein wenig Biologie-Unterricht. Ein Steppke weiß sogar, warum Giraffen so einen langen Hals haben: „Weil sie am liebsten von Bäumen fressen“. Von Afrika aus geht’s in andere Gefilde: Im hohen Norden leben Husky-Hunde als beste Freunde der Menschen. Von Erik Langhammer aus Groß Naundorf angeführt ziehen Kinder im Kirchenschiff als Schlittengespann rund um die Bänke. Wer sich nicht eingereiht hat, singt und klatscht den Takt mit: „Ho, ho Husky“.

„Here we are“ – „Hier sind wir“ - heißt es im nächsten Titel, den die „wohl ältesten Holzwürmer der Welt“ gemeinsam mit den Kindern in Szene setzen. Das ungezwungene und respektvolle Miteinander soll symbolisieren, dass Menschen mit allen Geschöpfen der Natur friedvoll leben wollen. Dabei wird sogar „Hip-Hop“ getanzt.

Der biblische Wochenrückblick macht am späten Vormittag auch den Grundschulkindern in Prettin großen Spaß, die sich dazu in die Stadtkirche begeben haben. Für sie ist der lebendige Religionsunterricht der Abschluss eines Projekttages, der gemeinsam mit Kantorin Eva-Maria Glüer alle zwei Jahre veranstaltet wird. Die Kinder lernen dabei die Kirche während eines Rundgangs besser kennen. Speziell der Orgel gilt besondere Aufmerksamkeit – und im Diakonat erläutert Ekkehard Bechler anhand seiner Sammlung von Blechblasinstrumenten, wo diese zum Einsatz kommen und wie deren Töne entstehen.