Mansfeld-Südharz

Mansfeld-Südharz: Schatz im Schlosskeller versteckt?

helmsdorf/MZ. - Kann es sein, dass auf Schloss Helmsdorf vor etwa 50 Jahren ein Schatz gefunden worden ist? Der Ortsbürgermeister von Heiligenthal mit seinem Ortsteil Helmsdorf, Kurt Christel, schüttelt ungläubig den Kopf. Davon hat er noch nie etwas ...

Von burkhard zemlin

Kann es sein, dass auf Schloss Helmsdorf vor etwa 50 Jahren ein Schatz gefunden worden ist? Der Ortsbürgermeister von Heiligenthal mit seinem Ortsteil Helmsdorf, Kurt Christel, schüttelt ungläubig den Kopf. Davon hat er noch nie etwas gehört.

"Etwas ist durchgesickert"

Dieter Wiegel, promovierter Chemiker im Ruhestand, der seit vielen Jahren in Leipzig lebt, aber seinem Heimatort Heiligenthal immer noch verbunden ist, muss hingegen nicht erst überlegen, um sich zu erinnern, "dass da mal was war", wie er es ausdrückt. "Etwas ist durchgesickert", sagte er. Doch näheres hat er leider nie erfahren, nur dass es angeblich einen Fund gegeben haben soll.

Ein 83 Jahre alter Hettstedter weiß mehr und versichert, Anfang der 1960-er Jahre vor Ort im Schloss gewesen zu sein, das damals als Pflegeheim genutzt worden ist. Der Mann war seinerzeit Mitarbeiter der SED-Kreisleitung Hettstedt und möchte aus diesem Grund seinen Namen nicht veröffentlicht sehen, zumal er später beim Rat des Kreises in verantwortlicher Funktion tätig war.

Er vermag zwar nicht mehr Tag und Stunde des Fundes anzugeben, und auch auf das Jahr 1961 würde er sich nicht festlegen, weil es durchaus früher oder später gewesen sein könnte. Aber dass damals im Mauerwerk des Schlosskellers Tafelsilber und andere wertvolle Sachen zum Vorschein kamen, bei deren Anblick nicht nur ihm die Augen übergegangen sind, wisse er genau. Irrtum ausgeschlossen.

Teil der Wand eingestürzt

Passiert sei alles beim Verlegen einer Wasserleitung für das Pflegeheim. Der Hettstedter beschreibt den Fundort so: Hinter dem Schloss führt eine Tür in das Kellergeschoss. Dort unten auf der rechten Seite zwischen den beiden letzten Räumen sollte ein Durchbruch gemacht werden für die Wasserleitung. "Und wie der Handwerker da mit der Bohrmaschine ran ist, da ist ein Teil der Wand zusammengefallen", erinnert sich der Hettstedter und fügt hinzu: "Ich weiß gar nicht, wer uns danach angerufen hat. Ich bin dann mit dem Sekretär für Landwirtschaft nach Helmsdorf gefahren und habe die Sachen gesehen. Sie waren auf dem Fußboden ausgebreitet und in Zeitungen vom Januar 1945 eingewickelt. Da waren silberne Teller dabei, so groß wie Kuchenbleche, Kandelaber und noch viel mehr."

Man war damals sicher, das Tafelsilber der Familie des Barons von Krosigk entdeckt zu haben, das diese offenbar angesichts des zu erwartenden Unterganges des Hitlerreiches im Keller versteckt hatte. Doch so schnell, wie die Genossen der SED-Kreisleitung Hettstedt an die Sachen rangekommen waren, so schnell mussten sie sie wieder aus der Hand geben.

Noch am selben Tag erschienen Mitarbeiter der Staatssicherheit und erklärten, dass sie die Angelegenheit übernehmen würden. "Die haben uns weggeschickt", erinnert sich der Hettstedter, der damals lediglich erfahren hat, dass die Fundstücke in das Landesmuseum nach Halle gebracht werden sollten.

Allerdings sind sie dort nie angekommen. "In der entsprechenden Ortsakte findet sich kein Hinweis auf diesen Vorgang", versichertedie Pressestelle des Museums. Die Sache bleibt ebenso geheimnisvoll, wie die Schatzsuche im Schlosspark, die es nach Angabe des 83jährigen Hettstedters seinerzeit gegeben haben soll. "Man glaubte, dass der Familienschatz des Barons von Krosigk im Park vergraben war", sagte er. Doch es ist nie etwas gefunden worden. Andere Geschichte hingegen ist dokumentiert. Dieter Wiegel weiß von Gemälden, die von Helmsdorf auf die Burg Falkenstein gelangten, was Eveline und Holm Müller, die ehemaligen Museumsleiter vom Falkenstein, bestätigen. "Wir haben ungefähr Anfang der 1980er Jahre Hinweise auf Kunstgut erhalten, das wir uns ansehen sollten", erinnert sich Holm Müller, der daraufhin nach Helmsdorf gefahren ist und im Speisesaal des Pflegeheims auf ein Kaminbild aufmerksam wurde, das vermutlich zwei Kerßenbrocksche Kinder zeigte und mit dem Maler Gerhard von Kügelgen (1772-1820) in Verbindung gebracht wurde. "Ich habe damals gesagt, dass es da nicht bleiben kann und restauriert werden muss", so Müller, der das Bild dann in Absprache mit der Heimleitung auf den Falkenstein bringen ließ, im Tausch gegen ein anderes.

Albrecht Münch aus Bad Homburg, ein Enkel des Barons Bernhard von Krosigk und heutiger Eigentümer des Schlosses, weiß nicht, was er von der geheimnisvollen Schatzgeschichte halten soll. Von einem Schatz, der im Schloss versteckt worden sein soll, hat er in seiner Familie noch nie etwas gehört. Mit Blick auf den derzeitigen Zustand des Schlosses, dessen Verfall infolge des Leerstandes von Jahr zu Jahr fortschreitet, sagte er, dass das "ein schwieriges Thema" sei. Es habe trotz aller Bemühungen keine wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeit finden können, bedauerte er und fügte hinzu, sich auch einen Verkauf des Schlosses vorstellen zu können. Vorausgesetzt, es findet sich ein Interessent.