Hoffest in Schweinitz Hoffest in Schweinitz: Obsthof Zwicker zählt mehr als 1.000 Besucher

Schweinitz/MZ - Sonnenschein statt Nieselregen – wie sehr hatten sich Zwickers diesen Wetterwechsel gewünscht. Das Daumendrücken half. Samstagmorgen scheint sie zwischen gelegentlichen Wolken hindurch und beschert dem 18. Hoffest freundliches Spätsommerwetter. Vom Vormittag bis in den Abend kommen mehr als 1 000 Menschen in den Schweinitzer Apfelweg. Viele nutzen auch die Gelegenheit zur Selbstpflücke.
Rund um den Hofladen macht sich Volksfeststimmung breit. Herbstliche Floristik vom Jessener Blumeneck und Pflanzen aus der Baumschule Eckardt bieten am Eingang eine farbenfrohe Kulisse. Im Geschäft gibt es Kostproben aller Apfel- und Birnensorten, die auf den Schweinitzer Bergen reifen. Die Kunden freuen sich, dass sich auch Betriebe vorstellen, deren Produkte sie übers Jahr bei Zwickers kaufen: unter anderem die Alpakaburg Seyda, der Wachtelhof Höhne aus der Dübener Heide, die Lindaer Holzofenbäckerei und das Teehaus Wirtz aus Prettin.
Speziell zum Hoffest gibt es edlen Fisch und Wildspezialitäten. Letztere stammen aus dem Wildgehege von Reiner Schülzke im Schliebener Land. Die Bratwürste sind so begehrt, dass bald Nachschub angefordert wird. Auch der Kuchen von Bäckermeister Klaus aus Herzberg geht weg wie warme Semmeln. „Er bäckt mit frischen Früchten von unserem Obsthof“, berichtet Sylke Zwicker. Inmitten des Trubels erinnert sie sich: „Unser erstes Hoffest vor 18 Jahren war ein zaghafter Versuch, etwas Neues zu wagen. Wir hatten rumtelefoniert und Händler gebeten, das Fest mitzugestalten. Mittlerweile wollen sie von sich aus wiederkommen.“
Die Genussmeile wird ergänzt durch regionales Kunsthandwerk: Zur großen Freude vieler Besucher zeigt der Schweinitzer Holzbildhauer Wolfgang Dittrich eine Auswahl seiner Arbeiten. Beatrix Freiwald aus Horst bietet Keramik feil, und Thomas Schulze aus Brandis schmiedet wie zu alten Zeiten am offenen Feuer. Die Jüngsten können sich kreativ betätigen und Drucke mit Apfelstempeln anfertigen. Auch die „Apfelsprechstunde“ von Sigurd Schossig am Stand des Naturschutzbundes wird rege genutzt. Über 100 Ratsuchende bitten den Pomologen um Hilfe beim Bestimmen von Obstsorten.
Renate Buhle, Wittenberg: „Schön, dass man zum Hoffest sehen kann, wie sich der Obsthof im Laufe der Jahre entwickelt. Wochentags hole ich mir Zwickers Produkte auf dem Wittenberger Markt. Wir haben schon in den 70er Jahren bei ihnen gekauft, sind damals bis Jessen gefahren.“
Hannelore Sokolowski, Roßlau: „Ein wunderschöner Tag, alles hier ist bestens. Wir fahren jedes Jahr her – und dann zum Töpfermarkt nach Wittenberg.“
Sabine Schöne, Grabo: „So unglaublich das klingt, ich bin heute zum ersten Mal hier und völlig überwältigt. Alles ist so ordentlich, liebevoll vorbereitet und gut organisiert. Egal, was man kostet – es schmeckt, und der Apfelsaft ist die reinste Wonne.“ (gzn)
Walter Fromm und seine Elbaue-Blasmusikanten stimmen beschwingte. Fröhlich klingen die Gläser mit Federweißem: „Prost auf das 18. Hoffest“. Das Weinhaus Zwicker hat mit 700 Litern aus Kerner- und Grauburgunder-Trauben gut vorgesorgt. Ungethüms Speckkuchen sorgt fürs kulinarisches „Gegengewicht“.
Stets begehrt sind die Plätze auf der Apfelbahn. Viktor chauffiert den Traktoren-Zug durch die Plantagen und steuert zur einzigen Haltestelle. Hier servieren die Schweinitzer Bergfeen Doris und Ursula einen fruchtig-süßen Imbiss und „Flüssigobst“. Letztes bekommen freilich nur die Erwachsenen. 20 Liter Obstler haben Zwickers für ihre Gäste gebrannt. Davon bleibt kein Tropfen übrig.
Vom Apfelsaft aus der mobilen Obstpresse von Matthias Konschak kann weitaus mehr getrunken werden. Zehn Stiegen mit jeweils 250 Kilogramm Äpfeln werden allein zum Hoffest verarbeitet. Am Tag zuvor war es eine noch größere Menge. Der Chef erklärt, wie die urig anzuschauende Maschine funktioniert: Das Obst wird in der Maschine gewaschen, gemahlen und gepresst. Auf 78 Grad Celsius erwärmt, pasteurisiert der entstandene Saft. Vitamine und andere wertvolle Inhaltsstoffe bleiben auf diese Weise erhalten. Der Most wird in einen speziellen Plastesack abgefüllt, der sich – von einem stabilen Pappkarton umhüllt – gut transportieren und aufbewahren lässt. Zu Hause fungiert diese Box als Apfelsaft-Zapfanlage.
„Der Most schmeckt in jedem Jahr ein bisschen anders, mal etwas süßer, mal säuerlicher. Das beweist, dass nur pure Natur enthalten ist. Ungeöffnet bleibt er ein Jahr lang haltbar, geöffnet drei Monate“, versichert Konschak. Eine frohe Botschaft – von Walter Fromm übers Mikrofon verkündet – versetzt die Festgemeinde in Vorfreude auf ein kommendes Ereignis: Am 20. Dezember 2014 nämlich blickt der Obsthof Zwicker auf sein 25-jähriges Bestehen zurück. Gefeiert wird allerdings erst im nächsten Jahr. Wie? Sylke Zwicker schmunzelt und verrät: „Wir haben schon Ideen. Wenn die Ernte vorbei ist, wird richtig geplant.“

