Kreis Wittenberg Kreis Wittenberg: Zauberfernrohr ermöglicht Zeitreise
SEYDA/MZ. - Laut ausliegendem Gästebuch waren das immerhin 167. Eingebettet in das 122. Seydaer Schul- und Heimatfest stellte dieser Schulgeburtstag für viele Seydaer etwas ganz Besonderes dar. Als ehemalige Schüler und Lehrer blieben sie über die Jahre stets mit ihrer Schule verbunden und nahmen Anteil an deren Entwicklung. So war es nicht verwunderlich, dass sich am Eingang zur festlich geschmückten Turnhalle eine lange Schlange erwartungsfroher Gäste bildete, die auf Einlass warteten.
Auftakt mit Trachtentanzgruppe
Ein wunderschönes Auftaktbild bekamen die Gäste mit den zwölf tanzenden Schülerinnen und Schülern in der Tracht ihrer Heimat zu sehen. Die Trachtentanzgruppe, die schon mehr als zehn Jahre an der Schule existiert, hatte in diesem Jahr zur "Grünen Woche" in Berlin einen großen Auftritt. Am Donnerstag nun eröffnete sie einen Reigen bunter Programmpunkte, der vielfältiger hätte nicht sein können. Eines aber wurde schnell klar: Musik haben die Seydaer Schulkinder im Blut. Da sang der Chor "Heute feiern wir ein Fest, das ihr nicht vergesst" völlig zu recht. Doch zunächst ergriff, wie bei derartigen Anlässen üblich, die Schulleiterin das Wort und dankte allen, die diese Veranstaltung möglich machten und benannte all jene, die in den 30 Jahren eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des Schulalltags spielten. Das waren nicht wenige. Ein Name jedoch fiel allen sogleich ein, der des ersten Direktors der neuen Schule, Karl-Heinz Benesch, der ihre Geschicke mit überaus großem Engagement bis 1991 lenkte und leitete. Jacqueline Meißner erinnerte aber auch an den Kampf des Pfarrers Thomas Meinhof, der sich 2006, als die Schließung der Grundschule im Raum stand, vehement für ihren Erhalt einsetzte. Als sich im Jahre 1981 der festliche Zug von der alten zur neuen Schule in Bewegung setzte, marschierten hinter dem Orchester der sowjetischen Garnison immerhin 320 Schüler. Unter ihnen in der fünften Klasse auch die heutige Schulleiterin. Als Erinnerung wurde eine Weide vom alten Schulgelände mitgenommen und auf dem neuen Schulhof eingepflanzt. Dort steht sie noch heute. Insgesamt drei Millionen Mark betrugen damals die Gesamtkosten für Neubau und Einrichtung der Schule.
Schülerzahlen gesunken
Doch nach dem politischen folgte der demografische Wandel und die Schülerzahlen gingen drastisch zurück. 1993 / 94 kam das Aus für die Sekundarschule. Heute lernen 61 Mädchen und Jungen in Klasse eins bis vier in der Grundschule. Und die können als Ausgleich zum Stillsitzen auf dem 1995 errichteten tollen Spielplatz toben. Seit 2004 besitzt die Schule ein Computerkabinett und ist somit auf der Höhe der Zeit.
So wie Moritz Rückert, Celine Dolgner und Vivien Grosser auch. Allerdings wollten sich die Schüler mal etwas in der Schule umsehen und entdeckten auf dem Dachboden ein altes Fernrohr. Ein Zauberfernrohr, wie sich herausstellte. So konnten sie mit seiner Hilfe in Klassenzimmer von gestern und heute sehen und sogar Menuett tanzende Schüler in tollen Roben erblicken. Aber auch einen Streit zwischen den Unterrichtsfächern bekamen sie zu hören. Da ging es doch tatsächlich darum, welches das Wichtigste sei. Erst die Schüler selbst schlichteten den Zwist und stellten klar: Mathe, Deutsch Sport und Musik sind alle wichtig und sie könnten auf keines verzichten. Aber nicht nur die Hauptfächer, auch die Sache mit der Ordnung kam zur Sprache.
Nicht alles im Kopf
Nach einem erneuten Blick durchs Fernrohr fanden sich die Kinder in einer Unterrichtsstunde wieder, in der ein Lehrer (Niklas Pade) seinen Schülern mehrfach klar machte, dass Ordnung das Allerwichtigste sei im Leben. "Ordnung beginnt im Kopf", waren seine Worte, bis seine Frau auftauchte und ihm all die Sachen auf den Lehrertisch knallte, die der so ordentliche Herr Lehrer an diesem Tag zu Hause vergessen hatte. Jedoch zeigte dieses Beispiel nur, Lehrer sind auch nur Menschen. Und als solche war das kleine sechsköpfige Kollegium vor der Veranstaltung, den Worten seiner Leiterin zufolge, mehr aufgeregt als ihre Schüler. Diese aber machten nicht nur dem Publikum viel Freude mit ihren Auftritten, sie zeigten auch ihren Lehrern, dass die vierwöchige intensive Vorbereitungszeit keinesfalls umsonst gewesen war. Erstaunlich fehlerfrei brachten sie ihre Auftritte über die Sporthallenbühne. Immerhin erforderte das volle Konzentration über ganze zwei Stunden.
Ein ums andere Mal erstaunten, amüsierten und begeisterten die kleinen Darsteller ihre Zuschauer. Ein sportliches Feuerwerk boten Kinder der Sportgruppe, die über mehrere Wochen mit ihrer Sportlehrerin Akrobatik trainierten und verschiedene Figuren und Sprünge in ihren rot-weißen Dressen vorführten. Als nach lobenden Worten von Juliane Hesse, Vorsitzende des Schulelternrates, der selbst gehörig mit zum Gelingen des Festtages beigetragen hatte, alle schon das Ende der Veranstaltung gekommen sahen, wurde es noch einmal gehörig laut. Seit einem Jahr übt eine Hand voll Schüler fleißig im Seydaer Spielmannszug. Dessen Leiter, Werner Spiegeler, marschierte mit ihnen ein und brachte zum Ausklang der Veranstaltung noch einmal richtig Stimmung mit.