Fuchsjagd in Lindwerder Fuchsjagd in Lindwerder: Jäger ziehen durch das Dorf

Lindwerder - Letzte Reste des Morgennebels wallen über die Wiese am Dorfeingang, auf der sich die 16 Reiter mit ihren Pferden sammeln, um an der 20. Fuchsjagd teilzunehmen. Auch drei Kremser und eine Kutsche treffen nach und nach ein. Alle bereiten sich auf das Ereignis vor.
Unter den Reitern auch der Fuchs des Vorjahres, Svenja Brenner aus Prettin. Für sie ist Lindwerder immer wieder ein schönes Erlebnis. Zum vierten Mal ist sie dabei. „Es ist immer alles ganz toll organisiert“, kommt sie förmlich ins Schwärmen. Und sie lobt auch noch die Rücksichtnahme, die hier an den Tag gelegt wird. Das sei bei anderen Veranstaltungen nicht immer der Fall. Sie reitet nur drei Fuchsjagden pro Jahr. Neben der rund um Lindwerder sind dies Ahlsdorf und Züllsdorf. Als Fuchs darf sie diesmal mit an der Spitze reiten, aber vom Endspurt um den im Zieltor hängenden Fuchsschwanz ist sie ausgeschlossen.
Die Fuchsjagd, wie sie unter anderem in Lindwerder zur Tradition geworden ist, hat sich zur einer sportlichen Variante der tatsächlichen Verfolgung von Meister Reinecke entwickelt. Bei letzterer, die auch als Parforcejagd bezeichnet wird, war immer eine Hundemeute mit von der Partie, die das Tier hetzte und tötete. Verfolgt wurde das Ganze von einer Reiterschar. Diese Form der Jagd wurde 1934 in Deutschland verboten. Heute ist das Ziel ein Fuchsschwanz, der entweder dem Vorjahresgewinner abgenommen werden muss oder im Zieltor hängt. Hierbei stehen die Geschicklichkeit und der Spaß im Vordergrund. Sind Hunde mit von der Partie, wird dies als eine Schleppjagd bezeichnet. Alles läuft nach strengen Regeln. (cab)
Auffallend in leuchtendem Rot der Master, Ralf Richter. Er ist auch der Organisator der Fuchsjagd, hat aber einige Helfer an seiner Seite. Und für die 20. Auflage hatte er die Idee für ein neues Hindernis und baute es selbst. Geschmückt wird es mit zwei hölzernen Ponys, auch sie kommen aus der Richterschen Hobbywerkstatt. Und noch etwas hat er sich einfallen lassen. Jeder Reiter bekommt zum Abschluss ein Abzeichen als Teilnehmer an der 20. Jagd. Wer beim abendlichen Jagdgericht die Abzeichen der 10. und 15. Jagd ebenfalls vorweisen kann, auf den wartet eine Überraschung.
Master begrüßt persönlich
Als Master führt Ralf Richter die Meute an, keiner darf ihn überholen. Zumindest nicht vor dem Endspurt. Dass er alle, auch die im Kremser Mitfahrenden persönlich begrüßt, versteht sich von selbst. Diesmal, so erzählt er noch, gibt es auf der Strecke von etwa 24 Kilometern, die in den nächsten Stunden zurückgelegt werden, 35 Hindernisse. Nur wer sie alle meistert, darf um den Fuchs kämpfen. Sandro Haus aus Gräfendorf kam damit am besten zurecht.
Ständig unterwegs ist mit seinem Eintreffen auf dem Vorbereitungsgelände Eckhard Schaar, das hohe Gericht. Ihm entgeht kein Vergehen, alles wird genauestens protokolliert. Das Ergebnis sorgt beim Jagdgericht dann für etliche Lachsalven. Da ist ein Pferd nicht richtig gestriegelt, staubt mächtig, wenn man übers Fell streicht oder es tätschelt. Hier wird eine Umweltabgabe fällig. Ein anderer Vierbeiner ist noch nicht richtig munter, das gilt es ebenfalls zu bestrafen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum ein Pferd kein Tier ist und welche Strafen noch hinzukommen.
Eine junge Reiterin hat ihr Ross sogar als ein Tier bezeichnet. Das mag zwar biologisch richtig sein, unter den Fuchsjägern jedoch verpönt. „Ein Pferd ist ein Pferd“, kommentiert dies der gestrenge Richter.
Und dann wird sogar ein Zollvergehen begangen. Eine schwere Übeltat, von der Eckhard Schaar auch gleich ein Beweisfoto macht. Zwei Vorsitzende von Agrargenossenschaften unterhalten sich. Der eine aus Sachsen-Anhalt, der andere aus Brandenburg. „Die machen hier Geschäfte“, ist sich der Richter sicher. „Und das noch über Ländergrenzen hinweg. Sie wollen bestimmt keinen Zoll bezahlen. Das kann und werde ich nicht dulden. Da müssen sie heute Abend tief in die Geldbörse greifen.“ Weitere Strafen kommen im Verlauf der Jagd hinzu. Besonders schwere Vergehen dabei sind, den Master oder den Fuchs zu überholen oder auch das Schlusslicht zu sein. Letzteres dürfen nur die zum Feld gehörenden Gehilfen des Richters, schließlich müssen sie alles im Blick haben.
Sonne strahlt wieder einmal
Der Start rückt näher. Es versammeln sich die Reiter mit ihren Pferden, stellen sich in einer Reihe auf. Nach einigen Begrüßungsworten von Ralf Richter, der unter anderem daran erinnerte, dass zur gleichen Zeit vor 20 Jahren das Thermometer minus drei Grad anzeigte und später herrlichstes Wetter war, gibt es den Bügeltrunk. Dann geht es auf eine Runde durch das Dorf und endlich ins Gelände. Übrigens hat sich mittlerweile der restliche Nebel verzogen und es strahlte die Sonne, wie fast in jedem Jahr, wenn nach Lindwerder zur Fuchsjagd eingeladen wird. (mz)

