Dorffest Reicho Dorffest Reicho: Nach dem 3:3 kam ein Wespenschwarm
Reicho/MZ. - Fast 30 Radler zählte die traditionelle Tour der Reichoer durch die Nachbardörfer am Freitag. In anderthalb Stunden legten sie 15 Kilometer zurück.
Bei ihrer Rückkehr nach 19 Uhr sortierte Olaf Hildebrandt aus Fahrland, seit fast zehn Jahren Stamm-DJ in der 66-Seelen-Gemeinde, seine Hit-Kiste, während Heimatvereinsvorsitzende Heike Noatsch und Helferinnen eine Bank an den Teich holten und die verdutzte Bürgermeisterin Ingetraud Kannegießer baten, Platz zu nehmen. "Vor 22 Jahren wurdest du die ,Amtsmutter' unseres Dörfchens. Du brauchtest fürs Regieren keine festen Öffnungszeiten, kein steriles Büro. Unabhängig von Zeit und Raum hattest du für alle Angelegenheiten und Probleme deiner Mitmenschen stets ein offenes Ohr, warst bemüht, für Recht, Ordnung und Ruhe zu sorgen. Viel hast du gemeinsam mit den Einwohnern in dieser Zeit bewegt. Wasserleitung, Dorferneuerung und kürzlich die Eingemeindung nach Jessen. Wer schafft es heute noch, so eine Meute, wie wir es sind, zusammenzuhalten und zum Mitanpacken zu bewegen", würdigte Heike Noatsch die Verdienste ihrer Bürgermeisterin. Mit zwei Blumensträußen im Arm gestand die so Geehrte, ausnahmsweise keine Worte zu finden. Ihre Augen erhielten einen feuchten Glanz, als dann die Heimatvereinschefin noch ein von Bert Hannemann aus Oehna gestaltetes Ölgemälde enthüllte, das ihre "Amtsmutter" am Dorfteich sitzend zeigte. Aufs Altenteil will sich die 67-jährige Agraringenieurin aber noch nicht begeben. Da kam die Bitte von Jessens Bürgermeister gerade recht, bis zur Ernennung des neuen Stadtteilbeirates die Geschicke des Ortes weiter zu lenken.
Der Fußballvergleich zwischen den Reichoern und den Berliner Union-Fans am Sonnabend endete 3:3, völlig überraschend. Ein Spieler trat in ein Nest mit Erdwespen. Deren Attacke führte zu einer panischen Flucht. Thomas Bölter, der dem wütenden Schwarm am nächsten war, bekam ein paar Stiche ab, die mit kühlem Bier behandelt, schnell vergessen waren.
Gemütlicher wurde der Nachmittag. Jana Blochwitz, Siegried Däumichen, Karola Wilke, Edelgard Meyer und Ilse Hildebrandt servierten Kaffee und selbst gebackenen Kuchen, während draußen die Schützen und Kegler ihre Besten ermittelten. Jens Hildebrandt schob die ruhigste Kugel, und Heinz Thiele traf am sichersten. Die Schneewittchen-Parodie des "Dorfspektakels" aus Linda am späten Nachmittag und der Sketch der Reichoer Comedians zu später Stunde erwiesen sich als wahre Lachmuskel-Angriffe. Urkomisch wie Ina Preuß, Karola Wilke, Alfred, Werner und Heike Noatsch dem Bevölkerungsrückgang in ihrem Heimatort begegnen wollen. Da wurden mit Hammer und Meißel auf dem Gynäkologenstuhl matratzenfedergroße Spiralen entfernt, um endlich den Babyboom zu forcieren.