Jessen Jessen: 25.000 Pflanzen ziehen um
JESSEN/PRETTIN/MZ. - Die Ladefläche des kleinen Transporters füllt sich. Jochen Kühn, Inhaber des Garten- und Landschaftspflegebau-Betriebes, räumt sein Büro im Gärtnerweg 2 von Jessen. Besser hätte es nicht laufen können mit dem Verkauf seines etwa einen Hektar großen Firmengeländes, meint er. "Ich habe den Pflanzenverkauf ganz aufgegeben und werde - etwa 100 Meter weiter - Am Gorrenberg 26, ab sofort meinen neuen Betriebssitz haben", erzählt der 51-Jährige, als er Kisten und Kästen voller Ordner nach draußen bringt.
Etwa 22 Jahre Arbeit stecken in den Akten. 1990 hatte sich Kühn privat gemacht. "Mit einem Trabi samt Anhänger und einer Heckenschere fuhr ich damals zu den Kunden", erinnert er sich - und blickt über das weite Gelände, hin zum Gewächshaus. Mit Ausnahmegenehmigung war es ihm einst gelungen, seine Firma an dieser Stelle sesshaft zu machen. "Hier steckt viel Arbeit drin, doch die wächst mir einfach über den Kopf. Ich habe Aufträge im Garten- und Landschaftsbau - sowohl in der Region, als auch im Elbe-Elster-Kreis, im Fläming und bis hin nach Berlin. Auf die will ich mich mit meinem kleinen Team konzentrieren, mehr schaffe ich nicht mehr", lässt er wissen. Vor allem Kommunen seien seine Auftraggeber.
Wehmütig wirkt der Mann nicht, als er seine ehemalige Wirkungsstätte verlässt. Vielmehr scheint er erleichtert: "Ich kann schon jetzt sehen, dass das Gelände in gute Hände kommt. Die Eckardts sind genau richtig", bekundet er. Umgekehrt ist es wohl ebenso. Denn für Monika und Thomas Eckardt, Inhaber der "Baumschule an der Elbe" in Prettin, ist der Grundstückskauf ein Glücksfall. "Wir sind seit 15 Jahren selbständig und wollten gern in Prettin alt werden. Dort sind wir erst 2008 aus der Fährstraße zum Weinberg umgezogen und haben uns die Baumschule aufgebaut. Doch letztlich scheitert alles daran, dass die Fläche rechtlich gesehen im Außenbereich liegt und die Kommune den Flächennutzungsplan nicht ändern kann", zeigt Monika Eckardt die Umstände aus ihrer Sicht auf. Deshalb habe man sich nach einem neuen Standort umgeschaut.
Weil man sich in der Branche kennt, fanden Jochen Kühn und die Eckardts recht bald zueinander - und wurden handelseinig: Seit dem 15. Januar sind die Prettiner Eigentümer des Gartenbau-Geländes im Jessener Gärtnerweg 2. Mit dem Umzug ihrer kompletten Baumschule konnten sie jedoch schon vor Wochen beginnen. Schließlich beinhaltet das "Gepäck" insgesamt 25 000 Stauden, Ziergehölze, Koniferen, Blütensträucher, Obstbäume, Hochstämme, Weihnachtstannen und allerlei Formpflanzen. Dass der Winter in diesem Jahr bisher keinen Schnee brachte, kommt den Eckardts dabei sehr gelegen.
Weil das Gelände in Jessen zuletzt kaum noch genutzt wurde, ist manches verwildert und soll nun eine neue Struktur erhalten. Außerdem sind Reparaturmaßnahmen an den Gebäuden notwendig. Und: Auch die ersten Saison-Pflanzen sind eingetroffen, zum Beispiel Hornveilchen. Die Gehölze werden alle selbst herangezogen, doch die Pflanzen für Balkonschmuck, Beet- und Grabbepflanzung - etwa Geranien, Petunien, Chrysanthemen, Heide und auch Alpenveilchen - bezieht Monika Eckardt seit zehn Jahren aus der Gärtnerei der Herzberger Elsterwerkstätten.
Die Angebote der neuen "Baumschule Eckardt", wie jetzt der Firmenname lautet, und des gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaus gründen sich auf bisherige Erfahrungen: "Wir verkaufen nicht nur, sondern beraten die Kunden, pflanzen auch vor Ort in den Gärten der Kunden und übernehmen zudem Pflasterarbeiten. Den größten Bedarf, so die Chefin, gibt es in dieser Hinsicht bei den Obstbäumen und Beerensträuchern. Insbesondere Thomas Eckardt hat sich auf das Schneiden von Gehölzen spezialisiert. Außerdem werden Blumenkübel, Balkonkästen und dergleichen mehr auf Kundenwunsch bepflanzt und an Ort und Stelle transportiert.
Ein "Steckenpferd" von Monika Eckardt gedeiht bereits am neuen Standort: "Wir haben uns auf die Jungpflanzenaufzucht der Lebensbaum-Art ,Thuja Smaragd’ spezialisiert. Das ist eine tolle Heckenpflanze", so die Gärtnerin.
Noch bleibt etwas Zeit, bevor im zeitigen Frühjahr die Kunden zahlreicher kommen. "Wir sind sehr optimistisch und freuen uns auf Jessen. Schließlich haben wir hier schon Umzüge zum Heimatfest mitgestaltet und gute Verbindungen geknüpft."