Stadtteil Paulusviertel Stadtteil Paulusviertel: Buntes Treiben im Familien-Kiez

Halle (Saale) - Mit seinem markanten ring- und strahlenförmigen Straßensystem rund um den Rathenauplatz ist das Paulusviertel einzigartig im Stadtgebiet. Im Inneren finden sich die vornehmen Wohnungen und Villen sowie jenseits der damaligen „Kronprinzenstraße“ (heute Schleiermacherstraße) die immer noch beeindruckenden Altbauten, die früher für Beamte und Angestellte gebaut wurden und heute vor allem jungen Familien ein Zuhause bieten.
Dass das Viertel seinen alten Charme behalten hat, ist nicht selbstverständlich. Die Abrisspläne für viele Häuser lagen zu DDR-Zeiten bereits in der Schublade der Verantwortlichen. So entstand in der DDR zum einen am Rand des Stadtteils noch der eine oder andere Wohnblock , auf der anderen Seite waren die markanten Gründerzeitbauten dem Verfall ausgesetzt. Grund: Viele der heute so schön sanierten Häuser waren in der Hand der damaligen Kommunalen Wohnungsverwaltung. Die hatte aber wie vielerorts in Halle kein Geld für die dringend notwendigen Reparaturen und Sanierungsarbeiten. Und so plante man schon in den Achtzigerjahren den Abriss der Altbauten und somit die Zerstörung des Viertels. Zum Glück kam der Mauerfall und es kam nicht zur Katastrophe.
Das Paulusviertel wurde am Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Namen Kaiserviertel geplant
Wer heute durch das Paulusviertel läuft, der sieht kaum noch unsanierte Häuser - der Stadtteil ist fast komplett saniert. Hat längst an alte Zeiten angeknüpft und an Anziehungskraft gewonnen. Einer der sicherlich jüngsten Bewohner des Viertel ist der sieben Monate alte Karl, der zusammen mit seinem vier Jahre alten Bruder Bruno und dem zwei Jahre alten Moritz sowie seinen Eltern Melanie und Thomas im Viertel lebt.
„Wir wohnen gerne hier. Vor allem die vielen Grünflächen und Spielplätze sind praktisch, wenn man kleine Kinder hat“, sagt Melanie Mull. Außerdem habe man es nicht weit bis zur Peißnitz oder in die Innenstadt. Ideal also gelegen, um nicht überall mit dem Auto hinfahren zu müssen. „Das Schimpfen über das viel besprochene Parkplatzproblem teile ich nicht. Ich finde eigentlich immer was. Man muss halt manchmal nur ein bisschen weiter bis nach Hause laufen“, sagt die 37-jährige Diplom-Sportwissenschaftlerin, die derzeit als Kinder-Yoga-Lehrerin arbeitet und nebenbei Sportkurse für Schwangere und Kurse nach der Rückbildungsgymnastik in der Hebammenpraxis „Herzstück“ von Hebamme Gabriele Heldt anbietet. Und wo befindet sich die Praxis? Natürlich ebenfalls im Paulusviertel.
Während auf der einen Seite die Mütter und Väter mit ihren Kindern die Spielplätze im Stadtteil unsicher machen oder beim „Eisdealer“ in der Ludwig-Wucherer-Straße in der Schlange stehen, nutzen andere die letzten warmen Sommertage, um sich am Hasenberg in der Sonne zu bräunen. „Ich komme hier regelmäßig her, wenn ich freihabe und lese auf der Decke ein Buch“, sagt Studentin Josephine Müller.
Manchmal lerne sie hier auch für das Studium. „Es ist einfach ein schöner und vor allem am Vormittag ruhiger Ort“, sagt sie. Ruhig wird es nicht mehr lange bleiben: Denn wenn der Sommer vorbei ist und der erste Schnee fällt, dann verwandelt sich der Berg traditionell in ein kleines Rodel-Paradies für die Kinder aus der Nachbarschaft. (mz)