Kinder-Gebrauchtwarenbörse in Annaburg Kinder-Gebrauchtwarenbörse in Annaburg: Anbieten statt Wegwerfen

Annaburg - Den eigenen Geldbeutel schonen und dabei etwas Gutes für die Umwelt tun – dieser Gedanke boomt zunehmend auf Kinderkleiderbörsen. Er beschert am Samstag auch der ersten Herbstveranstaltung der Region in der Annaburger Sporthalle „Am Kellerberg“ viel Zulauf.
Vielfaches Lob
Mehrere Hundert Teile an Kinderkleidung in allen Größen sowie eine gute Auswahl an Spielzeug, ja sogar Kinderwagen und andere Babyausstattung haben die Organisatoren vorab entgegengenommen, sortiert und übersichtlich platziert. Peggy Liebig, Mutter Elvira und ihre Helfer haben das selbst auferlegte Ehrenamt als „Börsianer“ mit hohem Zeitaufwand bewerkstelligt. Die Türen der Halle sind kaum zehn Minuten offen, da werden bereits die ersten roten, blauen und bunten Skianzüge, Pullover, Hosen und anderes mehr abkassiert. Peggy Liebig hört vielfaches Lob, auch das von Anja Bauermeister aus Annaburg: „Ich habe mich echt gefreut hierherzukommen, toll habt ihr das wieder gemacht“, ruft die junge Mutti. Mit dem dreijährigen Niklas auf dem Arm will sie die Wintergarderobe des Sohnes neu bestücken. Dabei erzählt sie: „Ich war kürzlich in Leipzig auf einer ähnlichen Aktion. Dort wurde informiert, wie aufwändig es ist, Baumwolle zu verarbeiten, auch dass es viele Liter Wasser braucht, um nur ein T-Shirt herzustellen. So ein Teil wird im Durchschnitt sieben Mal getragen, bevor es weggeschmissen oder durch ein neues ersetzt wird. Wenn wir etwas mehr gebrauchte statt neue Kleidung kaufen, können wir ein wenig dazu beitragen, Umweltressourcen zu schonen.“ Peggy Liebig resümiert: „Kindersachen von Kleiderschrank zu Kleiderschrank wandern zu lassen, bis sie wirklich verschlissen sind – das ist rundum eine gute Sache.“ Nach der Erfahrung einiger Mütter könnten Baby- und Kleinkinder-Sachen bei guter Pflege sogar zwei- bis dreimal weitergegeben werden.
Spaß am Sparen
Ob das für ein kleines Plüschnilpferd gilt, darf arg bezweifelt werden. Oskar Christian Bornhake, 14 Monate alt, entdeckt es in der Spielzeug-Ecke und lässt es nicht mehr los. Mama Antje hat nichts dagegen, bezahlt gern einen Euro dafür und noch einige mehr für einen Stapel voller kuschliger Sachen: „Sparen macht Spaß, jetzt kann der Herbst kommen“, frohlockt sie.
Zwei Stunden lang hat die Börse geöffnet. Diese Zeit wird ausgiebig genutzt. Die Sporthalle neben der Sekundarschule erweist sich als „nahezu perfekt für die Aktion, wir haben genügend Platz und draußen gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten“, freut sich Peggy Liebig und hofft, diese Lokalität auch beim nächsten Mal nutzen zu können.
Zeit zum Schwatzen
Dass sich an der Kasse mitunter eine Schlange bildet, nehmen die Kunden gern in Kauf. So bleibt Zeit für weitere Schwätzchen. Der kleine Maximilian Holz macht an der Hand von Oma Monika während der Wartezeit eine entzückende Entdeckung: Ganz in weiß gekleidet steht „Lola“ neben ihm. Sie ist zwei Köpfe größer als er, doch der Zweijährige schafft es, ihr mit weit ausgestrecktem Arm übers Gesicht zu streicheln. Sie lässt sich das gefallen, lächelt stumm vor sich hin: „Lola“ ist das börseneigene Schaufenster-Puppenmädchen. Für Maximilian spielt das keine Rolle. Er hat die erste „Brautschau“ seines Lebens absolviert. (mz)
