Puppentheater Puppentheater: Schönste Vorschau des Jahrzehnts?
Halle/MZ. - Etwas "Bleibendes" zu schaffen - vielleicht sogar mit verstohlenem Seitenblick auf die Nachwelt - gilt von jeher als legitimes Motiv künstlerischen Ehrgeizes. Doch meist bleiben solche Absichten ganz großen Projekten vorbehalten. Schneller, aktueller oder gar werbender Projekte entledigen sich Künstler üblicherweise allenfalls mit kleinen Geniestreichen. Das Puppentheater, das mancher für Halles innovativste Bühne hält, hat sich der alljährlichen Aufgabe, ein attraktives Spielzeit-Heft zu erstellen, diesmal mit ganz ungewöhnlichem Engagement angenommen.
"Es sollte die schönste Vorschau des Jahrzehnts und damit etwas Bleibendes werden", sagt der Dramaturg des Hauses, Ralf Meyer, und legt ein richtiges großformatiges Kinderbuch auf den Tisch. "Elsa geht ins Puppentheater" heißt das von Melanie Peter verfasste und von Robert Voss illustrierte Bühnenmärchen.
Die Story ist zugleich eine pfiffige Variation zum Selbstverständnis von Puppentheater. Ein Kind namens Elsa wird auf das Haus im Mühlweg aufmerksam. "Was ist das" fragt sie ihre Mutter. Als sie erfährt, dies sei das Puppentheater, folgert das Mädchen mit messerscharfer kindlicher Logik, das man dort mit seiner Puppe hingehen könne, um der Puppe dort das Theaterspiel zu ermöglichen. Gedacht - getan. Kind Elsa geht mit Puppe Ottilie ins Puppentheater, damit dort das unausgesprochene Versprechen eingelöst werde.
Natürlich stößt sie nicht auf taube Ohren. Die Puppenspieler lassen Ottilie einen Streifzug durch sämtliche Kinderstücke des Hauses machen und damit quasi das aktuelle Repertoire präsentieren. "Wir wollen, dass das Buch den Kindern und ihren Eltern hilft, mit dem Puppentheater zu leben", sagt Ralf Meyer. Deshalb soll es - so lange der Vorrat reicht - allen Besuchern der Vorstellungen geschenkt werden. Das Buch ist in einer Auflage von 4000 Stück gedruckt worden. Sponsoren - unter anderem die Mitteldeutsche Zeitung - haben geholfen, den Mehraufwand gegenüber einem üblichen Spielzeit-Programmheft zu tragen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Eindrucksvoll sind insbesondere die Illustrationen von Hausgrafiker Voss - der übrigens auch das Stück "Lenchens Geheimnis" ausgestattet hat.
Und mit den Texten der als Stückeschreiberin inzwischen ziemlich bekannten Melanie Peter und Zwischentexten von Ralf Meyer ist eine zugleich unterhaltsame und instruktive Reise durch die Welt der Puppen und Puppenmärchen gelungen.
Nach der ersten Kindervorstellung der Saison - "Frau Holle" am 22. September um 18 Uhr - wird das Buch "Elsa geht ins Puppentheater" vorgestellt und verteilt.