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Vor dem Finale Vor dem Finale: Die Weltmeister-Elf aus Halle

Von Sylvia Pommert 28.06.2002, 19:05

Halle/MZ. - Keine Angst, Rudi! Morgen kann nichts schief gehen. Wir sind an deiner Seite, Rudi. Wenn du uns brauchst, wir kommen. Denn eines musst du wissen, Rudi: Du bist nicht allein. Du nicht, und Kahn nicht, und Hamann nicht, und Klose nicht... Hier in Halle gibt es die komplette Elf noch mal. Alle sind hochmotiviert, durchtrainiert, top in Form. Und den Brasilianern, Rudi, den hauen sie eins auf die Mütze. Das kannst du wissen.

Da ist sich unser Völler, der in Halle Föller heißt, ganz sicher. Der rechnet mit einem knallharten 1:0 - nach Elfmeterschießen. Und er muss es wissen. Denn früher war Siegmar Föller selbst aktiv bei "MK Hettstedt". MK heißt Mansfeld-Kombinat. Das musst du nicht wissen, Rudi, ist nebensächlich. Unser Föller war auch in der Bezirksauswahl und hat den Spitznamen "Rudi", war doch eigentlich klar, oder? Föller, der heute Kasernenfeldwebel im Divisionsstab Leipzig ist - also beim Bund - hat dort auch die Sporthalle unter sich.

Außerdem stand er bei einem Turnier ''98/''99 in Rajlovac bei Sarajevo im Tor. Und er hat nicht einen Ball reingelassen, weder von den Franzosen, noch von den Italienern. "Die Katze von Rajlovac" haben sie ihn in der Presse genannt. Da guckste, was, Rudi? Du musst den Jancker rausschicken, sagt Föller. (Wir haben zum Glück keinen.) Ordentlich Unruhe muss sein. Die Brasilianer dürfen nicht zum Denken kommen. Den Neuville und den Bierhoff sollst du als Joker aus dem Ärmel ziehen, sagt Föller. Na, du machst das schon, Rudi.

Halte die Jungs bis zum Schluss auf Trab! Das lässt dir Skibbe ausrichten. So ein Ding wie gegen Irland darf nicht noch mal passieren. Olaf Skibbe, ansonsten Bauingenieur, wird das Spiel in seiner Stammkneipe verfolgen. Skibbe setzt übrigens voll auf Kahn und Klose. Lass den einen halten und den anderen schießen, Rudi, dann wird es schon ein 2:0 für Deutschland, sagt Skibbe. Kahn übrigens, Jörg Kahn, ist Wasserballer, spielt mit Hettstedt in der Landesliga. Hättest du nicht gedacht, was? Der lässt keinen Ball rein, da kannst du dich drauf verlassen, auch wenn er seine Brötchen sonst als Ingenieur verdient, Rudi. Aber mach'' es spannend am Sonntag, geh'' in die Offensive mit deinen Jungs, dann schießt Neuville das 1:0. Sagt Kahn.

Übrigens, Baumann, Kehl und Linke haben wir in die Abwehr gestellt. Ist dir doch recht so, Rudi, oder? Die drei Jungs sind sich nämlich einig, wie sie die Brasilianer packen. Auf jeden Fall ein Tor verhindern, möglichst lange beim 0:0 bleiben. Und wenn die Brasilianer richtig kirre sind, dann blitzschnell zuschlagen. So werden wir mit 1:0 Weltmeister, ist sich Edgar Linke sicher. Und der muss es wissen, denn als Forscher im Ruhestand beherrscht er Analysen. Und als Doktor der Agrarwissenschaften kennt er sich mit mehr aus als dem Fußballrasen. Das kann doch nur von Vorteil sein, Rudi, oder?

Der Kehl, Peter Kehl, das ist so einer, der immer mal vorprescht. Bei uns hat es der Kandidat der Juristerei bis in den Landtag geschafft. Obwohl - einer muss ja auch hinten beim Kahn bleiben. Da hast du Recht, Rudi. Aber da ist ja noch Baumann, Helmut Baumann. Der hält sich für ein bisschen reifer. Ist aber gelogen, denn der Baumann - unserer - spielt Volleyball und Tischtennis und radelt. Der ist so was von fit für das Endspiel, Rudi.

Das Mittelfeld, das ist unsere Geheimwaffe - echt. Da haben wir durchgegriffen. Unser Hamann wollte glatt die Brasilianer gewinnen lassen, und Ziege hat seinen Kopf auch nicht für die Mannschaft hingehalten. Na, da waren sie draußen, Rudi, aber ohne Pardon. Das war die Chance für Butt, den Elfmeter-Star. Juri Butt - unserer - hat früher bei "Zenit Leningrad" (Petersburg) gespielt. Ist ein Hammer, was Rudi? Und jetzt spielt er Akkordeon, auch wieder öffentlich. Sein Sohn übrigens, der spielt Fußball. Vielleicht kannst du ihn bei der nächsten WM...?

Der Text wurde gekürzt. Die vollständige Fassung lesen Sie in der Druckausgabe der Mitteldeutschen Zeitung vom 29.06.2002.