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Folterkeller jetzt mit Hexennische

Von Detlef Mayer 25.04.2007, 16:04

Klöden/MZ. - "Klödener tun was für Klöden", fasste sie salopp zusammen, was in dem zurückliegenden halben Jahr von den ABM-Leuten bewegt wurde. Im Kern ging es um die Erweiterung des Hexenmuseums im Burgkeller, das beim Burgfest am zurückliegenden Wochenende schon in seiner neuen Qualität besichtigt werden konnte.

Das sei eine vernünftige Winterarbeit gewesen. "Die Sechs haben etwas Bleibendes geschaffen", von dessen anziehender Wirkung auf Rad- und andere Touristen die ganze Region profitiere. Und Renate Niendorf betonte, dass eine ABM heute ja eher die Ausnahme denn die Regel darstelle, da auf dem zweiten Arbeitsmarkt inzwischen meist mit Ein-Euro-Jobbern gewirtschaftet werde.

Die ABM-Gruppe, die zum Abschluss der Maßnahme kleine Topf-Blümchen erhielt, bestand aus Sandra Hanisch, Simone Heinrich, Katja Henze, Christina Krüger, Sabine Weiß und Bernd Kitzhofer. Zu ihrem Aufgabenspektrum gehörten: das Herrichten künftiger Ausstellungsräume in der Burg, Gestaltungsarbeiten im Umfeld des historische Gemäuers sowie Recherchen zur Geschichte von Burg und Hexenverfolgung. Damit einher gingen das Sammeln, Aufarbeiten und Anfertigen von Gerätschaften, die einst der Folter dienten, einschließlich Beschriftungen und Informationstafeln zu dem Thema. Obendrein erstellten sie einen Flyer für das Hexenmuseum und bereiteten Materialien für Führungen vor. "Die Art der Tätigkeiten war für alle neu. Aber auch die Frauen haben sich gut eingearbeitet. Es wurde tiefgründig recherchiert, und es ging sehr engagiert zur Sache", schätzten Renate Niendorf und Thomas Petzold, Vorsitzender vom Förderverein Burg Klöden, übereinstimmend ein.

Renate Niendorf: "Das Hexenmuseum macht im Zusammenhang mit dem sanierten Ostflügel und dem Gaststättenbetrieb auf der Burg richtig Sinn." Und: "Eine derartige Untersuchung zur Hexenverfolgung gibt es in der näheren Umgebung nicht noch mal."

Der zentrale Anlaufpunkt in dem "Gruselgewölbe" ist sicher die Informationstafel Hexenverfolgung / Folterkeller. Sie liefert umfassende Erklärungen zu der Ausstellung und zu Hintergründen. Wer die Langfassung mag, kann in einem dicken Ordner nachlesen, der ebenfalls ausliegt. Anschaulich wird die mit dem Hexengericht verbundene Folterei des Mittelalters durch etliche Schaustücke, die allesamt Nachbauten sind. Das Spektrum reicht dabei vom Eisenkäfig, in dem die Delinquenten am Turm hochgezogen wurden und sich überlassen blieben, über Halsgeige, Pranger, Daumenschraube, Folterstuhl und Scheiterhaufen bis hin zu Streckbank und neuer Hexennische. In der Hexennische wurden Beschuldigte (im Büßerhemd) so in Eisen gelegt, dass sie mit den Füßen nicht die Erde berühren konnten. Sie mussten dort hinter einer dicken Tür bewegungslos im Dunkeln verharren.

Der Folterkeller in Klöden hat von April bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen sind möglich, Telefon 0172 / 3578498