Schwimmen Schwimmen: Nesthäkchen steht vor dem EM-Debüt
Halle (Saale)/MZ. - Die überraschende Nachricht aus dem Trainingslager der Schwimmer gestern in Essen kam von jemandem, den eigentlich niemand auf dem Plan hatte: von Halles Nesthäkchen Deborah Gonschorek. "Sie fährt mit zur EM nach Eindhoven", sagte Halles Trainer Frank Embacher über die 17 Jahre alte Sportschülerin. Zwar hatte die Sprintspezialistin auf der Rückenstrecke bei den Kurzbahnmeisterschaften die Normzeit für die kontinentale Bestenermittlung, die am Donnerstag beginnt, knapp verfehlt. Da jedoch Auswahlschwimmerin Jenny Mensing schon seit Tagen kränkelt, könnte die Überraschungsmeisterin aus Halle in der Staffel in die Bresche springen. Um für diesen Fall gewappnet zu sein, hat Gonschorek bereits die gesamte Vorbereitung mit bestritten.
Das große Plus der kleinen Hallenserin: "Sie verfügt über eine ungeheure Schnellkraft, kann deshalb extrem hohe Frequenzen schwimmen", weiß Embacher. Bislang aber eben nur etwa 20 Sekunden lang. Die letzten Meter heißt es also Zähne zusammenbeißen.
Das nimmt sich auch Daniela Schreiber vor. Die Staffeleuropameisterin hat ihren hartnäckigen Infekt immer noch nicht überwunden. "Sie hat trotzdem trainiert, ansonsten wäre sie in Eindhoven von vornherein ohne jede Chance", erklärt ihr Trainer. Dabei braucht die Freistilsprinterin diesmal einen besonders langen Atem, denn neben den 50 und 100 Metern stellt sie sich auch über den langen 200 Metern der Konkurrenz. Der Anreiz: Schaffen sie und drei ihrer Auswahlkolleginnen in der Summe eine Gesamtzeit von sieben Minuten und 45 Sekunden, dürfen sie allesamt auch zur WM Mitte Dezember nach Dubai. Bisher hat Schreiber die Normzeiten für den Höhepunkt und damit auch das Ticket dorthin verpasst.
Das gilt auch für Theresa Michalak. Doch in Europa ist Halles Lagenspezialistin laut Bestenlisten für einen Platz unter den besten Fünf gut. "Das Zeug dazu hat sie, sie muss jetzt ganz einfach stabiler werden", fordert Embacher von der 18-Jährigen. Im Trainingslager in Essen wirkt sie ruhig und sehr verhalten. Vielleicht auch, weil ihr Freund Toni Embacher nicht zum EM-Team gehört. Die Nummer eins unter Deutschlands Schmetterlingsschwimmern auf den 200 Metern ging bei den Kurzbahnmeisterschaften baden. "Möglicherweise stimmte der Abstand zwischen Höhentrainingslager und dem Qualifikationswettkampf nicht. Spätestens am Wochenende werden wir das wissen, nachdem Toni in Berlin noch einmal einen Test absolviert hat." Eine ansprechende Zeit würde helfen, die Selbstzweifel zu besiegen - auch wenn sie für die EM und WM zu spät käme.
Deshalb hält erneut allein Paul Biedermann für das so genannte starke Geschlecht in Eindhoven die Fahne für den SV Halle hoch. Der Doppelweltmeister will über 200 und 400 Meter Freistil seine Titel verteidigen.