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Holzdorf Holzdorf: Schüler stellen erstes eigenes Buch vor

Von Gabi Zahn 24.04.2014, 16:47
Tim Lukas und seine Freunde signieren ihr Buch.
Tim Lukas und seine Freunde signieren ihr Buch. G. Zahn Lizenz

Jessen/MZ - Sechs- bis elfjährige Mädchen und Jungen der Evangelischen Schulen in Holzdorf haben ein Buch geschrieben. Sie fassten die Geschichten, die bei einer Schreibwerkstatt im Oktober entstanden, zu einem Band zusammen. Lehrerin Antje Penk, selbst Schriftstellerin, brachte es in Absprache mit Kindern und Eltern im Eigenverlag heraus. Am „Tag des Buches“ präsentierten die jungen Autoren ihr Erstlingswerk in den Buchhandlungen Pischel in Annaburg und Fischer in Jessen.

Über 60 Geschichten

„Tintenzauber – Kinder schreiben für Kinder“ steht auf dem türkisfarbenen Einband, den ein „Tintentiger“ ziert. Paul Schniebs aus Klasse vier hat dieses Tintenklatschbild angefertigt. Sein Text über das sonderbare Wesen, das aus Tinte besteht und Krallen wie „nadelspitze Schreibfedern“ besitzt, eröffnet ein Kaleidoskop aus über 60 spannenden, witzigen, grusligen berührenden Geschichten. Jede lebt von der schönsten Gabe, mit der Kinder ihre Welt ausschmücken: Fantasie.

Das Buch „Tintenzauber“, geschrieben von Kindern der Evangelischen Schulen Holzdorf, ist für sieben Euro in der Schule sowie in der Buchhandlung in Jessen zu haben. Fünf Euro kostet der Druck pro Exemplar. Zwei Euro wollen die Schüler für die Finanzierung des Folgebandes zurücklegen. Ein Dankeschön geht an Annaburgs Grundschulleiterin Antje Berger und die Leiterin der dritten Klasse, Petra Müller: „Sie haben Schüler und Eltern dazu angeregt, unsere Lesung in der Annaburger Buchhandlung zu besuchen, und auf diese Weise tolle Werbung gemacht“, informiert Petra Lehmann, pädagogische Mitarbeiterin in Holzdorf. Das Erstlingswerk „Tintenzauber“ wird übrigens in der Deutschen Nationalbibliothek mit Sitz in Leipzig und Frankfurt am Main bibliografisch verzeichnet. Die Einrichtung sammelt seit rund einem Jahrhundert sämtliche deutschen und deutschsprachigen Publikationen.  (gzn)

Betty Riedel, Grundschulleiterin in Holzdorf, findet dafür folgende Erklärung: „Gib Kindern Papier, Stift und den Raum, den sie brauchen. Ermuntere sie und stehe ihnen bei, wenn sie Hilfe suchen. Dann entsteht so etwas wie dieser ,Tintenzauber’. Es war unglaublich spannend, mitzuerleben, wie die Schüler ihre Geschichten entwickelt haben, Sätze schweren Herzens änderten, Kritiken annahmen, Passagen strichen oder Handlungen neu formulierten.“ Jedes Kind habe ähnliche Höhen und Tiefen durchlebt, wie sie berühmte Schriftsteller kennen. Und: „Jedes Kind hat selbst entschieden, wo und wie es am besten schreibt: am Tisch oder auf dem Fußboden sitzend, liegend oder in eine Ecke gelehnt. Ein Schüler saß unten auf der Treppe und ist bei jeder fertigen Zeile um eine Stufe höher gerückt.“ „Tintenzauber“ vereint sowohl fiktive Geschichten, als auch bemerkenswert ehrliche Schilderungen, die das Gefühlsleben der Kinder widerspiegeln.

Geschichten aus dem Leben und der Fantasie

Shannon Otte beschreibt jenen Tag, an dem sie ihre erste Vier in der Schule bekam. Zu Hause tröstet die Mutter sie: „Eine Vier wird an deinem Zeugnis nichts ändern.“ Außerdem hat ihr die Oma ein Geschenk geschickt: ein Tagebuch. Kurz darauf sieht sie, wie ihr Papa weint. Shannon erfährt, dass Oma krank ist. Sie weint ebenfalls, erzählt davon ihrem neuen Tagebuch – und vertraut ihre Gefühle auch den Lesern von „Tintenzauber“ an. Sehr mutig.

Unter der Überschrift „Tollpatsch hoch zehn“ beschreibt Elea Bahlke dagegen ein lustiges Erlebnis: Vor der Zeugnisübergabe übernachten die Kinder gemeinsam in der Schule. Doch an Schlafen denken Elea und ihre Freundinnen nicht. Stattdessen holen sie den vorbereiteten Wackelpudding aus dem Keller und schlüpfen in viel zu große Stiefel. Das Malheur passiert. Der „Wackelpudding grün und rot“ landet auf dem Schlafsack eines Jungen, der darin friedlich schlummert …

Kinder signieren Bücher

Während der Buchpräsentation lesen Kinder 13 Geschichten in der Jessener Buchhandlung vor. Ähnlich viele sind es in Annaburg. Am Ende bekommen die Nachwuchs-Schriftsteller kräftigen Applaus von den Gästen, zu denen Eltern, Geschwister und Großeltern zählen. Mit Sylke Scheufler aus Kemberg ist auch eine „Autoren-Kollegin“ dabei. Sie hat den Vorträgen staunend gelauscht und äußert eine Bitte: „Kürzlich habe ich euch mein Buch vom Drachenring vorgestellt und Autogramme verteilt. Heute möchte ich, dass ihr mir euer Buch signiert.“

Steffen Fischer, Inhaber des Jessener Buchladens: „Ich bin beeindruckt. Es war mir eine Ehre, dass ihr euer Buch hier vorgestellt habt.“ Sabine Pischel von der Buchhandlung in Annaburg, freut sich über das Gehörte und die Besucherresonanz und überreicht den jungen Autoren Blumen.