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Schwimmen Schwimmen: Erst Auswahl, dann Abi

Von PETRA SZAG 02.02.2011, 21:15

Halle (Saale)/MZ. - Ein Laktatwert bringt das vorzeitige Trainingsende. Während alle anderen Schwimmer zu ihrer vierten Ausdauerrunde ins Wasser des Neustädter Beckens springen, verordnet Frank Embacher Deborah Gonschorek erst einmal eine Atempause. Zu hoch ist dem Trainer der Wert des sauren Stoffwechselproduktes, der gerade aus dem Blutstropfen ihres Ohres ermittelt wurde. Die Grenzen der Ausdauerleistungsfähigkeit sind erreicht.

Für Gonschorek ist die Sonderbehandlung nicht neu. "Ich bin die einzige Sprinterin in unserer Gruppe", erklärt die 18-Jährige. Heißt: Ist ein Wettkampf auf 50 Meter begrenzt, schwimmt die Rücken- und Delphin-Spezialistin meist ganz vorn mit. Zuletzt sogar bei der deutschen Meisterschaft. Deshalb darf die Athletin vom SV Halle am Wochenende in Essen nun auch ihren internationalen Einstand geben. Der Verband nominierte sie für den Länderkampf gegen Großbritannien.

"Das kam für mich schon überraschend", gibt Deborah Gonschorek zu. Bereits bei der Kurzbahn-EM vor drei Monaten in Eindhoven hatte sie auf ihre Feuertaufe in der Nationalmannschaft gehofft. Doch als Ersatzfrau blieb ihr dann nur die Rolle der TV-Zuschauerin. Die DSV-Staffel holte Silber - ohne sie. "Ich war logischerweise erst einmal enttäuscht." Drei Tage Auszeit vom Schwimmen hatte sie sich danach gegönnt, um die verpasste Chance zu verarbeiten.

Dabei ist Deborah Gonschorek alles andere als blauäugig. Natürlich weiß die junge Schwimmerin um ihre Schwächen. Schließlich ist ihre Lieblingsstrecke, der Sprint, nicht olympisch. Die 100 Meter wiederum erscheinen ihr endlos lang, die letzten 20 Meter sind die Hölle. "Da spüre ich dann eine große Leere und denke jedes Mal, nichts geht mehr."

Ein Manko allerdings, das abzustellen wäre, denn Kraft und Ausdauer kann man sich antrainieren. Doch ihr Pensum erscheint Deborah Gonschorek schon jetzt enorm hoch, und es fällt ihr schwer, noch eine Schippe draufzupacken. Denn die Zwölftklässlerin des Sportgymnasiums steckt gerade mitten in ihren Vorbereitungen für das Abitur. "Ich will auch einen guten Schlussabschluss und danach studieren, am liebsten in Richtung Mathematik", begründet sie ihre geteilte Aufmerksamkeit. Für Trainingslager etwa bleibt diese Saison deshalb keine Zeit.

Hoffnungen, den Spagat zwischen Hochleistungssport und Berufsausbildung ohne Abstriche zu meistern, hegt sie dennoch. "Ich war jetzt lange Zeit nicht mehr krank, konnte seit August nahezu durchweg trainieren, das war vorher nicht der Fall", sagt sie.

Und wer weiß, vielleicht verschaffen ihr Erfolgserlebnisse nun auch auf der internationalen Wettkampfbühne zusätzlich Auftrieb.