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Kreis Wittenberg Kreis Wittenberg: Ex-Bürgermeisterin wirft endgültig das Handtuch

Von GABI ZAHN 03.03.2011, 19:23
Auch wenn sie als Ortsbürgermeisterin nicht mehr agiert, wolle sie nicht untätig werden. Nur alle Fäden in der Hand halten, könne sie nicht mehr, ließ Silke Noack wissen. (ARCHIVFOTO: TH. CHRISTEL)
Auch wenn sie als Ortsbürgermeisterin nicht mehr agiert, wolle sie nicht untätig werden. Nur alle Fäden in der Hand halten, könne sie nicht mehr, ließ Silke Noack wissen. (ARCHIVFOTO: TH. CHRISTEL) CARDO

BETHAU/MZ. - Und das überraschte offensichtlich niemanden in dem Gremium.

Misere der Stadtkasse

Schon zum Ende vorigen Jahres hatte die 69-Jährige diesen Schritt angekündigt. Nach so vielen Jahren habe sie nicht mehr die Kraft, sich um alles Notwendige zu kümmern. Und: Der Frust über die jetzige finanzielle Misere in der Stadtkasse hat ein Übriges dazu getan. Daran erzürnte sich auch die Diskussion im Ortschaftsrat. "Wir sind mit 25 000 Euro Rücklagen zu Jahresbeginn gezwungenermaßen nach Annaburg und müssen jetzt feststellen, dass wir noch nicht einmal genug Geld bekommen, um unser Dorffest zu feiern. Dabei wurde immer sparsam gewirtschaftet, und wir haben viel in Eigenregie gemacht. Ich wurde stets von der Kämmerei gelobt, doch das nützt uns jetzt gar nichts mehr", stellte Silke Noack klar.

Selbst Annaburgs stellvertretende Bürgermeisterin Anja Liebig musste zugeben, dass die Situation fatal sei und die Bethauer mit am wenigsten Schuld daran tragen. Ein grober Fehler der Kämmerei bei der Berechnung der Prettiner Rücklagen im Zuge der Eingemeindung hat das Fass kürzlich zum Überlaufen gebracht. Annaburg muss nun neue Prioritäten setzen. Auch für Bethau hat das Auswirkungen. Die Ortschaftsräte hielten sich mit ihrer Wut darüber nicht zurück. Die Finanzierung des Dorffestes ist in Gefahr. Laut Vorschlag bekommen die Ortsteile dafür vier Euro pro Einwohner aus dem städtischen Haushalt. Das macht für das kleine Bethau mit 182 Bürgern aufgerundet 800 Euro. Benötigt wird aber etwas mehr als das Doppelte.

Versuch, die Wogen zu glätten

Gefeiert werden soll am 18. und 19. Juni. Der Vertrag für die Blaskapelle, die jedes Jahr für Stimmung sorgt und auf die niemand verzichten möchte, lag auf dem Beratungstisch. Nach langem Rechnen und nach Vorschlägen, wie man dies und jenes regeln könnte, unterschrieben Silke Noack und Ortschaftsrätin Martina Nowack das Papier. Die Musiker wollen fristgemäß eine Bestätigung. Das kann jeder verstehen. Martina Nowack versuchte, die Stimmung zu mäßigen: "Mir gefällt das alles auch nicht. Wir haben gekämpft, um eigenständig zu bleiben, doch an der Eingemeindung führte kein Weg vorbei. Nun sollten wir uns nicht über Dinge aufregen, die wir nicht mehr ändern können, sondern überlegen, wie wir damit umgehen." Das zeigte etwas Wirkung, zumal sich niemand erinnern konnte, früher jemals so heftig im Gemeinderat diskutiert zu haben.

Auch die anderen Ortschaftsräte, Marcel Gießberg, Erika Ruprich, Fred Dreizehner, Heiko Eisler und Jörg Riedel, stimmten für folgenden Vorschlag: Am 23. März wollen die Bethauer erneut zum Dorffest beraten - und zwar mit den Bürgern. Wer eine Idee hat, wie das Juniwochenende gemeistert werden könnte, sollte um 19.30 Uhr ins Gemeindehaus kommen.

Silke Noack will auch mit den Senioren darüber sprechen, und sie appelliert an alle Bethauer: "Helft bitte mit. Wer einen Vorschlag hat, wie das Programm gestaltet werden könnte, der sollte das kundtun. Wir können hoch erhobenen Hauptes durch unseren Ort gehen und stolz sein: saubere Straßen und Wege, eine schmucke Kirche mit einem Dach, das wir saniert haben, ein Spielplatz für unsere Jüngsten und anderes mehr - all das haben wir in Ordnung gebracht. Unser Gemeinschaftsgefühl darf deswegen jetzt nicht kaputt gehen."

Nachfolger steht noch nicht fest

Auch wenn sie als Ortsbürgermeisterin nicht mehr agiert, wolle sie nicht untätig werden. Nur alle Fäden in der Hand halten, könne sie nicht mehr, ließ Silke Noack wissen. Wer als Nachfolger ihr Ehrenamt übernimmt, ist noch unklar. Fest steht jedoch, wie Anja Liebig bestätigte, dass es laut Kommunalrecht jemand aus dem Ortschaftsrat sein muss, sonst würde Bethau sich gänzlich die Möglichkeit nehmen, das Geschehen im Dorf mitzubestimmen. Fred Dreizehner, stellvertretender Ortsbürgermeister, bekräftigte: "So weit dürfen wir es nicht kommen lassen."